Wo sich ELTIF und ETF grundlegend unterscheiden
Was im Fonds steckt: Börse vs. Realwirtschaft
Ein ETF bildet einen Aktien- oder Anleiheindex nach. Anleger:innen erwerben damit Anteile an börsennotierten Unternehmen oder Schuldtiteln, deren Erträge aus Kursbewegungen und Dividenden bzw. Zinsen entstehen. Beide Größen werden am Kapitalmarkt gebildet und folgen dessen Schwankungen. Beim Kauf an der Börse wechseln bestehende Anteile den Besitzer, das Geld fließt an die Verkäuferin oder den Verkäufer, nicht an die Unternehmen im Index.
ELTIFs hingegen sammeln Kapital ein und investieren es in der Regel direkt in reale Vermögenswerte, etwa Infrastruktur, Wind- und Solarparks, Beteiligungen oder Kreditvergaben an nicht-börsennotierte Unternehmen der Realwirtschaft. Die Erträge entstehen aus dem laufenden Betrieb dieser Anlagen, aus Stromverkauf, Netzentgelten, Mieteinnahmen, Zinsen oder Verkäufen der Assets. Anleger:innen partizipieren damit stärker an der operativen Leistung realer Anlagen und ihren vergleichsweise planbaren Cashflows und weniger an den täglichen Marktbewertungen, wie sie den Börsenkurs eines ETFs bestimmen.
Aktiv vs. passiv: Warum sich die Kostenstrukturen unterscheiden
Passives Index-Tracking ist das Prinzip hinter jedem ETF. Welche Titel im Fonds liegen, entscheidet kein Fondsmanager, sondern das Regelwerk des Index. Menschliches Urteil spielt dabei keine Rolle, was letztlich ETFs so günstig macht, denn der Betrieb lässt sich weitgehend automatisieren.
Bei einem ELTIF ist echtes Management gefragt, da es um den Umgang mit realen Anlagen geht. Das Fondsmanagement muss Marktentwicklungen antizipieren, etwa welche Erzeugungstechnologien in zehn Jahren gefragt sein werden oder wann der richtige Zeitpunkt ist, das Portfolio um beispielsweise Stromnetze oder Speicher zu erweitern. Es prüft und kauft Windparks, verhandelt Stromabnahmeverträge, steuert den laufenden Betrieb und entscheidet über Modernisierungen. Die eigentliche Arbeit beginnt weit vor dem Ankauf der Anlagen und ist mit diesem nicht abgeschlossen, was sich auch in den höheren laufenden Kosten widerspiegelt.
Liquidität: Sofort handelbar vs. bewusst langfristig
ETF-Anteile lassen sich börsentäglich in Sekunden kaufen und verkaufen. Diese Liquidität ist einer der größten Vorzüge des Produkts, sie macht den Ein- und Ausstieg so einfach wie bei einer Aktie.
Gleichzeitig hat sie eine Kehrseite, die selten auf dem Beipackzettel steht. In Crashphasen verkaufen Privatanleger:innen nachweislich zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Das Analysehaus DALBAR bezifferte den verhaltensbedingten Renditerückstand von Privatanleger:innen gegenüber dem S&P 500 im Jahr 2024 auf gut acht Prozentpunkte.6 Die Freiheit, jederzeit handeln zu können, wird so zur teuren Einladung, genau dann auszusteigen, wenn Halten die bessere Entscheidung wäre.
ELTIFs binden die Rückgabe an feste Fenster und Fristen, die von Produkt zu Produkt variieren. Das Kapital steht nicht jederzeit zur Verfügung, was für Anleger:innen, die kurzfristig auf ihr Geld zugreifen müssen, ein echtes Hindernis ist.
Im Vergleich zu klassischen Geschlossenen Fonds, die das Kapital oft über die gesamte Laufzeit binden, bieten viele ELTIFs allerdings deutlich mehr Flexibilität. Sie gelten als semiliquide: Rückgaben sind zu festen Terminen möglich, oft quartalsweise, halbjährlich oder jährlich. Ganz illiquide ist ein ELTIF also nicht, so frei wie ein ETF aber auch nicht.
Doch diese Einschränkung hat auch eine schützende Wirkung. Sie erschwert impulsives Umschichten und gibt dem Fondsmanagement die nötige Stabilität, um langfristige Sachwerte zu bewirtschaften, ohne unter dem Druck täglicher Mittelabflüsse verkaufen zu müssen.
Preisfeststellung: Echtzeitkurs vs. gutachterliche Bewertung
Der Kurs eines ETF lässt sich jederzeit am Bildschirm ablesen, denn er entsteht durch Angebot und Nachfrage an der Börse und spiegelt damit in Echtzeit wider, wie der Markt die enthaltenen Unternehmen gerade bewertet. Das ist ein klarer Vorteil in Sachen Transparenz.
Allerdings bedeutet es auch, dass der angezeigte Wert an nervösen Tagen mehr über die Stimmung am Markt verrät als über die tatsächliche Substanz der Unternehmen dahinter. Was der ETF um 10 Uhr morgens wert ist, kann um 16 Uhr bereits deutlich anders aussehen, ohne dass sich an den zugrunde liegenden Geschäftsmodellen irgendetwas verändert hat.
Der Nettoinventarwert (NAV) eines ELTIF wird seltener berechnet – oft quartalsweise, bei manchen Fonds monatlich. Die Bewertung stützt sich auf Gutachten und Modellrechnungen, die den Zustand der realen Anlagen im Portfolio abbilden. Das liefert weniger Echtzeit-Information, dafür aber auch weniger Rauschen. Ein Windpark verändert seinen Wert nicht im Minutentakt und eine Bewertung, die das berücksichtigt, bildet die ökonomische Realität unter Umständen treffender ab als ein Börsenkurs.
Gleichzeitig birgt dieses Verfahren ein Risiko, denn geglättete Bewertungsreihen können tatsächliche Wertverluste verschleiern oder mit Verzögerung sichtbar machen. Anleger:innen sollten sich bewusst sein, dass ein stabiler NAV nicht zwingend bedeutet, dass keine Schwankungen stattfinden, sondern dass sie anders gemessen werden.
Zugang und Einstiegshürden: Sparplan vs. Geeignetheitsprüfung
ETFs gehören zu den zugänglichsten Anlageprodukten überhaupt. Ein Sparplan lässt sich bei den meisten Brokern in wenigen Minuten einrichten, oft ab wenigen Euro monatlich. Eine Beratung ist nicht vorgeschrieben, Vorkenntnisse werden nicht geprüft. Diese niedrige Schwelle hat Millionen Menschen den Einstieg in den Kapitalmarkt ermöglicht und ist ein wesentlicher Grund für das Wachstum der Anlageklasse.
Beim ELTIF liegt die Schwelle höher. Viele Fonds setzen eine Mindestanlage voraus, deren Höhe von Produkt zu Produkt variiert und verlangen vor dem Kauf eine Anlageberatung mit Geeignetheitsprüfung. Die EU-Reform ELTIF 2.0, seit Januar 2024 anwendbar, hat den Zugang allerdings deutlich erleichtert. Die gesetzliche Mindestanlage von 10.000 Euro und die Vermögensgrenze von zehn Prozent sind als gesetzliche Vorgaben entfallen. Einzelne Anbieter behalten vergleichbare Schwellen freiwillig bei, erste arbeiten an Sparplan-Modellen.
Insgesamt weiß das Vehikel ELTIF auch in puncto Zugänglichkeit positiv zu überraschen:
- Gerade gegenüber klassischen Geschlossenen Fonds, die das Kapital an ein einzelnes Projekt binden – oft über zehn bis zwanzig Jahre ohne Möglichkeit zum vorzeitigen Ausstieg und mit sehr hohen Mindestanlagen.
- Doch auch gegenüber ETFs, denn ETFs halten nur, was an der Börse gehandelt wird.
Infrastruktur wie Investments in Stromnetze oder Kreditvergaben an den Mittelstand tauchen in keinem Aktienindex auf. Erst der ELTIF macht dieses Anlageuniversum für Privatanleger:innen zugänglich.