Wie kann man Geld in Windkraft anlegen? Die wichtigsten Anlageformen
Direktbeteiligung und Geschlossener Fonds: Das konzentrierte Investment
Bei einer Direktbeteiligung werden Anleger:innen zu Miteigentümer:innen einer konkreten Windkraftanlage. Üblich ist die Beteiligung als Kommanditist:in an einer Kommanditgesellschaft, die das Kapital vieler Investor:innen bündelt. Ist die nötige Summe für das Vorhaben beisammen, wird der Fonds geschlossen, daher der Name Geschlossener Fonds.
Der Reiz liegt im direkten Besitz, samt Mitspracherecht, Gewinnbeteiligung und steuerlichen Vorteilen aus der unternehmerischen Beteiligung. Die Renditechance ist hoch, wenn das Projekt aufgeht. Doch genau hier sitzt das Risiko und zwar bis zum Totalausfall der investierten Summe.
Das Kapital konzentriert sich auf eine oder wenige Anlagen. Das heißt, ein schwaches Windjahr oder ein technischer Ausfall trifft womöglich das gesamte Investment. Erschwerend kommt die lange Bindung hinzu, oft zehn Jahre und mehr. Wer sich so lange festlegt, wettet darauf, dass eine heute erstklassige Anlage samt Standort auch in zehn oder fünfzehn Jahren noch konkurrenzfähig ist. Die Mindestanlage liegt dabei meist im fünfstelligen Bereich.
Crowdinvesting: Kleine Beträge, erhöhtes Risiko
Beim Crowdinvesting bündelt eine Vielzahl von Anleger:innen kleine Beträge für ein einzelnes Windkraft-Projekt. Rechtlich geschieht das typischerweise über ein Nachrangdarlehen: Die Anleger:innen werden nicht Miteigentümer:innen, sondern leihen dem Betreiber Geld gegen einen festen Zins. Der Einstieg ist niedrig, oft schon ab 100 Euro, die Laufzeit überschaubar.
Der Haken steckt im Wort nachrangig. Geht der Betreiber pleite, werden zuerst alle anderen Gläubiger bedient, die Crowd kommt zuletzt. Im schlimmsten Fall bedeutet das den vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals.
Insgesamt haben es die Crowdinvesting-Plattformen aktuell schwer, hochwertige Projekte überhaupt anzubieten. Die ertragreichsten Standorte sind längst bebaut, neue Flächen bleiben knapp und politisch umkämpft. Überzeugende Vorhaben finden meist finanzkräftige Geldgeber, lange bevor sie überhaupt zur Ausschreibung an die Crowd kommen.
Aktien und Themenfonds: Windkraft über die Börse
Windkraft-Aktien und Themenfonds setzen nicht auf einen Windpark, sondern auf die Unternehmen dahinter, die Turbinen bauen oder Anlagen betreiben. Die Rendite hängt dann am Aktienkurs und an der Dividende. Sie folgt damit den Gesetzen der Börse wie jedes andere Wertpapier.
So lässt sich das Investment jederzeit kaufen und verkaufen, auch in den Beträgen ist man flexibler. Themenfonds oder ETFs bieten zudem breite Streuung. Doch der Kurs tanzt nach der Stimmung des Aktienmarkts und dem Zinsniveau, womit die Anlage gerade das verspielt, was Windkraft als Sachwert so wertvoll macht: ihre Unabhängigkeit von der Börse mit den stabilen, planbaren Cashflows.
Auch verpufft die Wirkung, die manchen Anleger:innen durchaus wichtig ist. Das Kapital baut keine neue Anlage, es wechselt an der Börse lediglich den Eigentümer. Hinter dem grünen Etikett vieler Indizes verstecken sich zudem Versorger, die nur einen kleinen Teil ihres Geschäfts auf saubere Energie umgestellt haben.
Offene Fonds und ELTIF: Der breit gestreute Sachwert
Ein Offener Fonds bündelt das Kapital vieler Anleger:innen und verteilt es über ein ganzes Portfolio. Bei Beachtung gewisser Mindesthaltedauern und Rückgabefristen lassen sich die Anteile auch wieder verkaufen. Das verbindet Breite und Beweglichkeit, also genau das, woran es Geschlossenen Fonds mangelt. Für Windkraft und Erneuerbare Energien gab es diese Struktur lange jedoch gar nicht, der direkte Zugang blieb institutionellen Investoren vorbehalten.
Diese Lücke schließt der ELTIF (European Long-Term Investment Fund). Über ihn fließt das Kapital von Privatanleger:innen in reale Anlagen, die laufend Strom produzieren und Cashflows abwerfen. Auch ermöglichen ELTIFs, Windkraft mit anderen Anlagen wie Solar, Speichern und Stromnetzen in einem Fonds zu kombinieren.
In der Liquidität bewegt er sich zwischen den starren geschlossenen Konstrukten und dem Aktienmarkt: Anteile lassen sich vor Laufzeitende zurückgeben, jedoch nicht börsentäglich, sondern meist zu festen Terminen. Seit der Reform ELTIF 2.0 ist zudem die frühere Mindestanlage von 10.000 Euro entfallen.
Dabei sind ELTIFs weder auf Windkraft noch auf Erneuerbare Energien beschränkt. Ein ELTIF kann ebenso in Private Debt (Unternehmenskredite) oder ganz andere Vermögenswerte investieren. Vor dem Kauf lohnt deshalb ein genauer Blick darauf, wer hinter dem Fonds steht, was sein Track Record hergibt – und ganz besonders, worin er das Kapital tatsächlich anlegt.