Erneuerbare EnergienWindkraft als Geldanlage: Welche Anlageform passt zu Ihnen? 

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zuletzt aktualisiert10.06.2026
KategorieErneuerbare Energien Investments
Zwei Windräder stehen auf einem bewaldeten Hügel unter wolkigem Himmel, umgeben von grünen Feldern und Bergen.

Die wichtigsten Anlageformen im Vergleich 

Ein Windpark an der finnischen Küste erntet Wind, ganz gleich, wie der DAX an diesem Morgen eröffnet hat. Nicht zuletzt diese Unabhängigkeit von der Börse hat Windkraft als Geldanlage fest etabliert. Doch mit gestiegenem Standing nimmt auch das Angebot an Anlageformen zu, die sich radikal unterscheiden:

  • Direktbeteiligungen binden das Kapital oft zwei Jahrzehnte an einen einzigen Standort.
  • Offene Fonds können es über einen ganzen Kontinent streuen.
  • Themenfonds koppeln Windkraft wieder an die Börse, Schwankungen inklusive. 

Welche Formen Sie kennen sollten und was davon zu Ihnen passen könnte, stellen wir in diesem Artikel vor.

In Windkraft investieren: Die Grundlagen

Bevor es um konkrete Anlagemöglichkeiten geht, hilft eine Auffrischung der Grundlagen. Teil eins des Ratgebers stellt Vorteile und Risiken von Windkraft-Investments im Detail vor, ordnet die aktuelle Marktentwicklung ein und erklärt, welchen ökologischen Nutzen ein Investment stiftet.
Eine Person steht auf einer Windkraftanlage und schaut auf ein Gerät, mit mehreren Windrädern im Hintergrund.

Das Wichtigste in Kürze

  • Über Rendite und Risiko eines Windkraft-Investments entscheidet die Anlageform stärker als der einzelne Windpark. Die passende Anlageform richtet sich in erster Linie nach Anlagehorizont und Risikobereitschaft.
  • Seit die feste EEG-Förderung ausläuft, bestimmt die Vermarktung des Stroms die Erträge. Damit rückt die Erfahrung des Asset Managements noch mehr in den Mittelpunkt.
  • Stabil wird ein Windkraft-Investment durch breite Streuung über viele Standorte und durch die Kombination mit Anlagen, die über die reine Stromerzeugung hinausgehen, etwa Speicher und Stromnetze.
  • Breite Streuung bei einem echten Sachwert bietet vor allem der Offene Fonds in Form des ELTIF, sofern dieser tatsächlich breit in Erneuerbare Energien investiert. 

Wie verdienen Windkraftanlagen Geld?

Eine Windkraftanlage erzeugt Strom und verkauft ihn, so weit die einfache Antwort. Wie sie ihn verkauft, entscheidet über Höhe und Verlässlichkeit der Erträge – und genau hier hat sich das Spiel gedreht. „Wo früher garantierte Erlöse lockten, bestimmen heute Spotmarktpreise, Wetterdaten und Netzkapazitäten die Einnahmenseite", sagt Timo Werner, Fondsmanager des klimaVest. „Die Vermarktung von grünem Strom wird dynamischer, damit aber auch anspruchsvoller."1

Jahrelang war die Rechnung simpel. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz sicherte Anlagenbetreibern über eine Marktprämie planbare Einnahmen, unabhängig davon, wohin der Strompreis gerade tendierte. Diese Absicherung läuft für die ältesten Anlagen aus, neue Parks erhalten sie nicht mehr in der alten Form.

An ihre Stelle treten mehrere Vermarktungswege, doch jeder auf sich allein gestellt ist zu wenig: 

  • Setzt ein Park allein auf die EEG-Förderung, ist er nur auf Zeit abgesichert. Die Garantie gilt für rund zwanzig Jahre, danach muss er seinen Strom ohne diesen Schutz am freien Markt verkaufen.
  • Verkauft er alles über die Strombörse, ist er dem sogenannten Kannibalisierungseffekt ausgeliefert: Weht es überall kräftig, speisen alle Parks gleichzeitig ein und der Preis fällt genau dann, wenn am meisten Strom da ist.
  • Hängt sein ganzer Ertrag an einem einzelnen Großabnehmer, ist der Lieferant in der Bringschuld und die Vertragsgestaltung ist eine Kunst für sich. Eine solche Konstellation ist daher nur machbar für Anbieter mit Volumen und verlässlichem Track Record.

Die Antwort darauf ist ein Erlös-Mix, in dem ein Kanal ausgleicht, was ein anderer gerade nicht liefert. Allerdings entsteht diese Mischung nicht von selbst. Sie verlangt ein Asset Management, das die Erlösquellen je nach Marktlage laufend nachjustiert und am Verhandlungstisch mit den Großabnehmern besteht.


Über welche Wege verkauft ein Windpark seinen Strom?

Ein Windpark hat drei Wege, seinen Strom zu Geld zu machen:  

  1. die EEG-Einspeisevergütung
  2. die Direktvermarktung an der Börse
  3. der Stromabnahmevertrag (PPA) 

Sie unterscheiden sich darin, wie der Preis entsteht und wie verlässlich die Erträge daraus fließen: 

 

Erlösmodell EEG-Marktprämie
Preisbildungstaatlich garantierter Festpreis, rund 20 Jahre
Ertragsprofil maximal planbar, aber befristet
Erlösmodell Direktvermarktung an der Börse
Preisbildungtagesaktueller Marktpreis
Ertragsprofil höchste Chancen, höchstes Risiko
Erlösmodell Stromabnahmevertrag (PPA)
Preisbildungvereinbarter Festpreis über die Vertragslaufzeit
Ertragsprofil lange planbar, abhängig vom Abnehmer und Ausgestaltung

Disclaimer: Anlagen ab 100 kW sind seit Jahren zur Direktvermarktung verpflichtet. Die EEG-Marktprämie wird dabei zusätzlich zum erzielten Marktpreis ausgezahlt. Beide Wege schließen sich also nicht aus, sondern greifen ineinander. 

Das Power Purchase Agreement ist dabei der jüngste der drei Wege, ein langfristiger Liefervertrag, über den ein Park seinen Strom zu einem festen Preis direkt an einen bonitätsstarken Großabnehmer verkauft. Es holt einen Teil der Planbarkeit zurück, die das EEG verliert. 

 

Praxisbeispiel: So mischt klimaVest seine Stromerlöse

Die finnischen Windparks im klimaVest-Portfolio zeigen den Erlös-Mix im echten Betrieb. Langfristige PPAs mit Industriekunden sichern die Grundlast, während ein Teil der Produktion flexibel über die Börse vermarktet wird. So entsteht aus zwei Kanälen ein Ertrag, der stabiler ist, als jeder einzelne für sich es wäre.

Verschneite Landschaft mit vier Windrädern unter klarem Himmel.

Wie bringt ein Windkraft-Investment Rendite?

Der laufende Ertrag eines Windparks entsteht aus dem Stromverkauf. Nach Betrieb und Finanzierung bleibt ein planbarer, wiederkehrender Cashflow, der den Anleger:innen zugutekommt. Diese Verlässlichkeit ist die eine Hälfte der Rendite.

Die andere steckt im Sachwert selbst. Ein Windpark an einem guten Standort altert nicht einfach ab. Sind Netzanschluss, Genehmigung und eine belastbare Ertragshistorie erst einmal vorhanden, wird die Anlage mit der Zeit eher wertvoller, denn windreiche Flächen sind endlich und zunehmend gefragt. Hat eine Turbine ihren Lebenszyklus durchlaufen, hebt ein Repowering mit moderner Technik die Leistung des Standorts deutlich an.


 

Die Erfolgsfaktoren: Was unterscheidet eine gute Windkraft-Geldanlage von einer schwachen?

Eine Geldanlage in einen einzelnen Windpark kann hohe Renditen einbringen, aber auch nach hinten losgehen bis hin zum Totalausfall. Lange federte das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) dieses Risiko ab, indem es jeder Anlage über zwanzig Jahre einen festen Strompreis garantierte. Diese Förderung läuft aus und an ihre Stelle tritt ein Markt, auf dem schwankende Preise und knappe Netzkapazitäten über die Einnahmen entscheiden. „Wer langfristig erfolgreich sein will, sollte dabei nicht nur auf einzelne Technologien, sondern auf gut abgestimmte Gesamtsysteme setzen“, bringt Timo Werner, Fondsmanager des klimaVest, die gestiegenen Anforderungen in einen Satz.1

Dafür braucht es zunächst eine gewisse Breite. Ein einzelner Windpark hängt am Wetter einer einzigen Region. Bleibt dort der Wind über Wochen aus, bricht der Ertrag weg, ohne dass etwas ihn auffängt. Dieses Risiko wächst, denn mit dem Klimawandel schwanken die Wetterlagen stärker. Portfolios mit mehreren Standorten verteilen das Kapital über verschiedene Wetterregionen und kombinieren Windkraft zusätzlich mit Solar, sodass sich Erträge über das Jahr gegenseitig ausgleichen.

Breite allein genügt aber nicht, denn anspruchsvolle Diversifikation geht über die Stromerzeugung hinaus. Reine Windrad-Portfolios lassen einen wachsenden Teil des heutigen Marktes ungenutzt. Batteriespeicher etwa puffern die Schwankungen des Strommarktes und erlauben es, Strom dann zu verkaufen, wenn die Preise hoch sind, statt ihn bei Überangebot zu verschleudern.

Einen besonderen Beitrag zur Stabilität liefern die Stromnetze. „Der regulatorische Rahmen gewährleistet, dass Netzbetreiber unabhängig vom Strompreis eine kalkulierbare Verzinsung ihres eingesetzten Kapitals erzielen", erklärt Timo Werner.1 Während ein Windpark dem Wetter und dem Marktpreis ausgeliefert bleibt, liefert ein Netz seine Erträge unabhängig davon, wie der Strompreis gerade steht.

All diese Erfolgsfaktoren setzen Erfahrung voraus. „Das vielfältige Know-how dazu aufzubauen ist nicht trivial. Es kann sich daher lohnen, auf spezialisierte Assetmanager mit Markterfahrung und einer nachweisbaren Erfolgsbilanz zu setzen", sagt Dr. Nicole Arnold, Vorstandsmitglied der Commerz Real.2 Denn am Ende entscheidet, zu welchem Preis ein Park seinen Strom verkauft, nicht, wie viele Megawatt er auf dem Papier leistet.

Das Erlösmodell muss laufend nachgesteuert werden, ein langfristiger Stromabnahmevertrag mit einem Großabnehmer erst einmal verhandelt werden. Und erreicht eine Anlage nach rund zwanzig Jahren das Ende ihres Lebenszyklus, ersetzt ein Repowering sie nicht einfach eins zu eins – moderne Turbinen liefern häufig das Zwei- bis Dreifache der ursprünglichen Leistung bei gleicher Fläche. Auch das verlangt Kapital und technische Kompetenz.


Wie kann man Geld in Windkraft anlegen? Die wichtigsten Anlageformen

Direktbeteiligung und Geschlossener Fonds: Das konzentrierte Investment

Bei einer Direktbeteiligung werden Anleger:innen zu Miteigentümer:innen einer konkreten Windkraftanlage. Üblich ist die Beteiligung als Kommanditist:in an einer Kommanditgesellschaft, die das Kapital vieler Investor:innen bündelt. Ist die nötige Summe für das Vorhaben beisammen, wird der Fonds geschlossen, daher der Name Geschlossener Fonds.

Der Reiz liegt im direkten Besitz, samt Mitspracherecht, Gewinnbeteiligung und steuerlichen Vorteilen aus der unternehmerischen Beteiligung. Die Renditechance ist hoch, wenn das Projekt aufgeht. Doch genau hier sitzt das Risiko und zwar bis zum Totalausfall der investierten Summe.

Das Kapital konzentriert sich auf eine oder wenige Anlagen. Das heißt, ein schwaches Windjahr oder ein technischer Ausfall trifft womöglich das gesamte Investment. Erschwerend kommt die lange Bindung hinzu, oft zehn Jahre und mehr. Wer sich so lange festlegt, wettet darauf, dass eine heute erstklassige Anlage samt Standort auch in zehn oder fünfzehn Jahren noch konkurrenzfähig ist. Die Mindestanlage liegt dabei meist im fünfstelligen Bereich. 


Crowdinvesting: Kleine Beträge, erhöhtes Risiko

Beim Crowdinvesting bündelt eine Vielzahl von Anleger:innen kleine Beträge für ein einzelnes Windkraft-Projekt. Rechtlich geschieht das typischerweise über ein Nachrangdarlehen: Die Anleger:innen werden nicht Miteigentümer:innen, sondern leihen dem Betreiber Geld gegen einen festen Zins. Der Einstieg ist niedrig, oft schon ab 100 Euro, die Laufzeit überschaubar.

Der Haken steckt im Wort nachrangig. Geht der Betreiber pleite, werden zuerst alle anderen Gläubiger bedient, die Crowd kommt zuletzt. Im schlimmsten Fall bedeutet das den vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals.

Insgesamt haben es die Crowdinvesting-Plattformen aktuell schwer, hochwertige Projekte überhaupt anzubieten. Die ertragreichsten Standorte sind längst bebaut, neue Flächen bleiben knapp und politisch umkämpft. Überzeugende Vorhaben finden meist finanzkräftige Geldgeber, lange bevor sie überhaupt zur Ausschreibung an die Crowd kommen. 


Aktien und Themenfonds: Windkraft über die Börse

Windkraft-Aktien und Themenfonds setzen nicht auf einen Windpark, sondern auf die Unternehmen dahinter, die Turbinen bauen oder Anlagen betreiben. Die Rendite hängt dann am Aktienkurs und an der Dividende. Sie folgt damit den Gesetzen der Börse wie jedes andere Wertpapier.

So lässt sich das Investment jederzeit kaufen und verkaufen, auch in den Beträgen ist man flexibler. Themenfonds oder ETFs bieten zudem breite Streuung. Doch der Kurs tanzt nach der Stimmung des Aktienmarkts und dem Zinsniveau, womit die Anlage gerade das verspielt, was Windkraft als Sachwert so wertvoll macht: ihre Unabhängigkeit von der Börse mit den stabilen, planbaren Cashflows.

Auch verpufft die Wirkung, die manchen Anleger:innen durchaus wichtig ist. Das Kapital baut keine neue Anlage, es wechselt an der Börse lediglich den Eigentümer. Hinter dem grünen Etikett vieler Indizes verstecken sich zudem Versorger, die nur einen kleinen Teil ihres Geschäfts auf saubere Energie umgestellt haben.


Offene Fonds und ELTIF: Der breit gestreute Sachwert

Ein Offener Fonds bündelt das Kapital vieler Anleger:innen und verteilt es über ein ganzes Portfolio. Bei Beachtung gewisser Mindesthaltedauern und Rückgabefristen lassen sich die Anteile auch wieder verkaufen. Das verbindet Breite und Beweglichkeit, also genau das, woran es Geschlossenen Fonds mangelt. Für Windkraft und Erneuerbare Energien gab es diese Struktur lange jedoch gar nicht, der direkte Zugang blieb institutionellen Investoren vorbehalten.

Diese Lücke schließt der ELTIF (European Long-Term Investment Fund). Über ihn fließt das Kapital von Privatanleger:innen in reale Anlagen, die laufend Strom produzieren und Cashflows abwerfen. Auch ermöglichen ELTIFs, Windkraft mit anderen Anlagen wie Solar, Speichern und Stromnetzen in einem Fonds zu kombinieren.

In der Liquidität bewegt er sich zwischen den starren geschlossenen Konstrukten und dem Aktienmarkt: Anteile lassen sich vor Laufzeitende zurückgeben, jedoch nicht börsentäglich, sondern meist zu festen Terminen. Seit der Reform ELTIF 2.0 ist zudem die frühere Mindestanlage von 10.000 Euro entfallen.

Dabei sind ELTIFs weder auf Windkraft noch auf Erneuerbare Energien beschränkt. Ein ELTIF kann ebenso in Private Debt (Unternehmenskredite) oder ganz andere Vermögenswerte investieren. Vor dem Kauf lohnt deshalb ein genauer Blick darauf, wer hinter dem Fonds steht, was sein Track Record hergibt – und ganz besonders, worin er das Kapital tatsächlich anlegt.

ELTIF kaufen: Das gilt es zu beachten

Ein ELTIF ist nicht automatisch ein Investment in Erneuerbare Energien und nicht jeder Fonds streut gleich breit. Worauf Sie bei Anbieter, Track Record und Portfolio achten sollten, wie Zeichnung, Kosten und Rückgabe funktionieren – das erklärt Ihnen dieser Artikel.

Dynamische, abstrakte Lichtlinien in Grün-, Blau- und Violetttönen mit fließender Bewegung auf dunklem Hintergrund

Windkraft als Geldanlage: Welche Form ist wann sinnvoll?

Für die meisten Privatanleger:innen, die Wert auf Stabilität und einen echten Sachwert legen, empfiehlt sich der breit gestreute Offene Fonds in Gestalt des ELTIF. Er streut über viele Anlagen, bleibt ein realer Sachwert und verlangt keine hohe Mindestanlage.

Wer dagegen ein großes Vermögen, einen langen Atem und das nötige Fachwissen mitbringt, kann mit einer Direktbeteiligung höhere Erträge anstreben, trägt dafür aber das volle Risiko des einzelnen Projekts. Das Crowdinvesting eignet sich, um mit kleinem Geld ein konkretes Vorhaben zu fördern, solange der mögliche Totalverlust verschmerzbar bleibt. Und Aktien oder Themenfonds bieten tägliche Handelbarkeit, koppeln die Anlage aber zurück an die Börse.

Welche Form passt, hängt von der eigenen Situation ab: Wie viel Kapital ist über Jahre entbehrlich? Wie viel Risiko ist tragbar? Und geht es um ein einzelnes Projekt oder um breite Streuung?

1Quelle: Timo Werner, „Stromnetze und Speicher: Schlüssel zur nächsten Phase der Energiewende", AnlegerPlus 08/2025, Seiten 36–37

2Quelle: Arnold, Nicole, Unendliche Vielfalt der Erneuerbaren, intelligent-investors.de, Januar 2025