Fonds für Erneuerbare EnergienWelcher Fonds zu welcher Strategie passt

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zuletzt aktualisiert10.06.2026
KategorieErneuerbare Energien Investments
Luftaufnahme von Solarzellenfeldern auf grünem Gras.

Das Wichtigste in Kürze

  • Fonds für Erneuerbare Energien bündeln das Kapital vieler Anleger:innen und investieren es in die Erzeugung von Strom aus Wind und Sonne, entweder direkt in reale Anlagen oder indirekt über Aktien der Branche.
  • Die wichtigste Wahl ist die zwischen direkter und indirekter Anlage. Nur die direkte Anlage über einen Sachwertefonds ist von der Börse entkoppelt, die indirekte Anlage über ETF oder Aktienfonds bleibt ein Investment mit Börsenprofil.
  • Bei der Auswahl entscheidet zuerst die Strategie, welche Fondsart infrage kommt und danach die Qualität, welcher konkrete Fonds innerhalb dieser Art überzeugt.
  • Die strategische Entscheidung fällt zwischen einem konzentrierten Investment in wenige Projekte (meist ein Geschlossener Fonds) und einem breit streuenden Baustein, der das Depot stabilisiert (meist ein ELTIF).
  • Wichtige Kriterien sind unter anderem Breite und Zukunftsfähigkeit des Portfolios, Erfahrung des Asset Managements, Track Record, Kapitalbindung und Kosten.
  • Ein breit streuender ELTIF mit erfahrenem Asset Management bündelt die Eigenschaften, die ein Sachwert-Investment in Erneuerbare Energien stabil und zukunftsfähig machen.

Was sind Fonds für erneuerbare Energien?

Sie bündeln das Kapital vieler Anleger:innen und investieren es in die Erzeugung Erneuerbarer Energie. Entweder fließt das Geld direkt in Sachwerte wie Wind- und Solarparks, an denen der Fonds beteiligt ist. Oder es fließt indirekt in Wertpapiere, also in Aktien und Anleihen von Unternehmen, die im Bereich Erneuerbarer Energien tätig sind. Breiter aufgestellte Fonds berücksichtigen über die reine Erzeugung hinaus auch ergänzende Infrastruktur wie Stromnetze und Batteriespeicher, die für ein funktionierendes Energiesystem notwendig sind und ebenfalls Ertragspotenzial haben.

Die Unterscheidung zwischen direkter und indirekter Anlage ist die wichtigste Weichenstellung dieser Anlageklasse. Sie entscheidet darüber, wie ein Fonds funktioniert, welche Risiken er trägt und wie eng er an die Schwankungen der Börse gekoppelt ist.

Fälschlicherweise werden Fonds für Erneuerbare Energien oft mit nachhaltigen Fonds im Allgemeinen gleichgestellt oder als Klimafonds bezeichnet. Ein nachhaltiger Fonds verteilt sein Kapital über viele Branchen und folgt meist breiten ESG-Kriterien . Ein Klimafonds richtet sich am Ziel der Emissionssenkung aus, kann dafür aber ebenso in Industrie, Immobilien oder Verkehr investieren. Ein Fonds für Erneuerbare Energien ist enger gefasst und zielt konkret auf die Erzeugung von Strom und Wärme aus erneuerbaren Quellen.


Welche Arten von Fonds für Erneuerbare Energien gibt es?

Grundsätzlich lassen sie sich in zwei Gruppen einteilen: solche, die indirekt über Wertpapiere investieren, und solche, die direkt in reale Anlagen wie Wind- und Solarparks investieren. Die ältere Einteilung in offene und geschlossene Fonds hat dagegen an Aussagekraft verloren, seit mit dem ELTIF eine semiliquide Struktur hinzugekommen ist, die sich keiner der beiden Kategorien eindeutig zuordnen lässt.

Innerhalb dieser zwei Gruppen haben sich vier Fondsarten am Markt etabliert:

  • Aktien- und Themen-ETFs: indirekte Anlage, börsentäglich handelbar, niedrige Kosten. Doch kein „echtes“ Investment in Erneuerbare Energien, da kein Sachwertbezug
  • Aktiv gemanagte Themenfonds: indirekte Anlage, aktive Titelauswahl durch ein Fondsmanagement, dafür höhere Kosten und abhängig von Schwankungen an der Börse
  • ELTIFs: direkte Beteiligung am echten Sachwert, mit hohem Diversifikationspotenzial. Seit der Reform ELTIF 2.0 entfallen meist die hohen Mindestanlagesummen
  • Geschlossene Fonds und Crowdinvesting: direkte Beteiligung an einzelnen Projekten, allerdings mit hohem Konzentrationsrisiko

Erneuerbare-Energien-Fonds im Vergleich

FondsartAktien- und Themen-ETF
Stärkenbörsentäglich handelbar, niedrige Kosten
Zu beachtenkein direkter Sachwertbezug, voll den Börsenschwankungen ausgesetzt
FondsartAktiv gemanagter Themenfonds
Stärkenaktive Auswahl und Steuerung durch ein Fondsmanagement
Zu beachtenhöhere Kosten, ebenfalls an die Börse gebunden
FondsartELTIF
Stärkendirekte Beteiligung am Sachwert, Diversifikationspotenzial
Zu beachtenLiquidität je nach Fonds sehr unterschiedlich, Fondsinhalt vor dem Kauf prüfen
FondsartGeschlossene Fonds und Crowdinvesting
Stärkendirekter Bezug zu einem konkreten Projekt
Zu beachtenhohes Konzentrationsrisiko, bis zum Totalverlust

Indirekte Anlage: Aktien- und Themen-ETFs

Ein Erneuerbare-Energien-ETF bildet einen Aktienindex nach, der Unternehmen aus der Branche bündelt, etwa Hersteller von Windturbinen oder Betreiber von Solarparks. Anteile sind börsentäglich handelbar und schon mit kleinen Beträgen zugänglich.

Der Vorteil liegt in dieser Flexibilität und in den niedrigen Kosten, da ein ETF nicht aktiv verwaltet wird. Der Nachteil betrifft die Zusammensetzung. Anleger:innen erwerben Unternehmensanteile, deren Kurs auch von Börsenstimmung und Zinsniveau abhängt, nicht eine Beteiligung an einer einzelnen Anlage. Hinzu kommt, dass viele Indizes unter dem Etikett Erneuerbarer Energien auch Versorger führen, die nur einen Teil ihres Geschäfts umgestellt haben.


Indirekte Anlage: Aktiv gemanagte Themenfonds

Auch aktiv gemanagte Themenfonds investieren in Aktien von Unternehmen aus dem Bereich erneuerbarer Energien. Anders als beim ETF trifft hier ein Fondsmanagement die Auswahl der Titel.

Diese aktive Auswahl macht den Anlageschwerpunkt meist transparenter, weil das Fondsmanagement nachvollziehbar begründet, in welche Unternehmen es investiert. Sie hat allerdings ihren Preis: Die aktive Verwaltung verursacht höhere Kosten als bei einem ETF. An der grundsätzlichen Abhängigkeit von der Börse ändert auch dieser Fondstyp nichts, denn das Investment bleibt deren Schwankungen ausgesetzt.


Direkte Anlage: ELTIFs

Ein ELTIF (European Long-Term Investment Fund) ist eine vergleichsweise junge Fondsstruktur, über die Privatanleger:innen direkt in Sachwerte investieren können. Das Kapital fließt in reale Anlagen wie Wind- und Solarparks, die laufend Strom produzieren und daraus Cashflows erzeugen.

ELTIFs haben den Markt spürbar verändert, auch wenn sie noch nicht in allen Depots angekommen sind. Lange war der direkte Zugang zu Sachwert-Investments in Erneuerbare Energien institutionellen Investoren vorbehalten, Privatanleger:innen blieb er versperrt. Der ELTIF hat das aufgebrochen, in der Branche ist deshalb von einer „Demokratisierung der Private Markets“ die Rede. Erst über diese Struktur können Privatanleger:innen ihr Depot ernsthaft um Erneuerbare Energien als Sachwert ergänzen und auf diesem Weg breiter diversifizieren.

Ein Nachteil ist die eingeschränkte Verfügbarkeit. ELTIFs sind semiliquide und geben Anteile nur in festen Zeitfenstern zurück, deren Fristen je nach Fonds zwischen einem und mehreren Jahren liegen. Das Kapital ist damit langfristig gebunden. Hinzu kommt, dass unter dem Begriff ELTIF sehr unterschiedliche Fonds vermarktet werden, vom breiten Infrastrukturportfolio bis zu Strukturen mit Schwerpunkt Private Debt. Was genau im Fonds steckt, lässt sich am Namen ELTIF allein nicht ablesen.


Direkte Anlage: Geschlossene Fonds und Crowdinvesting

Bei geschlossenen Fonds und Crowdinvesting-Projekte beteiligt man sich direkt an Anlagen zur Erzeugung Erneuerbarer Energie, meist an einem einzelnen oder wenigen Projekten.

Das macht das Investment besonders greifbar, weil das Kapital in ein klar benanntes Projekt fließt, etwa einen bestimmten Solarpark. Beim Crowdinvesting kommen niedrige Einstiegssummen hinzu, oft schon ab 100 oder 500 Euro.

Genau diese Konzentration auf wenige Projekte ist allerdings die Schwäche dieser Anlageform. Scheitert ein einzelnes Projekt, lässt sich das anders als ein Kursrückgang an der Börse nicht wieder aufholen. Beim Crowdinvesting kommt hinzu, dass Anleger:innen ihr Kapital meist als Nachrangdarlehen geben: Im Insolvenzfall werden sie erst nach allen anderen Gläubigern bedient, was bis zum Totalverlust der Anlagesumme führen kann. Das Kapital ist zudem über die gesamte Laufzeit gebunden.


Erneuerbare Energien Fonds: Die vier Arten im Vergleich

FondsartAktien- & Themen-ETF
Sachwertbezugindirekt (über Aktien)
Streuungbreit gestreut
FondsartAktiver Themenfonds
Sachwertbezugindirekt (über Aktien)
Streuungbreit gestreut
FondsartELTIF
Sachwertbezugdirekt (über reale Anlagen)
Streuungkonzentriert gestreut
FondsartGeschlossener Fonds / Crowdinvesting
Sachwertbezugdirekt (über reale Anlagen)
Streuungkonzentriert gestreut

Erneuerbare-Energien-Fonds: Chancen und Risiken

Vernünftig diversifizierte Fonds für Erneuerbare Energien verteilen das eingesetzte Kapital auf viele Anlagen und senken damit das Gewicht, das ein einzelnes Investment im Portfolio hätte. Eigene Risiken entstehen aus der Fondsstruktur selbst, etwa aus Kosten und einer begrenzten Verfügbarkeit des Kapitals.


Welche Vorteile bieten Fonds für Erneuerbare Energien?

  • Zukunftsstarke Anlageklasse: Erneuerbare Energien tragen heute mehr als die Hälfte der deutschen Stromerzeugung, der Strombedarf nimmt immer weiter zu und ihr Ausbau ist politisch langfristig angelegt.
  • Neuer Baustein im Depot: In vielen Portfolios sind erneuerbare Energien bislang kaum vertreten. Als eigene Anlageklasse, die sich anders verhält als Aktien oder Anleihen, ergänzen sie ein Depot um einen Baustein, der dort meist noch fehlt.
  • Risikostreuung: Ein Fonds verteilt das Kapital auf viele Anlagen statt auf eine einzelne. Fällt der Ertrag einer Anlage geringer aus, etwa durch ein schwaches Windjahr oder den Ausfall eines Projekts, wiegt das im Gesamtportfolio weniger schwer.
  • Zugang mit überschaubaren Beträgen: Ein ganzes Portfolio aus Wind- und Solaranlagen lässt sich im Alleingang kaum aufbauen. Ein Fonds macht diesen Zugang möglich und das schon mit Summen, die für Privatanleger:innen erreichbar sind.
  • Regulierter Rahmen: Fonds unterliegen festen gesetzlichen Vorgaben, von der Prospektpflicht bis zum standardisierten Informationsblatt. Eine private Direktbeteiligung an einem einzelnen Projekt bietet diesen geregelten Rahmen nicht.
  • Auswahl und Prüfung durch das Fondsmanagement: Bei aktiv verwalteten Fonds entscheidet ein Fondsmanagement, welche Anlagen und Projekte ins Portfolio kommen. Anleger:innen müssen nicht selbst das tragfähige Projekt aus einer unübersichtlichen Auswahl herausfiltern.

 

Welche Risiken haben Fonds für Erneuerbare Energien?

Ein Teil der Fonds für Erneuerbare Energien investiert nicht in die Anlagen selbst, sondern in Aktien von Unternehmen der Branche. Das betrifft ETFs und aktiv gemanagte Themenfonds. Wer hier investiert, trägt in erster Linie die Risiken des Aktienmarkts: Der Wert richtet sich nach Börsenstimmung, Bewertungsniveau und Zinserwartung, nicht nach dem Stromertrag eines bestimmten Wind- oder Solarparks.

Wie ausgeprägt das ist, zeigt der Blick auf die Wertentwicklung. Clean-Energy-Aktienfonds durchliefen mehrere schwache Jahre und erholten sich 2025 wieder deutlich.1 Das sind Schwankungen, wie man sie von Aktien kennt und sie haben nichts damit zu tun, wie viel Strom die zugrunde liegenden Anlagen tatsächlich erzeugt haben. Wer Erneuerbare Energien gerade wegen ihres eigenen, vom Aktienmarkt unabhängigen Profils ins Depot holen möchte, erreicht dieses Profil über die indirekte Anlage nicht. Es bleibt eine Aktienanlage – mit allen Chancen und Risiken des Aktienmarktes, ohne die Stärken einer echten Sachwertanlage auszuschöpfen.

Die folgenden Risiken betreffen die direkte Anlage in reale Erzeugungsanlagen:

  • Strompreisrisiko: Ein wachsender Teil der Stromerlöse hängt von den Preisen am Spotmarkt ab, die im Stundenrhythmus schwanken. Produzieren viele Anlagen gleichzeitig, fallen die Preise, was als Kannibalisierungseffekt bezeichnet wird. Langfristige Stromabnahmeverträge und Speicherlösungen können das abfedern.
  • Wetter- und Klimarisiko: Die Erzeugung aus Wind und Sonne ist von Natur aus wetterabhängig, und die Schwankungen werden größer. Auf ein ertragsstarkes Jahr kann ein schwaches folgen und langfristig verschiebt der Klimawandel sowohl Windmuster als auch Sonneneinstrahlung. Ein guter Standort bleibt deshalb nicht zwangsläufig dauerhaft gut. Ohne geographische Diversifikation ist das Investment Naturphänomenen ausgeliefert.
  • Refinanzierungs- und Zinsrisiko: Anlagen zur Erzeugung Erneuerbarer Energie sind kapitalintensiv und werden zu einem großen Teil über Kredite finanziert. Steigende Zinsen verteuern neue Projekte und erschweren die Refinanzierung bestehender Anlagen.
  • Konzentrationsrisiko: Nicht jeder Fonds ist breit aufgestellt. Entfällt ein großer Teil des Vermögens auf wenige Anlagen, schlägt der Wertverlust einer einzelnen Position stärker auf den ganzen Fonds durch. Wie durchdacht ein Fonds dabei streut, hängt auch von der Erfahrung des Asset Managements ab.
  • Liquiditätsrisiko: Wind- und Solarparks lassen sich nicht über Nacht verkaufen. Fonds in dieser Anlageklasse arbeiten deshalb mit Mindesthaltefristen und festen Rückgabezeitfenstern. Diese Mechanismen schützen das Portfolio vor Notverkäufen unter Zeitdruck. Für Anleger:innen ist das Kapital damit über mehrere Jahre gebunden, kurzfristige Ausstiege sind meist nur schwer möglich. Bei manchen Fondsarten, etwa geschlossenen Fonds, ist das Kapital sogar über die gesamte Laufzeit gebunden.

Wie hat sich der Markt für Fonds für Erneuerbare Energien entwickelt?

Der Zugang für Privatanleger:innen hat sich in den vergangenen Jahren deutlich geöffnet und die Auswahl an Fonds ist spürbar größer geworden. Im Umgang mit Nachhaltigkeitsversprechen ist das Umfeld zugleich nüchterner und strenger geworden als Reaktion auf eine Welle von Greenwashing-Vorwürfen. Hinzu kommt, dass die ersten reinen Sachwertefonds inzwischen einen mehrjährigen Track Record vorweisen können, an dem sich ihre Wertentwicklung über verschiedene Marktphasen ablesen lässt.

Lange war die direkte Beteiligung an Wind- und Solarparks institutionellen Investoren vorbehalten, Privatanleger:innen blieb nur der indirekte Weg über Aktien und ETFs.

Das hat sich mit der Einführung des ELTIF 2015 geändert. Die Reform ELTIF 2.0, seit 2024 anwendbar, hat den direkten Zugang zu Sachwerten der Energiewende nochmals für ein breiteres Publikum geöffnet. Unter anderem ist die gesetzlich vorgeschriebene Mindestanlage von 10.000 Euro entfallen. Die Wirkung lässt sich an der Zahl der Produkte ablesen: Allein 2025 kamen europaweit 113 neue ELTIFs auf den Markt, fast doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Das verwaltete Vermögen stieg bis Ende 2025 auf rund 34 Milliarden Euro, gut 55 Prozent über dem Vorjahreswert.2

ELTIFs können verschiedene Vermögenswerte halten, in Deutschland fließt das Kapital aber überwiegend in Infrastruktur. Von den 4,4 Milliarden Euro, die deutsche Anleger:innen Ende 2025 in ELTIFs hielten, entfielen rund 60 Prozent auf Infrastrukturfonds in der Form eines ELTIFs, zu denen auch Anlagen für erneuerbare Energien zählen.2

Zugleich hat sich der Blick auf grüne Geldanlagen verändert. In den Jahren des ESG-Booms war ein Fondsname mit Begriffen wie „green" oder „sustainable" ein Verkaufsargument und nicht immer deckte das Portfolio, was der Name versprach. Inzwischen verlangen die ESMA-Leitlinien, dass ein Fonds einen Nachhaltigkeitsbegriff im Namen auch durch seine Anlagen belegen kann.3 Nachhaltige Fonds verzeichneten 2025 zudem erstmals seit Jahren Nettoabflüsse.4


Worauf kommt es bei der Auswahl eines Fonds für Erneuerbare Energien an?

Zuerst entscheidet die Strategie, welche Fondsart infrage kommt und danach die Qualität, welcher konkrete Fonds innerhalb dieser Art überzeugt. Sieben Fragen führen durch beide Schritte:

  1. Direktes oder indirektes Investment: Soll das Kapital in reale Wind- und Solarparks fließen, deren Stromerlöse den Wert tragen? Oder in Aktien von Unternehmen der Branche, deren Kurs der Börse folgt? 
  2. Rolle im Depot: Soll der Fonds ein konzentriertes Investment in wenige Projekte sein oder ein breit streuender Baustein, der das Depot stabilisiert? 
  3. Fondsinhalt: Was steckt tatsächlich im Fonds? Lässt sich das anhand von Basisinformationsblatt und Anlagebedingungen nachvollziehen? 
  4. Breite und Zukunftsfähigkeit des Portfolios: Wie weit streut der Fonds über Standorte und Technologien? Denkt er ergänzende Infrastruktur wie Speicher und Netze mit? Wie vermarktet er seinen Strom?
  5. Asset Management & Track Record: Wie viel Sachwert-Kompetenz steht hinter der Auswahl und dem Betrieb der Anlagen? Lässt sich die Wertentwicklung über mehrere Jahre und verschiedene Marktphasen ablesen oder wird sie nur in Aussicht gestellt? Kann der Anbieter weitere erfolgreiche Sachwertefonds vorweisen?
  6. Liquidität und Anlagehorizont: Passt die Kapitalbindung des Fonds zu dem Zeitraum, über den das Geld entbehrlich ist? 
  7. Kosten: Welche laufenden Kosten fallen an und stehen sie im Verhältnis zur Leistung des Fondstyps?

Die erste Frage trennt die indirekte Anlage über ETF und Themenfonds von der direkten Anlage. Die zweite Frage entscheidet dann innerhalb der direkten Anlage zwischen ELTIF und Geschlossenem Fonds. Die übrigen fünf Fragen prüfen, ob ein konkreter Fonds hält, was seine Art verspricht.

1. Direktes oder indirektes Investment? Börse vs. realer Sachwert

Sachwerte wie Erneuerbare Energien spielen ihr eigentliches Potenzial dann aus, wenn sie sich von der Börse lösen. Genau dieser Vorteil fällt weg, sobald das Investment indirekt über einen ETF oder einen Aktienfonds läuft.

Wer den bequemen Weg über einen ETF wählt, bekommt die Branche, aber nicht den Sachwert. Bewerten lässt sich ein solcher Fonds dann auch nicht mehr über die Anlagen und ihre Stromerlöse, sondern über die üblichen Börsenkennzahlen wie Wertentwicklung und Schwankungsbreite. Gemessen an diesen Kennzahlen steht er dann in Konkurrenz zu jedem anderen ETF – auch zu solchen, die mit Erneuerbaren Energien nichts zu tun haben. Übrig bleibt eine Aktienanlage unter vielen, die für die Auswahl auch eher typischen Börsenratgebern und -weisheiten folgt.

Für einen echten Beitrag zur Energiewende und ein Depot, das unabhängiger von der Börse werden soll, führt dagegen kein Weg an der direkten Anlage vorbei.

2. Rolle im Depot: Renditetreiber oder Stabilisator? 

Die zweite Frage betrifft die strategische Rolle, die das Investment im Depot einnehmen soll: Eine chancenreiche, aber auch riskante Einzelposition? Oder sollen Erneuerbare Energien das Depot stabilisieren und planbarer machen? Damit ergibt sich der passende Fondstyp praktisch von selbst.

Ein Geschlossener Fonds setzt das Kapital auf wenige Anlagen, manchmal auf eine einzige. Geht das Projekt auf, kann die Rendite hoch ausfallen. Damit es aufgeht, müssen diese wenigen Anlagen aber über viele Jahre verlässlich liefern. Und genau das ist die Krux, denn der Markt wird zunehmend anspruchsvoll.

Ob ein einzelner Standort dauerhaft genug Wind oder Sonne bekommt, ob die gewählte Technologie robust altert, ob das Erlösmodell über die ganze Laufzeit trägt, ob ein Neubau nach Plan abgeschlossen wird – all das lässt sich von außen für die meisten Privatanleger:innen kaum seriös beurteilen. Hinzu kommt, dass die Erträge seit dem Auslaufen der festen Einspeisevergütung stärker schwanken. In Stunden mit hoher Einspeisung kann der Strompreis am Markt sogar unter null fallen.

ELTIFs gehen meist den umgekehrten Weg. Das Kapital verteilt sich über viele Anlagen an verschiedenen Standorten und über die reine Erzeugung hinaus in manchen Fällen auch auf ergänzende Infrastruktur wie Batteriespeicher und Stromnetze, die die Cashflows des Fonds planbarer machen. Diese Streuung federt die Risiken der Anlageklasse ab, statt sie auf wenigen Anlagen zu bündeln.

3. Fondsinhalt: Was steckt wirklich drin?

Wie leicht sich das beantworten lässt, hängt vom Fondstyp ab. Ein Geschlossener Fonds hat hier einen Vorzug: Er investiert in ein oder wenige klar benannte Projekte. Anleger:innen wissen, in welchen Solarpark an welchem Standort ihr Kapital fließt.

Beim ELTIF beginnt die Prüfung einen Schritt früher, denn ELTIF ist eine Fondshülle, keine Aussage über den Inhalt. Über diese Struktur lässt sich in Erneuerbare Energien investieren, ebenso aber in andere Bereiche, von Immobilien bis zu Unternehmenskrediten. Die erste Frage an einen konkreten ELTIF lautet deshalb schlicht, ob er überhaupt in Erzeugungsanlagen für Erneuerbare Energien investiert und nicht in etwas ganz anderes.

Diese Klarheit über den Inhalt setzt allerdings voraus, dass der Fonds die nötigen Informationen überhaupt bereitstellt. Wie offen ein Anbieter seine Portfoliozusammensetzung darlegt, ist deshalb selbst schon ein Auswahlkriterium. Einen ersten Eindruck gibt oft schon die Website des Fonds: Erkennt man echte, konkrete Anlagen mit Namen und Standort, vielleicht sogar mit Fotos der Wind- und Solarparks? Oder bleibt es bei abstrakten Beschreibungen, hinter denen sich die einzelnen Anlagen kaum greifen lassen?

Die verbindlichen Angaben stehen im Basisinformationsblatt und in den Anlagebedingungen, bei transparenten Anbietern ergänzt um laufende Berichte zu den einzelnen Anlagen. Wo solche Angaben fehlen oder vage bleiben, ist das ein Warnsignal für sich.

4. Breite und Zukunftsfähigkeit: Wie gut ist das Portfolio aufgestellt?

Das Naheliegende zuerst: Ein Portfolio sollte breit streuen. Doch Breite ist mehr als die bloße Zahl der Anlagen, denn fünf Parks in einer Region teilen dasselbe Wetter und eine Flaute trifft sie gemeinsam. Erst wenn das Portfolio über mehrere Länder und Wetterregionen streut, Solarkraft mit Windenergie mischt und auch noch Assets über die Erzeugung hinaus enthält, liegt robuste Diversifikation vor.

Denn was ein gutes Portfolio von einem soliden unterscheidet, ist der Blick nach vorn. Reine Wind- und Solarparks stoßen schon heute an Grenzen und ein wachsender Teil der Wertschöpfung und des Risikomanagements verschiebt sich von der Erzeugung zur Infrastruktur. Batteriespeicher und Stromnetze sollten in zukunftsfähigen Fonds ebenfalls ihren Platz finden.

Ist das gegeben, kommt die entscheidende Stufe: Wie modern und wie leistungsfähig sind die Anlagen samt ihrer Infrastruktur tatsächlich? Und was passiert auf der Abnahmeseite? Wird der Strom über langfristige Abnahmeverträge mit Großabnehmern abgesichert und mit weiteren Vermarktungswegen kombiniert? Ein Investment, dessen Erträge allein vom Spotmarktpreis abhängen, steht auf wackligem Grund, denn dieser Preis fällt gerade dann, wenn viele Anlagen gleichzeitig liefern.

Bei diesen Maßstäben kann ein Geschlossener Fonds in der Breite nicht mithalten, denn seine wenigen Anlagen lassen sich kaum über Regionen und Technologien streuen. Schwerer wiegt aber, dass er sich auf ebendiese Anlagen für die gesamte Laufzeit festlegt und darauf seine Zielrendite kalkuliert. Doch in einem Markt, der sich technologisch und in seinen Vermarktungswegen rasant verändert, ist eine Auswahl, die heute erstklassig wirkt, in zehn Jahren womöglich überholt. Zu Zeiten der garantierten Einspeisevergütung ließen sich die Erlöse halbwegs planen. Doch diese Phase ist vorbei und hohe Renditeversprechen stehen damit auf einem unsichereren Fundament.

5. Asset Management und Track Record: Wer steht hinter dem Fonds?

Bei einem Sachwert-Investment vertraut man sein Geld am Ende echten Menschen an, die reale Wind- und Solarparks auswählen, kaufen und über Jahre betreiben. Anders als bei einem Indexfonds, der einer Formel folgt, hängt das Ergebnis hier an Erfahrung und Urteilsvermögen. Wer hinter einem Fonds steht, ist deshalb keine Formalie, sondern ein eigenes Auswahlkriterium. Drei Ebenen lohnen den Blick:

  • Das Fondsmanagement: Welche Kompetenzen bringen die handelnden Personen mit? Treten sie mit Gesicht und Namen für den Fonds ein? Ein Management, das offen kommuniziert und seine Entscheidungen nachvollziehbar begründet, schafft eine andere Vertrauensgrundlage als ein anonymes.
  • Der Anbieter: Verfügt das Haus dahinter über echte Sachwertkompetenz oder versucht es vor allem, einen Trend mitzunehmen? Ein Hinweis ist die Historie. Wie lange ist der Anbieter bereits in Sachwerten und in Erneuerbaren Energien aktiv? Mit dem Wachstum des Marktes drängen auch viele neue Anbieter ohne tiefe Erfahrung in diese Anlageklasse. Denn um hier erfolgreich zu bestehen, genügt Finanzexpertise nicht: Technologie- und Marktverständnis sind ebenbürtig.
  • Der Track Record: Kann der Fonds auf reale Ergebnisse über mehrere Jahre zurückblicken? Die zurückliegenden Jahre mit ihren Krisen und Zinssprüngen haben genug Auf und Ab geliefert, um zu sehen, wie ein Produkt sich tatsächlich schlägt. Bei jungen Fonds ohne eigene Historie oder geschlossenen Konstrukten empfiehlt sich der Blick auf die Performance anderer Fonds dieses Anbieters.

6. Liquidität und Anlagehorizont: Passt die Kapitalbindung zum eigenen Zeithorizont?

Wie lange das Kapital gebunden ist, unterscheidet die beiden Fondsarten deutlich, und es ist die Frage, die sich am ehesten an der eigenen Lebensplanung entscheidet:

  • Ein Geschlossener Fonds bindet das Kapital über die gesamte Laufzeit. Ein Ausstieg davor ist im Regelfall nicht vorgesehen, das Geld ist über viele Jahre fest angelegt.
  • Ein ELTIF ist semiliquide. Das heißt, ein Ausstieg vor dem Laufzeitende ist möglich, aber nicht börsentäglich, sondern zu festen Rückgabeterminen und unter bestimmten Bedingungen.

Wie eng oder weit diese Bindung ausfällt, ist von Fonds zu Fonds sehr unterschiedlich. Die Spanne reicht von mehrjährigen Mindesthaltefristen bis zu Fonds, die eine Rückgabe ohne lange Vorlaufzeit ermöglichen. ELTIF ist eben kein einheitliches Liquiditätsversprechen, sondern ein Rahmen, den jede Fondsgesellschaft anders ausfüllt.

Für die Auswahl ist das eine Chance. Statt eine möglichst hohe Verfügbarkeit zu suchen, geht es darum, die passende zu finden. Entscheidend ist der ehrliche Abgleich mit dem eigenen Zeithorizont: Über welchen Zeitraum ist das Kapital wirklich entbehrlich? 

7. Kosten: Steht der Preis im Verhältnis zur Leistung?

Bei einer Sachwertanlage bezahlen die laufenden Kosten eine echte Leistung. Ein Fonds, der reale Wind- und Solarparks auswählt, betreibt und ihren Strom vermarktet, hat einen anderen Aufwand als ein Produkt, das nur einen Index abbildet. Qualität in der Bewirtschaftung hat ihren Preis und der niedrigste Preis ist deshalb kein sinnvolles Auswahlziel. Ein auffällig günstiger Fonds spart möglicherweise genau an dem Asset Management, das über das Ergebnis entscheidet.

Trotzdem lohnt der Blick auf die Kosten. Er gibt den Ausschlag, wenn zwei Fonds sich nach allen anderen Kriterien kaum unterscheiden. Auch kann er ein Warnsignal sein, wenn ein Fonds deutlich über den marktüblichen Konditionen liegt, ohne dass dafür eine erkennbare Mehrleistung steht. Die Kosten sind damit selten das erste Kriterium, aber ein nützliches letztes.

1Morningstar: Sind Aktien aus erneuerbaren Energien 2026 ein Kauf? 27.01.2026. https://global.morningstar.com/de/nachhaltiges-investieren/sind-aktien-aus-erneuerbaren-energien-2026-ein-kauf

2Quelle: Scope ELTIF-Studie 2026, https://www.dasinvestment.com/eltif-markt-rekord-bei-neuauflagen-volumen-springt-auf-34-milliarden/

3BaFin: ESMA-Leitlinien zu Fondsnamen. 25.07.2024. https://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Aufsichtsmitteilung/2024/aufsichtsmitteilung_24072024_ESMA_Leitlinien_Fondsnamen.html

4Morningstar: ESG-Fonds verzeichnen 2025 weltweit weitere Abflüsse inmitten anhaltender Gegenwinde. https://global.morningstar.com/de/nachhaltiges-investieren/esg-fonds-2025-endet-mit-weiteren-abflssen-weltweit-inmitten-anhaltender-gegenwinde