80 Prozent Anteil Erneuerbarer Energien am Strommix Deutschlands bis 2030 – so ist das Ziel der Bundesregierung im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2023 festgeschrieben. 2025 lag der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch bereits bei rund 55 Prozent – ein deutlicher Fortschritt gegenüber den vergangenen Jahren. Doch bis zum Erreichen des 80-Prozent-Ziels ist es noch ein weiter Weg.
Der Ausbau kommt voran, aber nicht überall schnell genug: Beim Photovoltaik-Ausbau liegt Deutschland aktuell leicht über dem EEG-Zielpfad, doch der Windkraft-Ausbau an Land bleibt seit Jahren hinter den Zielen zurück – trotz zuletzt beschleunigter Genehmigungszahlen. Das Umweltbundesamt hält daher fest: Um das 80-Prozent-Ziel zu erreichen, muss der Ausbau weiter beschleunigt werden.1
Eine Verschärfung der ohnehin bestehenden Konflikte in der Flächennutzung ist somit vorprogrammiert: Wo sollen all die neuen Flächen, gerade für den Ausbau der Photovoltaik (PV), entstehen? Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz hat dazu seine Vorstellungen geäußert: Alle geeigneten Dachflächen sollen genutzt werden, gewerbliche Neubauten sollen verpflichtend mit Solaranlagen ausgestattet sein, private Neubauten auch stärker als zuvor. Doch ob das ausreicht?
Eine ergänzende Alternative wäre die Nutzung von Wasser- und Agrarflächen – ohne den Anbaupflanzen das auch von ihnen benötigte Sonnenlicht zu verwehren. Doch in der Tat gibt es entsprechende innovative Ansätze, den Anbau von Nahrungsmitteln und die Stromproduktion durch PV auf ein und derselben Fläche zu vereinen: Die Rede ist von „Agri-PV", hinzu kommt „Floating PV" für Wasserflächen. Wie ist der aktuelle Entwicklungsstand?
Landwirtschaft neu denken - mit Agri-PV zur effizienteren Flächennutzung
Agri-PV bezeichnet die doppelte Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen zur gleichzeitigen Gewinnung von Strom durch auf diesen Flächen installierte Photovoltaikanlagen.
Das Konzept wird maßgeblich vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE vorangetrieben. Es bietet deshalb Potenzial, weil es flexibel ist und auf die jeweilige landwirtschaftliche Nutzung konkret abgestimmt werden kann. Unabhängig davon, wie groß die angebaute Pflanze ist, ob es sich um Obst, Getreide oder Sonderkulturen handelt, unabhängig davon, ob in Deutschland, im Mittelmeerraum oder in Afrika: Die Anlagen sind überall einsetzbar und können je nach Konzeption sogar die Effizienz des Anbaus steigern.