Welche Risiken haben Infrastrukturfonds für Erneuerbare Energien?
Im Wesentlichen sind es sieben Risiken: die Abhängigkeit von staatlichen Förderungen, der schnelle Technologiewandel, Wetter- und Standortabhängigkeit, bürokratische und geopolitische Hürden, das Strompreis- und Kannibalisierungsrisiko bei Erneuerbaren, Zins- und Refinanzierungsrisiken sowie das Bewertungsrisiko illiquider Assets.
Viele Fonds sind auf staatliche Förderungen wie Subventionen, gesetzlich geregelte Einspeisevergütungen oder Steuervergünstigungen angewiesen, um planbare Erträge erzielen zu können. Allerdings besteht immer auch das Risiko, dass solche Fördermittel gesenkt werden oder ganz wegfallen. Das kann die Rentabilität dieser Fonds beeinträchtigen – und schließlich auch die Rendite der Anleger:innen. In den letzten Jahren ist die Bedeutung von Einspeisevergütungen jedoch zurückgegangen. Viele Fonds sichern ihre Erlöse heute stärker über langfristige Stromabnahmeverträge (Power Purchase Agreements, kurz PPAs) ab.
Zweitens kann die Innovationskraft im Bereich Infrastruktur auch Druck auf die Fondsanbieter erzeugen. Die ständige Einführung neuer, verbesserter Technologien für Solarkraftanlagen oder Windturbinen sorgt natürlich für mehr Effizienz bei der Stromerzeugung – doch sie zwingt auch dazu, Fondsportfolios ständig zu optimieren und auf dem neuesten Stand zu halten. Veraltete Technologien dämpfen entsprechend die Effizienz und sorgen für geringere Erträge, die sich ebenfalls negativ auf die Renditeerwartung von Anleger:innen auswirken können.
Eine weitere Herausforderung besteht in der Abhängigkeit von Wetterbedingungen. Zwar handelt es sich bei Solar- und Windkraft um nahezu unbegrenzte Energiequellen – doch um diese auch möglichst effizient nutzen zu können, müssen die entsprechenden Witterungsbedingungen gegeben sein. Dieses Risiko kann jedoch durch ein erfahrenes Fondsmanagement und die strategische Auswahl von Assets je nach Lage gezielt gesenkt werden.
Die vermutlich größte Herausforderung beim Investment in Infrastrukturfonds für Erneuerbare Energien besteht jedoch in der Auflage des Fonds und der Abwicklung der einzelnen Infrastrukturprojekte, in die investiert wird. Hier drohen vor allem Komplikationen durch bürokratische Hürden, Lieferkettenprobleme oder komplexe Genehmigungsverfahren, die vom Fondsbetreiber durchlaufen werden müssen. Dabei kann es zu Verzögerungen im Projektablauf kommen, die zusätzliche Kosten hervorbringen und die geplanten Erträge gefährden können. In Deutschland haben Beschleunigungsgesetze die Lage zuletzt verbessert. 2024 stiegen die Windgenehmigungen um 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Hinzu kommt ein geopolitisches Risiko in den Lieferketten. Zentrale Komponenten wie Solarmodule und Batteriezellen stammen weiterhin überwiegend aus China. Das kann Fonds gegenüber Preisschwankungen und Lieferengpässen anfällig machen.
Bei Anlagen zur Erzeugung Erneuerbarer Energien entsteht ein eigenes Marktpreisrisiko, das oft übersehen wird. Wenn an sonnigen Mittagsstunden viele Solaranlagen gleichzeitig Strom ins Netz einspeisen, kann der Strompreis am Markt stark sinken oder zeitweise sogar negativ werden. Das kann die Erlöse von Anlagen drücken, die ihren Strom direkt am Markt verkaufen. Wie stark ein Fonds davon betroffen ist, hängt von seiner Erlösstruktur ab. Fonds, die ihre Anlagen über langfristige Stromabnahmeverträge absichern oder Batteriespeicher einsetzen, um die Einspeisung in ertragsstärkere Stunden zu verschieben, können dieses Risiko spürbar reduzieren.
Infrastrukturprojekte werden häufig zu einem großen Teil mit Krediten finanziert. Steigen die Zinsen, verteuert sich die Refinanzierung und der Wert bestehender Projekte kann unter Druck geraten. Auch die Renditeanforderungen an neue Projekte steigen in solchen Phasen, was die Auswahl finanzierbarer Vorhaben verkleinern kann. Fonds, die mit einer eher zurückhaltenden Kreditquote arbeiten und ihre Finanzierungen langfristig festgeschrieben haben, sind gegenüber Zinsbewegungen weniger anfällig.
Anders als an der Börse gehandelte Wertpapiere werden Infrastruktur-Sachwerte nicht börsentäglich neu bewertet. Stattdessen ermittelt das Fondsmanagement den Wert in regelmäßigen Abständen anhand von Modellen oder anhand vergleichbarer Verkäufe am Markt. Die britische Finanzaufsicht FCA hat 2025 darauf hingewiesen, dass nicht alle Anbieter klare Prozesse für außerplanmäßige Neubewertungen haben. Eine glatte Wertentwicklung in der Kursdarstellung muss daher nicht bedeuten, dass das tatsächliche Risiko ebenfalls gering ist. Fonds, die häufig und mit Unterstützung unabhängiger Gutachter bewertet werden, bieten an dieser Stelle mehr Transparenz.