1. Fehler: Erneuerbare Energien nur über die Börse kaufen
Ein Investment in Erneuerbare Energien führt viele reflexhaft zum Clean-Energy-ETF, weil er am bekanntesten ist. Das ist aber nur ein Weg und bringt womöglich etwas anderes, als man eigentlich sucht.
Clean-Energy-ETFs und thematische Aktienfonds bündeln Aktien von Herstellern und Betreibern. Ihr Kurs hängt am Aktienmarkt und bewegt sich mit ihm, oft kräftig und fernab vom eigentlichen Energiebedarf der Realwirtschaft.
Daneben steht das Sachwert-Investment. Hier beteiligen sich Anleger:innen an den Wind- und Solarparks selbst, zum Beispiel über einen Fonds wie einen ELTIF. Bewertet wird ein solches Investment nicht über einen Börsenkurs, sondern über den realen Wert der Anlagen und die Cashflows, die ihr Strom erzeugt.
Dieser alternative Weg ist inzwischen breit verfügbar. Ende 2025 waren europaweit 268 ELTIFs registriert, in Deutschland fließen rund 60 Prozent ihres Volumens in Infrastruktur mit Erneuerbaren Energien als zentraler Säule.
Gefährlich wird es für Anleger:innen, wenn man beide Wege verwechselt. Sucht man eine stabile, vom Aktienmarkt entkoppelte Sachwertanlage und greift stattdessen zum ETF, bekommt man mit dem börsentäglich schwankenden Aktienprodukt das Gegenteil. Vor dem Kauf lohnt deshalb die Frage, welches Ergebnis man will: Eine börsennahe, aber schwankende Wachstumschance oder einen ruhigen Sachwert?
2. Fehler: Erneuerbare Energien mit einem Investment-Hype verwechseln
Wind- und Solarparks liefern heute mehr als die Hälfte des Stroms im deutschen Netz. Wer dahinter eine vorübergehende Anlagemode vermutet, übersieht eine Anlageklasse, deren Nachfrage über Jahrzehnte angelegt und teils sogar gesetzlich verankert ist.
Den Bedarf treiben handfeste Entwicklungen. Rechenzentren für KI ziehen so viel Strom, dass einzelne Betreiber eigene Kraftwerke planen, dazu erhöhen Wärmepumpen und E-Autos den Verbrauch in den Haushalten. Bis 2030 soll der Anteil Erneuerbarer Energien am deutschen Bruttostromverbrauch auf 80 Prozent steigen, festgeschrieben im Gesetz.
Auch die Kapitalströme widersprechen dem Mode-Etikett. 2025 flossen weltweit rund 2,3 Billionen US-Dollar in die Energiewende, acht Prozent mehr als im Vorjahr. Eine kurzlebige Mode zieht kein Kapital dieser Größenordnung an und hält es nicht über Jahre.
Was als grünes Idealisten-Thema begann, trägt heute einen erheblichen Teil der Stromversorgung. Die Energiewende ist real und die Anlagen produzieren laufend – unabhängig davon, ob das Thema gerade in den Schlagzeilen steht.
3. Fehler: Sich den Zugang zu Erneuerbaren Energien entgehen lassen
Reale Energie-Infrastruktur gilt häufig noch als ein Luxusgut für diejenigen, die sich hohe Mindestanlagen und lange Laufzeiten leisten können. Solche Hürden wecken bis heute den Eindruck, dass diese Anlageklasse nur institutionellen Anlegern und vermögenden Privatinvestoren offensteht.
Dieses Image ist inzwischen überholt, doch nicht alle haben es mitbekommen und so bleiben Renewables in vielen Privatdepots weiterhin kaum vertreten. Das verschenkt Potenzial, denn Sachwerte aus Erneuerbaren Energien liefern Erträge, die weitgehend unabhängig vom Aktienmarkt entstehen und als Gegengewicht zu schwankenden Aktien und Anleihen wirken können.
Geöffnet hat den Zugang die EU mit dem ELTIF. Das Investment-Vehikel wurde geschaffen, um privates Kapital gezielt in Infrastruktur zu lenken und brachte Privatanleger:innen damit erstmals in eine Anlageklasse, die ihnen zuvor verschlossen war. Die Reform ELTIF 2.0 hat diesen Zugang 2024 weiter erleichtert, unter anderem fiel die gesetzliche Mindestanlage von 10.000 Euro. Seither lassen sich neue ELTIFs schon mit kleinen Beträgen kaufen. Viele ELTIFs sind zudem semiliquide, ein Ausstieg ist also zu festen Rückgabeterminen schon vor dem Laufzeitende möglich.
4. Fehler: Sich vom Wetter-Argument abschrecken lassen
Bedenken zum Wetter klingen einleuchtend, führen allerdings beim näheren Hinsehen in die Irre. Eine einzelne Anlage ist zwar tatsächlich vom Wetter abhängig, denn steht das Windrad still, fehlt sein Ertrag. Doch ein breit aufgestellter Fonds bündelt viele Anlagen und ist darauf ausgelegt, eben diese Schwankung auszugleichen.
Der erste Hebel ist die geografische Streuung. Wind und Sonne ergänzen sich, ihre Erzeugungsprofile laufen oft gegenläufig und je weiter die Standorte auseinanderliegen, desto seltener fallen sie gemeinsam aus. Das senkt zugleich das Risiko einer Dunkelflaute, in der gleichzeitig weder Sonne noch Wind verfügbar sind.
Der zweite Hebel liegt in der Zeit. Über lange Zeiträume sind die Erträge gut vorhersehbar. „Zwar können Stromerträge im Tages- und auch im Jahresverlauf schwanken, doch diese Schwankungen glätten sich bei langfristiger Betrachtung", erklärt Dr. Nicole Arnold, Vorstandsmitglied der Commerz Real. „So lassen sich der durchschnittliche Windertrag und die Sonneneinstrahlung pro Jahr an einem bestimmten Standort langfristig sehr gut und zuverlässig prognostizieren."
Die kurzfristigen Ausschläge fangen Batteriespeicher ab. Sie nehmen den Strom ertragreicher Stunden auf und geben ihn ab, wenn Wind und Sonne nachlassen.
Wie ruhig die Anlageklasse damit läuft, zeigt die Wertschwankung. Ein Index nicht börsennotierter Energie-Infrastruktur weist über zehn Jahre eine Volatilität von rund 8 Prozent aus und liegt damit unter dem breiten Infrastrukturindex.
5. Fehler: Ein Investment an der staatlichen Förderung messen
Ein Erneuerbare-Energien-Investment allein an der gesicherten Förderung zu messen, legt einen veralteten Maßstab an. Der Fehler hat eine lange Vorgeschichte. Zwei Jahrzehnte lang garantierte das Erneuerbare-Energien-Gesetz den Betreibern einen festen Preis pro eingespeister Kilowattstunde, meist über 20 Jahre. Diese Sicherheit hat sich tief eingeprägt, hatte aber ihren Preis, denn die feste Vergütung deckelte die Erträge nach oben. Stieg der Marktpreis, profitierten die Betreiber davon nicht.
Inzwischen trägt die feste Vergütung das System ohnehin nicht mehr. „Wo früher garantierte Erlöse lockten, bestimmen heute Spotmarktpreise, Wetterdaten und Netzkapazitäten die Einnahmenseite", analysiert Timo Werner, Fondsmanager des klimaVest. „Die Vermarktung von grünem Strom wird dynamischer, damit aber auch anspruchsvoller."
Im Jahr 2024 wurde der Strom aus geförderten Erneuerbaren-Anlagen zu rund 72 Prozent über die Marktprämie und zu weiteren 12 Prozent über die sonstige Direktvermarktung vergütet. Die reine Einspeisevergütung mit ihrem garantierten Fixpreis ist zum Nebenkanal geworden, der Strom wird heute überwiegend aktiv am Markt verkauft.
Ein wichtiges Instrument dafür sind langfristige Stromabnahmeverträge, sogenannte Power Purchase Agreements (PPAs). Der Erzeuger verkauft seinen Strom über 10 oder 15 Jahre zu einem festen Preis direkt an einen Industrieabnehmer und holt sich so einen Teil der Planbarkeit zurück, die das EEG einst bot.
Daneben steht der direkte Verkauf am Spotmarkt. Hier verzichtet die Anlage bewusst auf die feste Bindung und profitiert von hohen Preisen, wenn Strom knapp und teuer ist. Die schwachen Stunden lassen sich mit Batteriespeichern überbrücken. Der Strom bleibt im Speicher, solange das Angebot die Nachfrage übersteigt und die Preise im Keller sind.
Beim Fondsvergleich zählen damit ein belastbarer Track Record in der Stromvermarktung und ein breit aufgestelltes Portfolio mit Verhandlungsmacht gegenüber großen Abnehmern mehr als die Frage, ob noch staatliche Förderung läuft.
6. Fehler: Sachwerte mit Sicherheit gleichsetzen
Ein realer Wind- oder Solarpark wirkt greifbar und für viele damit sicherer als ein abstraktes Finanzprodukt. Sicherheit und Stabilität entsteht aber nicht aus dem Sachwert selbst. Sie hängt daran, wie breit ein Investment streut und wie es strukturiert ist. Bei der Direktbeteiligung an einer einzelnen Anlage liegt das volle Projektrisiko bei den Anleger:innen – scheitert dieses eine Projekt, ist das Geld verloren. Die Verbraucherzentrale warnt bei solchen Direktbeteiligungen ausdrücklich vor dem Totalverlust.
Dieses Klumpenrisiko lösen Fonds auf, die über viele Anlagen streuen. Ein ELTIF darf höchstens 20 Prozent seines Vermögens in ein einzelnes Investment stecken, kein Projekt zieht den Fonds also allein nach unten. Der Fonds klimaVest etwa verteilt sein Kapital in 6 Ländern auf 43 Wind- und Solaranlagen sowie eine Beteiligung an Stromnetzen. Fällt in dem Fonds eine Anlage aus, tragen die übrigen weiter und die Auswirkungen auf einzelne Anleger:innen bleiben überschaubar.
Über die Stabilität entscheidet am Ende aber nicht nur die Diversifikation im Portfolio, sondern auch, wer die Anlagen auswählt und betreibt. Anders als ein Indexfonds, der einer Formel folgt, lebt ein Sachwert-Investment vom Urteil erfahrener Asset Manager:innen, die ihre Parks auch durch schwierige Marktphasen steuern. Ein belastbarer Track Record wiegt deshalb schwerer als der bloße Umstand, dass reale Anlagen dahinterstehen.
7. Fehler: Den günstigsten Fonds nehmen
Von Trading-Apps ist man es gewohnt: 0 Euro Depotführung hier, keine Ordergebühr da. Doch bei einem Sachwert-Investment ist „Geiz ist geil" kein ratsames Motto, denn die laufenden Kosten bezahlen hier eine echte Leistung.
Indexfonds bilden einen Markt automatisch nach und kommen deshalb mit niedrigen Kosten aus. Ein Fonds, der reale Wind- und Solarparks auswählt, betreibt und ihren Strom vermarktet, leistet etwas anderes. Über das Ergebnis entscheidet bei realen Anlagen das Asset Management, also die Erfahrung und das Urteilsvermögen der Menschen, die einen Park durch wechselnde Marktphasen führen.
Ein auffällig günstiger Fonds spart womöglich genau hier, am Asset Management. Die laufenden Kosten liegen im ELTIF-Markt im Schnitt bei rund 1,9 Prozent pro Jahr. Wer deutlich darunterliegt, sollte fragen, woher der Abschlag kommt und ob am Management gespart wird, das die Erträge erst erarbeitet.
Ein nützliches Kriterium bleiben die Kosten trotzdem, nur eben nicht das erste. Sie geben den Ausschlag, wenn zwei Fonds sich sonst kaum unterscheiden, und sie werden zum Warnsignal, wenn ein Fonds ohne erkennbare Mehrleistung deutlich über dem Marktüblichen liegt.