Wie viel sollte man in einen ELTIF anlegen?
Als Faustregel sollten ELTIFs höchstens 5 bis 10 Prozent Ihres liquiden Vermögens ausmachen. Die Verbraucherzentrale empfiehlt eine Obergrenze von 5 Prozent. Sonja Knorr, Analystin beim Analysehaus Scope, nennt 10 Prozent als sinnvolle Obergrenze: „In dieser Größenordnung liegt auch die eigentliche Stärke eines ELTIF. Ein gut konzipierter Fonds kann mit der Stabilität langfristiger Sachwerte ein stark aktiengeprägtes Depot ausbalancieren".
Wo Sie innerhalb dieser Spanne landen, hängt von Ihrem Profil ab. Wer bereits ein breites Depot aus ETFs, Aktien und Anleihen besitzt, einen langen Anlagehorizont mitbringt und Erfahrung mit Sachwert-Investments hat, kann sich der oberen Grenze annähern. Wer gerade erst beginnt, ein Depot aufzubauen, oder absehbar Liquidität braucht, für den empfiehlt sich ein ELTIF nicht.
Voraussetzungen für ein ELTIF-Investment
Im ersten Entwurf des ELTIF-Rahmens, der 2015 verabschiedet wurde, galt für Privatanleger:innen eine Mindestanlagesumme in Höhe von 10.000 Euro. Darüber hinaus durften höchstens 10 Prozent des Vermögens in einen ELTIF investiert werden. Das heißt, Privatanleger:innen mussten über mindestens 100.000 Euro Vermögen verfügen, um in einen ELTIF investieren zu können.
Mit der Reform ELTIF 2.0 wurde die formelle Mindestanlagesumme auf EU-Ebene komplett abgeschafft. In der Praxis legt jeder Anbieter eigene Mindestbeträge fest. Die Spanne reicht von 1 Euro bei einzelnen Online-Brokern bis zu 10.000 Euro und mehr bei klassisch beratenen Produkten. Die spezifischen Anlagevoraussetzungen sind also immer abhängig vom jeweiligen ELTIF.
Um trotz abgesenkter Einstiegshürde den Schutz der Anleger:innen aufrechtzuerhalten, gelten beim Vertrieb von ELTIFs an Privatanleger:innen die regulären MiFID-II-Vorgaben.
Ob eine Geeignetheitsprüfung oder lediglich eine Angemessenheitsprüfung durchgeführt wird, hängt davon ab, ob der ELTIF mit Anlageberatung oder beratungsfrei gekauft wird. Dadurch soll sichergestellt werden, dass Anleger:innen die Risiken und Eigenschaften der Produkte nachvollziehen können.
Welche Dokumente sollten Sie vor dem Kauf prüfen?
Vor dem Kauf eines ELTIF sollten Sie fünf Dokumente gelesen haben: Basisinformationsblatt (BIB/KID), Verkaufsprospekt oder Informationsmemorandum, den letzten Halbjahres- oder Jahresbericht, die SFDR-Unterlagen bei nachhaltigkeitsorientierten Fonds, sowie nach der Beratung die Geeignetheitserklärung.
- Basisinformationsblatt (BIB): Standardisierte Kurzfassung mit Risiken, Kosten, empfohlener Haltedauer und Performance-Szenarien. Pflichtdokument für jedes Privatanleger-Produkt.
- Verkaufsprospekt oder Informationsmemorandum: Das rechtlich zentrale Detaildokument. Hier stehen die vollständigen Anlagebedingungen, Gebühren, Risiken und Rückgabemechanismen.
- Halbjahres- oder Jahresbericht: Hier stehen die realen Bestände, die Wertentwicklung, die laufenden Kosten und Veränderungen im Portfolio.
- SFDR-Unterlagen: Bei nachhaltigkeitsorientierten ELTIFs zeigen sie, ob ein Fonds nach Artikel 8 (ESG-Merkmale) oder Artikel 9 (nachhaltiges Investitionsziel) offengelegt wird.
- Geeignetheitserklärung: Nach der MiFID-II-Pflichtberatung erhalten Sie eine schriftliche Erklärung, ob das Produkt zu Ihrer finanziellen Situation, Ihrem Risikoprofil und Ihren Anlagezielen passt.
Bei klimaVest sind alle Pflichtdokumente öffentlich im Downloadbereich abrufbar: BIB, Informationsmemorandum, Anlagestrategie, Halb- und Jahresberichte sowie Factsheet. Die SFDR-Unterlagen zur Artikel-9-Einstufung sind auf der Offenlegungsseite der Commerz Real Fund Management hinterlegt.
Worauf sollten Sie bei der Anbieter-Auswahl achten?
Bei der Auswahl eines ELTIF-Anbieters zählen vor allem vier Kriterien:
- Erfahrung in der zugrunde liegenden Anlageklasse
- Operative Routine im Liquiditätsmanagement
- Transparenz in Reporting und Dokumentation
- Ein belastbarer Track Record
Die Anlageklasse ist dabei der strategisch wichtigste Punkt. Mit einem ELTIF können Sie in Anlageklassen einsteigen, die über klassische ETFs und Aktienfonds nicht zugänglich sind. Besonders interessant für eine Portfolio-Beimischung sind dabei Sachwerte mit stabilen, langfristig vertraglich gesicherten Cashflows, etwa aus Erneuerbaren Energien oder regulierter Infrastruktur. Richtig konstruiert kann ein solcher ELTIF ein solides, wenig schwankendes Investment sein und ein stark aktiengeprägtes Depot ausbalancieren.
Andere ELTIF-Strategien wie Private Debt oder Private Equity folgen einer anderen Logik mit deutlich höheren Wertschwankungen und Ausfallrisiken. Es ist also nicht egal, in welche Anlageklasse ein ELTIF investiert.
Genauso wichtig ist die Frage, ob der Anbieter die gewählte Klasse über Jahre beherrscht. Scope nennt das Reputationsrisiko durch unerfahrene Asset Manager als größtes Branchenrisiko 2025/2026. 2025 kamen 113 neue ELTIFs hinzu, viele von Häusern, die zuvor keinen ELTIF aufgelegt hatten. Je jünger der Markt, desto wichtiger wird die Frage, ob ein Anbieter wirklich Erfahrung in der gewählten Anlageklasse hat oder nur eine neue Produkthülle nutzt.
Sonja Knorr, Analystin bei Scope, formuliert es so: „Da man im Vorhinein nicht weiß, ob ein ELTIF mit seinen Investments Erfolg haben wird, sollten Anleger Anbieter mit einer leistungsstarken Historie wählen. Solche etablierten Gesellschaften haben bereits unter Beweis gestellt, dass sie auch in schwierigen Marktphasen erfolgreich sein können."
Markenbekanntheit ersetzt dabei keinen Track Record in der konkreten Anlageklasse. Entscheidend ist, ob das Haus über Jahre operative Erfahrung in der gewählten Sachwert-Klasse vorweisen kann.
Fokus oder breite Streuung: Welcher ELTIF empfiehlt sich?
ELTIFs gibt es in zwei Spielarten: thematisch fokussierte Fonds, die in eine klar umrissene Anlageklasse investieren, und Multi-Asset-ELTIFs, die mehrere Anlageklassen unter einem Dach bündeln. Beide Ansätze haben ihre Berechtigung, aber sie verlangen eine unterschiedliche Prüfung.
Ein fokussierter ELTIF ist für Privatanleger:innen leichter nachvollziehbar. Wer in einen Infrastruktur-ELTIF mit Schwerpunkt Erneuerbare Energien investiert, weiß: Das Kapital fließt in Wind- und Solarparks, in Stromnetze, in vertraglich gesicherte Einspeisevergütungen. Strategie, Risiko und Ertragsquellen sind klar – auch woran man die Kompetenz des Asset Managements bemessen kann.
Bei Multi-Asset-ELTIFs ist die inhaltliche Spannweite oft groß. Hinter Labels wie „Multi Asset" oder „Infrastructure" kann sich eine Kombination aus Direktinvestments, Zielfonds sowie Eigen- und Fremdkapital verbergen. Stiftung Warentest dokumentiert für 2026 etwa einen ELTIF, der unter dem Label „Infrastructure" unter anderem in Hubschrauber zur Brandbekämpfung investiert – nicht das, was den meisten Anleger:innen beim Stichwort Infrastruktur zuerst in den Sinn kommt. Das kann diversifizieren, macht das Produkt aber auch komplexer zu durchschauen. Die Pflichtunterlagen seien häufig schwer verständlich, warnt Warentest weiter.
Auch die regulatorische Streuung ist trügerisch. Ein ELTIF darf bis zu 20 Prozent in eine einzelne Anlage investieren und muss mindestens fünf Objekte halten. „Diversifiziert" kann bei ELTIFs also enger gemeint sein, als das Wort vermuten lässt. Auch hier sollten Sie sich fragen: Verstehen Sie die Diversifikation? Überzeugt Sie die Idee dahinter?
Die belastbarere Wahl für eine Portfolio-Beimischung ist meist die nachvollziehbarere: ein ELTIF, dessen Strategie sich in einem Satz erklären lässt und dessen Erträge aus einer Quelle stammen, die man versteht.
Welche Steuern fallen bei ELTIFs an?
ELTIFs werden in Deutschland nach dem Investmentsteuerrecht (InvStG) besteuert wie andere Investmentfonds. Steuerpflichtig sein können Ausschüttungen, laufende Pauschalbesteuerungen und Gewinne aus dem Verkauf der Fondsanteile.
Für Privatanleger:innen mit Depot bei einer inländischen Bank gilt die Abgeltungssteuer: 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Die Depotbank führt sie in der Regel automatisch ab. Der Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro (Einzelveranlagung) beziehungsweise 2.000 Euro (Zusammenveranlagung) gilt auch hier.
Eine Teilfreistellung – also eine pauschale Befreiung eines Teils der Erträge – ist nicht am ELTIF-Label festgemacht, sondern an der steuerlichen Einordnung des konkreten Fonds. Ob und in welcher Höhe sie greift, ist fondsindividuell zu prüfen. Bei klimaVest ist nach Anbieterangaben derzeit nicht mit einer Teilfreistellung zu rechnen.
Diese Übersicht ersetzt keine Steuerberatung. Welche Belastung im Einzelfall entsteht, hängt von der persönlichen Steuersituation ab.
Einmalanlage oder Sparplan: Was ist beim ELTIF-Kauf möglich?
Beides ist möglich, aber die Einmalanlage ist der Standardfall. Wer einen ELTIF kauft, investiert in der Regel einen festen Betrag und hält die Anteile dann über die empfohlene Haltedauer.
Sparpläne sind bei ELTIFs noch die Ausnahme. Sie hängen weniger am Fonds selbst als am Vertriebskanal: Neobroker ermöglichen ratierliche Investments teils ab 1 Euro pro Rate, führen aber nur eine kleine Auswahl an ELTIFs im Angebot. Beratungspflichtige Produkte setzen dagegen oft eine fünfstellige Mindestanlage voraus. Stiftung Warentest hat im März 2026 diese Spannweite dokumentiert.
Vor der Entscheidung lohnt der Blick auf zwei Punkte:
- Ein Sparplan glättet zwar den Einstiegszeitpunkt, ändert aber nichts an der eingeschränkten Liquidität bei der Rückgabe. Der Cost-Average-Effekt wirkt nur am Anfang.
- Sparpläne sind bei beratungspflichtigen Produkten organisatorisch aufwändiger, weil jede Rate technisch eine Zeichnung ist.
Bei klimaVest beträgt die Mindestanlage 10.000 Euro nach erfolgter Anlageberatung. klimaVest ist derzeit nicht als Sparplan erhältlich.