Windräder polarisieren. Während die einen sie als Symbol der Energiewende begrüßen, sorgen sie bei anderen für Unbehagen. Dabei ist Windenergie heute Deutschlands wichtigste Energiequelle und die Technologie alles andere als neu. Höchste Zeit, gängige Mythen auf den Prüfstand zu stellen.
Faktencheck5 Mythen rund um Windenergie
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Mythos 1: Windräder schaden den Wäldern
Das Wichtigste vorab: Waldgebiete, die aus besonders wertvollen Laub- und Mischwäldern bestehen oder als ökologische Schutzgebiete ausgewiesen sind, dürfen in Deutschland nicht für die Windenergienutzung verwendet werden. Aktuell sind circa 36 Prozent der Waldfläche von der Nutzung durch Windräder ausgeschlossen.1 2
Die Flächen, auf denen Windräder stehen dürfen, sind sogenannte forstwirtschaftliche Nutzflächen. Gerade in diesen Regionen kann Windenergie sogar positive Effekte haben.1 Für Windanlagen sind nur kleinflächige Rodungen notwendig: Pro Windrad im Schnitt 0,48 Hektar dauerhaft.3 Genutzt werden können dafür auch Flächen, die wegen Schädlingsbefall oder Dürre kahl sind – und davon gibt es einige: Seit 2018 haben Borkenkäfer und Trockenphasen rund eine halbe Million Hektar Waldfläche zerstört.2
Außerdem interessant zu wissen: Rodungen müssen in Deutschland immer ausgeglichen werden.1 Das heißt, an anderer Stelle wird eine entsprechende Fläche neu bepflanzt.3 Diese Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen werden beispielsweise auch bei Projekten im Straßenbau durchgeführt.3
Mythos 2: Windräder stören Anwohner:innen durch Schattenwurf, Blinken und Infraschall
Richtig ist, dass Windenergieanlagen, die mehr als 100 Meter in den Himmel ragen, nachts Lichtsignale abgeben müssen. Das ist notwendig, damit sie für Flugobjekte erkennbar sind. Diese blinkenden Lichter sorgen für Verärgerung bei Anwohner:innen. Doch mittlerweile gibt es eine neue Lösung, die Besserung verspricht. Der Gesetzgeber hat ein System zugelassen, bei dem die Lichter nur angehen, wenn Flugobjekte erkannt werden. Das kann zu mehr als 90 Prozent weniger Lichtaktivität führen.1
Abhängig vom Wetter und dem Stand der Sonne können Windräder bewegte Schatten werfen, die Anwohner:innen als störend empfinden. Jedoch ist dieser Zustand auf maximal eine halbe Stunde am Tag und 30 Stunden pro Jahr begrenzt. Überschreiten die Beschattungszeiten diese Höchstdauer, muss die Windkraftanlage vorübergehend abgeschaltet werden.1
Liegt der Abstand zwischen einer Windenergieanlage und beispielsweise einem Haus bei mehr als 600 Metern, ist der Infraschall – also der Schall unterhalb der Hörgrenze – nicht zu unterscheiden von dem Pegel, der in der Natur ohnehin vorliegt. Auch bei geringeren Abständen entsteht laut unabhängigen wissenschaftlichen Studien keine zusätzliche Gesundheitsbelastung für Menschen. Dennoch ist es wichtig, Sorgen und Beschwerden von Anwohner:innen ernst zu nehmen und aufzuklären. Allein die Angst vor möglichen gesundheitlichen Risiken kann bei Betroffenen Symptome hervorrufen – der sogenannte Nocebo-Effekt.2
Mythos 3: Windräder bedrohen den Natur- und Tierschutz
Der Artenschutz in Deutschland ist streng reguliert – besonders bei bedrohten Arten. Windenergieprojekte ab einer Höhe von 50 Metern unterliegen Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz. Dabei wird überprüft, ob eine Gefahr für den Natur- oder Artenschutz besteht.1
Doch trotz dieser Bemühungen steht fest: Vögel sterben durch Windräder, etwa weil sie im Flug von den Rotorblättern erfasst werden. Naturschutzverbände schätzen die Zahl für Deutschland auf 10.000 bis 100.000 pro Jahr – die große Spanne zeigt die Unsicherheit der Datenlage.1 Zum Vergleich: Durch Straßen- und Bahnverkehr sterben jährlich etwa 70 Millionen Vögel, durch Pestizide 60 bis 90 Millionen.2
Großvögel und Fledermäuse sind besonders gefährdet, jedoch spielt die Standortwahl eine entscheidende Rolle: Anlagen in der Nähe von Brutplätzen, Rastgebieten oder Zugvogelrouten bergen ein höheres Risiko. Durch gezielte Schutzmaßnahmen lässt sich die Gefahr deutlich reduzieren, beispielsweise durch temporäre Abschaltungen während der Jagdzeiten von Fledermäusen oder in sensiblen Brutphasen2
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Mythos 4: Windräder stehen dauernd still
Windenergie ist Deutschlands wichtigste Energiequelle. Das wäre nicht möglich, wenn Anlagen ständig stillstünden. Abschaltungen gibt es, aber sie haben konkrete Gründe: Bei starkem Wind kann zu viel Strom ins Netz eingespeist werden; auch ein Überangebot an fossilem Strom blockiert bisweilen die Netze. Auch Wartungsarbeiten, Reparaturen sowie der Schutz von Vögeln, Fledermäusen und Anwohner:innen sind Gründe für zeitweise Abschaltungen.1
Die Fakten sprechen eine klare Sprache: Im Jahr 2023 stammten 31 Prozent der Stromerzeugung in Deutschland aus Windenergie.4Auch im Jahr 2024 blieb Windkraft mit einem Anteil von 33 Prozent die wichtigste Energiequelle in der inländischen Stromerzeugung.5 Besonders windreich war das erste Halbjahr 2024, in dem Windkraft sogar 33,3 Prozent der Stromerzeugung ausmachte.6
Mythos 5: Windenergieanlagen alleine können die Stromversorgung nicht sicherstellen
Aktuell ist in Deutschland Windkraft die wichtigste Energiequelle. Im Jahr 2024 stammten 33 Prozent der öffentlichen Nettostromerzeugung in Deutschland aus Windenergie.5 Die Zahl zeigt jedoch auch: Windkraft funktioniert nur im Verbund mit anderen Energiequellen. Die Bundesnetzagentur und Versorgungsnetzbetreiber setzen daher auf einen Mix von Energieträgern, um größtmögliche Versorgungssicherheit zu gewährleisten.3
Für die Energiewende ist der Ausbau von grüner Energie entscheidend. Aktuelle Studien des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE zeigen: Basierend auf den Ressourcen in Deutschland ist es möglich, bis 2045 Klimaneutralität zu erreichen. Dies wird ermöglicht durch intelligente Infrastruktur, flexiblen Verbrauch, eine stärkere Elektrifizierung aller Sektoren und die Intensivierung des europäischen Stromaustauschs.7 Entscheidend für die Versorgungssicherheit ist auch der weitere Ausbau der Netze und die Anpassung der Energiemärkte an den steigenden Anteil regenerativen Stroms.3
Fazit
Windenergie ist aktuell die wichtigste Energiequelle in Deutschland, doch es kursieren viele Halbwahrheiten zum Thema. Ob es um den Schutz von Landschaft und Tieren geht oder um Gesundheit und Wohlbefinden von Anwohner:innen: Moderne Technik, strenge Auflagen und Ausgleichsmaßnahmen sorgen dafür, dass Windkraftanlagen verantwortungsvoll betrieben werden. Aufklärung ist ein wichtiger Hebel, um unbegründete Ängste gegenüber dieser nachhaltigen Energiequelle aus dem Weg zu räumen und damit die Energiewende voranzubringen.
1Bundesverband WindEnergie e.V. (2024): Faktencheck: Mythen und Fakten zur Windenergie. Juni 2024. https://www.wind-energie.de/fileadmin/redaktion/dokumente/publikationen-oeffentlich/themen/01-mensch-und-umwelt/01-windkraft-vor-ort/20240611_Faktencheck_Mythen_und_Fakten_zur_Windenergie.pdf
2Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND): Argumente für Windenergie: Fakten statt Mythen. https://www.bund.net/themen/aktuelles/detail-aktuelles/news/argumente-fuer-windenergie-fakten-statt-mythen/
3Fachagentur Windenergie an Land (2024): Entwicklung der Windenergie im Wald. 9. Auflage 2024. https://www.windindustrie-in-deutschland.de/f/9a14/0/6613e4ba268bba168a50ff55/FAWind_Analyse_Wind_im_Wald_9Auflage_2024.pdf
4Statistisches Bundesamt (Destatis) (2024): Stromerzeugung 2023: 56 % aus erneuerbaren Energieträgern. Pressemitteilung Nr. 087 vom 7. März 2024. https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/03/PD24_087_43312.html
5Statistisches Bundesamt (Destatis) (2025): Stromerzeugung 2024: 59,4 % aus erneuerbaren Energieträgern. Pressemitteilung Nr. 091 vom 12. März 2025. https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/03/PD25_091_43312.html
6Fraunhofer ISE: „Öffentliche Stromerzeugung 2024: Deutscher Strommix so sauber wie nie", Januar 2025, https://www.ise.fraunhofer.de/de/presse-und-medien/presseinformationen/2025/oeffentliche-stromerzeugung-2024-deutscher-strommix-so-sauber-wie-nie.html
7Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE (2024): Wege zu einem klimaneutralen Energiesystem – Bundesländer im Transformationsprozess. November 2024. https://www.ise.fraunhofer.de/de/veroeffentlichungen/studien/wege-zu-einem-klimaneutralen-energiesystem.html