klimaVest wird fünf Jahre alt und ist seitdem stark gewachsen. Hätten Sie sich diese Entwicklung zum Fondsstart so vorgestellt?
Ehrlich gesagt übertrifft das sogar meine eigenen damaligen Erwartungen. klimaVest ist ein ELTIF (European Long-Term Investment Fund), der das unendliche Potenzial erneuerbarer Ressourcen für Privatanleger:innen nutzbar macht – und zwar in einem einzigen Investment. Wenn ich mir heute die Zahlen anschaue: 1,8 Mrd. Milliarden Euro Fondsvolumen, über 30.000 Anleger:innen, größter ELTIF in Europa – das zeigt, dass wir einen echten Bedarf und im positiven Sinne, anscheinend einen Nerv getroffen haben.
Was unterscheidet klimaVest denn von anderen Anlageprodukten?
Offene Infrastrukturfonds wie unser klimaVest eröffnen Privatanleger:innen einen direkten und diversifizierten Zugang zu einer Assetklasse, die traditionell eher professionellen Investor:innen vorbehalten war. Ein Investment, 43 Assets in 6 Ländern – das ist heute klimaVest. Unsere Anleger:innen diversifizieren ihr Portfolio mit erneuerbaren Energien und Netzinfrastruktur und profitieren dabei von langfristigen Abnahmeverträgen für den produzierten Strom, die wertstabile Erträge ermöglichen. Was viele schätzen: Investments in Sachwerte wie Infrastruktur sind weitgehend unabhängig von den täglichen Schwankungen am Aktienmarkt. Das kann sie als Beimischung im Depot zu einem Stabilitätsanker machen.
Das vergangene Jahr war ja durchaus bewegt. Welche Entwicklungen haben Sie am meisten geprägt?
Wir haben uns strategisch erneut ein ganzes Stück weiterentwickelt und zugleich klar positioniert, würde ich sagen. Mit dem Windpark Moanvane – 57,6 Megawatt (MW) mit einem 15-Jahres-Abnahmevertrag – haben wir Irland als neuen Markt für den klimaVest erschlossen. Das Land bietet fantastische Windressourcen. In Frankreich haben wir mit dem baureifen Solarpark Amance unseren Photovoltaik-Anteil gestärkt. Der Bau geht gut voran, sodass der Park noch dieses Jahr ans Netz gehen wird. Bei der Stromvermarktung arbeiten wir hier mit einer Kombination aus dem staatlichen Einspeisetarif und einem Stromabnahmevertrag mit einem Großabnehmer. Dadurch erwarten wir langfristig planbare Erträge aus dem Betrieb des Kraftwerks, das rechnerisch rund 11.000 französische Haushalte mit Strom versorgen kann.
Sie sprechen von strategischer Positionierung – da gab es doch noch eine ganz besondere Innovation?
Richtig, ohne uns selbst zu sehr loben zu wollen, aber das war wirklich ein Coup für uns: Wir haben über die M31 Beteiligungsgesellschaft 4,5 Prozent an Amprion erworben – einem der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber. Damit sind wir der erste offene Privatanlegerfonds, der in deutsche Stromnetze investiert. Netzinfrastruktur macht jetzt gut ein Drittel unseres Portfolios aus und bringt wetterunabhängige, staatlich regulierte Erträge. Während Wind und Sonne mal mehr, mal weniger liefern, läuft das Stromnetz immer. Als Eigentümer erhalten wir eine staatlich garantierte Verzinsung auf unser eingesetztes Kapital, und zwar unabhängig von der Menge an Strom, die durch das Netz fließt. Auch unser spanisches Solarprojekt Castillejo hat Ready-to-Build-Status erreicht und soll voraussichtlich 2026 ans Netz gehen. Bei den Projekten zeigt sich jedoch, dass der Netzanschluss das Nadelöhr bei Erneuerbare-Energien-Projekten ist. Deshalb ist der Netzausbau so wichtig.
2025 war ja kein einfaches Jahr für die Erneuerbaren-Branche. Wie haben Sie das gemeistert?
Das stimmt, es war durchaus herausfordernd: verhältnismäßig wenig Wind im ersten Halbjahr, niedrige Strompreise, sinkende Zinsen. Viele Marktteilnehmer hatten zu kämpfen. Aber genau hier zeigt sich der Wert unserer eigenen Diversifikationsstrategie über mehrere Länder, Technologien und Vermarktungswege. Mit staatlichen Stromeinspeisetarifen, Power Purchase Agreements, Stromverkauf am freien Markt über die Strombörse und eben der neu dazugekommenen Netzinfrastruktur haben wir verschiedene Ertragsquellen. Das wirkt sich insgesamt stabilisierend aus und hilft uns, Marktturbulenzen abzufedern.
Wie sicher ist denn die finanzielle Basis von klimaVest?
Sehr solide, das kann ich mit gutem Gewissen sagen. Unsere Fremdfinanzierungsquote liegt bei nur 25,56 Prozent – das verschafft uns ordentlich Spielraum. Und hier noch ein wichtiger Punkt: 82,7 Prozent unseres Portfolios sind bereits operative Assets. Nur 17,3 Prozent befinden sich noch in der Entwicklung. Diese Projekte entwickeln wir für den Verbleib im Fonds und spekulieren nicht darauf, sie möglichst bald gewinnbringend weiter zu verkaufen. Diese Strategie minimiert Risiken erheblich, weil wir nicht auf Erlöse aus Projektverkäufen angewiesen sind.
Und wie sehen Sie die Zukunft? Was steht als nächstes an?
Ich bin durchaus optimistisch für das neue Geschäftsjahr, wir streben hier eine Rendite zwischen 3 und 4 Prozent an. Unsere Solar-Projektentwicklungen in Deutschland, Spanien und Schweden laufen nach Plan. Was mein Team und mich aktuell intensiv beschäftigt: Wir prüfen gerade den Einstieg in den Bereich Batteriespeicher, zunächst als ergänzende Nachrüstung zu bestehenden Wind- und Solarparks des Fonds. Das wäre wieder ein nächster innovativer Baustein fürs Portfolio – Batterien können Schwankungen am Spotmarkt abfedern und zusätzliche Ertragschancen schaffen.
Was gibt Ihnen als Fondsmanager die größte Zuversicht?
Zunächst mal haben wir mit der Commerz Real Gruppe ein äußerst erfahrenes Unternehmen im Rücken – das schafft Vertrauen. Dazu kommt unser breites Netz aus Vertriebspartnern, das wir über die Jahre aufgebaut haben. Inzwischen ist klimaVest nicht nur bei unserer Konzernmutter Commerzbank erhältlich, sondern auch bei vielen Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Und dann ist da noch etwas Entscheidendes: Die Assetklasse Erneuerbare Energien ist zwar zukunftsstark und innovativ, aber in vielen Depots immer noch unterrepräsentiert. Hier liegt enormes Potenzial. Mit klimaVest können Anleger:innen direkt dort investieren, wo die Energiewende wirklich stattfindet – und das mit professionellem Asset Management.