Wie teuer genau, hat die Europäische Kommission Ende April 2026 beziffert: 57 Prozent des in der EU verbrauchten Energiebedarfs stammen weiterhin aus importierten fossilen Brennstoffen, obwohl die erneuerbaren Kapazitäten seit Jahren wachsen. Rund 930 Millionen Euro gibt die EU im Schnitt täglich für Öl-, Gas- und Kohleimporte aus. Das ergab im Jahr 2025 zusammengerechnet rund 340 Milliarden Euro. Seit Beginn des Kriegs im Nahen Osten kommt aufgrund des Preisanstiegs ein beachtlicher Zuschlag obendrauf: etwa 480 Millionen Euro pro Tag – also in nur 50 Tagen 24 Milliarden Euro extra.2 Diese Zahlen legte die Europäische Kommission Ende April 2026 offen, mitten in der zweiten schweren Energiepreiskrise binnen vier Jahren. Die Blockade der Straße von Hormus zeigt erneut, wie teuer Energieabhängigkeit werden kann.
In Brüssel hat sich dabei der Ton verändert. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen beschrieb die neue Strategie AccelerateEU ausdrücklich als Weg zu „Energieunabhängigkeit und -sicherheit".3 Fachmedien berichteten, dass die Kommission den beschleunigten Umbau des Energiesystems in einen direkten Zusammenhang mit Versorgungssicherheit und Preisstabilität stellt.4 Erneuerbare Energien werden damit zunehmend auch als Frage nationaler und europäischer Sicherheit verhandelt.
EnergiesicherheitAccelerate EU: Brüssels neuer Kurs in der Energiepolitik
Zwei Krisen, vier Jahre, ein Muster
Wie sich der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran seit Ende Februar 2026 auf die Energiemärkte ausgewirkt hat und was das strukturell für klimaVest bedeutet, haben wir bereits eingeordnet. Daher an dieser Stelle nur so viel: Es ist bereits die zweite fossile Energiepreiskrise seit dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022. Beide Male war der Auslöser derselbe: weltweit gehandeltes Öl und Gas, das durch geopolitisch verwundbare Nadelöhre transportiert wird.
Neu ist, was in den vergangenen Monaten politisch daraus folgte: Die EU-Kommission hat aus der wiederholten Erfahrung Konsequenzen gezogen, die deutlich konkreter ausfallen als 2022.
Brüssels Kurswechsel: Was AccelerateEU wirklich bedeutet
Vorgestellt hat die Kommission ihre neue Strategie am 22. April 2026, als direkte Reaktion auf die Kostenexplosion bei den Energieimporten. AccelerateEU bündelt fünf Handlungsfelder: engere Koordination zwischen Mitgliedstaaten, Schutz von Verbraucher:innen und Unternehmen vor Preisspitzen, beschleunigter Ausbau heimischer erneuerbare Energie und Elektrifizierung, eine gestärkte Netzinfrastruktur sowie mobilisierte Investitionen – von der kurzfristigen Freigabe strategischer Ölreserven bis zu gezielten Förderprogrammen für die Industrie.3
Auch wenn die Mitteilung selbst rechtlich unverbindlich ist, hat sie politisch bereits Folgen gezeigt. Am 17. Juli 2026 legte die Kommission ein konkretes Energiepaket vor: einen Elektrifizierungs-Aktionsplan und einen Vorschlag zur Senkung der Netzentgelte.5 Damit löste sie eine im April angekündigte Zusage ein, Strom künftig steuerlich nicht schlechter zu stellen als fossile Energieträger.3
Unumstritten ist der Vorschlag nicht: Mitte August warnte die Bundesregierung, die Kommission wolle über den Umweg des Strombinnenmarktrechts nationale Steuerhoheit aushebeln, die bei reinen Steuerfragen eigentlich Einstimmigkeit erfordert. Im Strombinnenmarktrecht reichen dagegen Mehrheitsentscheidungen.6 Der Streit ist damit im Kern eine Kompetenzfrage: Wie viel energiepolitische Entscheidungsgewalt verlagert sich von den Mitgliedstaaten nach Brüssel?
Energieresilienz: Wie sich Erneuerbare bereits auszahlen
Die Abhängigkeit von Energieimporten ist real. Der von der EU eingeschlagene Weg wirkt aber bereits messbar dagegen. Nach einer Analyse des Thinktanks Ember, gestützt auf Daten der Internationalen Energieagentur, sparte die EU allein 2025 durch den Ausbau erneuerbarer Energien rund 51 Milliarden Euro an fossilen Importkosten. Solarstrom erreichte einen Anteil von 12,5 Prozent am europäischen Strommix und lieferte damit den größten Einzelbeitrag.}7 Entsprechend ist der Stromsektor auch der Bereich, der von der aktuellen Krise am wenigsten betroffen ist: Die meisten fossilen Importe fließen inzwischen in Wärme und Verkehr, nicht mehr in die Stromerzeugung.7
Das verschiebt die Prioritäten: Elektrifizierung von Heizung und Mobilität wird damit zum zweiten großen Hebel neben dem reinen Ausbau der Erzeugungskapazität.
Der Persische Golf im Spätsommer: Die Krise dauert an
Wie instabil die Importroute aus dem Nahen Osten weiterhin ist, zeigt der Blick auf die Straße von Hormus selbst. Sechs Monate nach Kriegsbeginn liegt der Schiffsverkehr durch die Meerenge laut der britischen Marinebehörde UKMTO noch immer rund 90 Prozent unter dem Niveau vor Kriegsbeginn.8 Öl fließt zwar weiter, unter anderem über Umwege und mit stillschweigender Unterstützung durch Drittstaaten, doch Angriffe auf Tanker bleiben ein reales Risiko.8 Die Prämie für das geopolitische Risiko bleibt damit eingepreist.
Wo setzen wir bei klimaVest an?
Für Anleger:innen heißt das: Die Abhängigkeit von Importrouten wie der Straße von Hormus lässt sich nicht kurzfristig auflösen, wohl aber langfristig reduzieren – durch den Ausbau europäischer Erzeugungskapazitäten. Mit dieser Logik in Einklang steht die Investmentstrategie von klimaVest.
Wir investieren in europäische Wind- und Solarparks sowie Netzinfrastruktur – also in die Bereiche, die AccelerateEU selbst als zentrale Handlungsfelder benennt: heimische Erzeugung, Elektrifizierung und Netzausbau.3 Unser Portfolio ist an 43 Standorten in sechs EU-Ländern aktiv, mit einem Technologiemix aus Windkraft, Photovoltaik und einer seit 2025 bestehenden indirekten Beteiligung am Übertragungsnetzbetreiber Amprion. Netzinfrastruktur ist damit inzwischen unsere zweitgrößte Assetklasse.
Diese Streuung dient nicht in erster Linie der Vollständigkeit, sondern der Stabilität. Erträge fließen klimaVest über unterschiedliche Kanäle zu: staatlich regulierte Einspeisevergütungen als Fundament, langfristige Stromabnahmeverträge (PPAs) mit Industriepartnern für Planbarkeit und der Verkauf am Spotmarkt als zusätzliche Chance. Steigen die Preise am Terminmarkt, kann der Merchant-Anteil im Portfolio von dieser Entwicklung profitieren.
Ein Investment in klimaVest ist also ein Investment in genau die Infrastruktur, die Europa nach Einschätzung der EU-Kommission jetzt braucht, um unabhängiger von einzelnen Krisenregionen zu werden. Das verbindet zwei Anlagemotive, die zunehmend zusammengehören: den Beitrag zur Energiewende und die Reduktion einer volkswirtschaftlichen Abhängigkeit, die jederzeit teure Folgen haben kann. Energiesicherheit lässt sich nicht importieren: Sie muss erzeugt werden.
1Handelsblatt: „Iran: Was die Straße von Hormus so wichtig macht", 28. Februar 2026. – https://www.handelsblatt.com/politik/international/iran-was-die-strasse-von-hormus-so-wichtig-macht/100204320.html
2Landesvertretung Rheinland-Pfalz in Brüssel: „Kommission veröffentlicht Maßnahmenpaket, um Energiekrise abzuwenden", 24. April 2026. – https://europa.rlp.de/service/presse/detail/kommission-veroeffentlicht-massnahmenpaket-um-energiekrise-abzuwenden
3Europäische Kommission / EU-Vertretung in Deutschland: „Energiekrise abfedern: Kommission schlägt kurz- und langfristige Maßnahmen vor", 22. April 2026. – https://germany.representation.ec.europa.eu/news/energiekrise-abfedern-kommission-schlagt-kurz-und-langfristige-massnahmen-vor-2026-04-22_de
4ingenieur.de: „Nach Hormus-Sperrung: Brüssel präsentiert neues Krisenpaket für die Energiemärkte", 23. April 2026. – https://www.ingenieur.de/technik/fachbereiche/energie/nach-hormus-sperrung-brussel-prasentiert-neues-krisenpaket-fur-die-energiemarkte/
5ZDH: „Europäische Kommission veröffentlicht Energiepaket", 17. Juli 2026. – https://www.zdh.de/ueber-uns/fachbereich-europapolitik/eu-aktuell/europaeische-kommission-veroeffentlicht-energiepaket/
6Euronews: „Deutschland warnt: EU-Steuerpläne für Strom gefährden nationale Souveränität", 17. August 2026. – https://de.euronews.com/my-europe/2026/08/17/deutschland-warnt-eu-steuerplane-fur-strom-gefahrden-nationale-souveranitat
7Euronews: „Saubere Energie spart der EU 2025 51 Milliarden Euro: Solarenergie führt", 30. Mai 2026. – https://de.euronews.com/2026/05/30/saubere-energie-spart-der-eu-2025-51-milliarden-euro-solarenergie-fuhrt
8t-online: „Straße von Hormus: Ganz still bringt TotalEnergies Öl durch die Meerenge", 25. August 2026. – https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/id_101403346/strasse-von-hormus-ganz-still-bringt-totalenergies-oel-durch-die-meerenge.html