Flächennutzung neu gedachtDie nächste Generation der Photovoltaik 

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zuletzt aktualisiert10.06.2026
KategorieSolarenergie
Solarmodule auf einem Dach in parallelen Reihen aus der Vogelperspektive.

80 Prozent Anteil Erneuerbarer Energien am Strommix Deutschlands bis 2030 – so ist das Ziel der Bundesregierung im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2023 festgeschrieben. 2025 lag der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch bereits bei rund 55 Prozent – ein deutlicher Fortschritt gegenüber den vergangenen Jahren. Doch bis zum Erreichen des 80-Prozent-Ziels ist es noch ein weiter Weg.

Der Ausbau kommt voran, aber nicht überall schnell genug: Beim Photovoltaik-Ausbau liegt Deutschland aktuell leicht über dem EEG-Zielpfad, doch der Windkraft-Ausbau an Land bleibt seit Jahren hinter den Zielen zurück – trotz zuletzt beschleunigter Genehmigungszahlen. Das Umweltbundesamt hält daher fest: Um das 80-Prozent-Ziel zu erreichen, muss der Ausbau weiter beschleunigt werden.1

Eine Verschärfung der ohnehin bestehenden Konflikte in der Flächennutzung ist somit vorprogrammiert: Wo sollen all die neuen Flächen, gerade für den Ausbau der Photovoltaik (PV), entstehen? Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz hat dazu seine Vorstellungen geäußert: Alle geeigneten Dachflächen sollen genutzt werden, gewerbliche Neubauten sollen verpflichtend mit Solaranlagen ausgestattet sein, private Neubauten auch stärker als zuvor. Doch ob das ausreicht?

Eine ergänzende Alternative wäre die Nutzung von Wasser- und Agrarflächen – ohne den Anbaupflanzen das auch von ihnen benötigte Sonnenlicht zu verwehren. Doch in der Tat gibt es entsprechende innovative Ansätze, den Anbau von Nahrungsmitteln und die Stromproduktion durch PV auf ein und derselben Fläche zu vereinen: Die Rede ist von „Agri-PV", hinzu kommt „Floating PV" für Wasserflächen. Wie ist der aktuelle Entwicklungsstand? 


 

Landwirtschaft neu denken - mit Agri-PV zur effizienteren Flächennutzung

Agri-PV bezeichnet die doppelte Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen zur gleichzeitigen Gewinnung von Strom durch auf diesen Flächen installierte Photovoltaikanlagen.

Das Konzept wird maßgeblich vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE vorangetrieben. Es bietet deshalb Potenzial, weil es flexibel ist und auf die jeweilige landwirtschaftliche Nutzung konkret abgestimmt werden kann. Unabhängig davon, wie groß die angebaute Pflanze ist, ob es sich um Obst, Getreide oder Sonderkulturen handelt, unabhängig davon, ob in Deutschland, im Mittelmeerraum oder in Afrika: Die Anlagen sind überall einsetzbar und können je nach Konzeption sogar die Effizienz des Anbaus steigern.  

Solarpanele links und Kühe rechts auf grüner Wiese, gelbes Feld im Hintergrund.
Agri-PV: die doppelte Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen zur gleichzeitigen Gewinnung von Strom

In besonders heißen Gegenden können die Solarpanels so über den Pflanzen angebracht werden, dass die Sonneneinstrahlung auf die Pflanzen reduziert und das Mikroklima dadurch verbessert wird. Zusätzlich kann mithilfe der Anlagen Wasser aus der Luft kondensiert und aufgefangen werden, welches die Pflanzen direkt bewässert oder zur anderweitigen Nutzung abgeführt wird. Diese mehrfache Nutzung steigert die Effizienz der Nutzflächen und ist eine besonders wirksame Methode für die zukünftige Landwirtschaft unter heißeren klimatischen Bedingungen weltweit. Auch in kühleren Regionen erfüllen die Anlagen dreifachen Nutzen durch zusätzlichen Schutz vor Hagel, Frost und Unwetter.

Agri-Photovoltaik befindet sich weltweit im Aufwind: Die global installierte Agri-PV-Kapazität ist von rund 5 GW im Jahr 2020 auf über 25 GW Ende 2024 gewachsen – ein Wachstum um den Faktor 5 in nur vier Jahren.2 Das Potenzial für Agri-PV in Deutschland ist enorm: Laut einer aktuellen Analyse des Fraunhofer ISE könnten allein auf den am besten geeigneten landwirtschaftlichen Flächen Agri-PV-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 500 Gigawatt installiert werden – weit mehr als die Photovoltaik-Ausbauziele Deutschlands bis 2040 vorsehen.3

Mehrere Länder bieten seit Jahren staatliche Förderprogramme an, darunter Japan (seit 2013), China (ca. seit 2014), Frankreich (seit 2017), die USA (seit 2018) und Korea Fraunhofer. In Deutschland hat die Entwicklung seit 2022 deutlich an Fahrt aufgenommen: Das im Mai 2024 in Kraft getretene Solarpaket 1 sieht spezielle Fördervolumen für Agri-PV vor: 2024: 300 MW, 2025: 800 MW, 2026: 1200 MW, 2027: 1500 MW, 2028: 2000 MW und 2029: 2075 MW zu installierende Leistung.4


Wie auf dem Feld, so auf dem Wasser

Die Konzeption von Floating PV ist vergleichbar. Hierbei geht es darum, ungenutzte Flächen auf künstlichen Seen dafür zu verwenden, schwimmende PV-Anlagen zu installieren. 

Darunter fallen etwa geflutete Gruben aus dem Tagebau oder Stauseen. Zwar werden diese Flächen dadurch nicht doppelt genutzt, doch entstehen dennoch wertvolle Synergieeffekte. Das Wasser kühlt die Solarmodule und die Module wiederum verringern den Sonneneinfall aufs Wasser, sodass sich weniger das Ökosystem belastende Algen bilden. Auch ist es möglich, die Floating PV-Anlagen mit Wasser- oder Windkraft zu koppeln, um die umliegenden Flächen noch effizienter zu nutzen, Wetterfluktuationen entgegenzuwirken und Wartungsprozesse zu optimieren.  

Im Gegensatz zu Agri-PV ist Floating PV (schwimmende Photovoltaik) noch ein relativ junges, aber schnell wachsendes Nutzungskonzept auf Wasserflächen. Die installierte Gesamtleistung stieg von 10 Megawatt im Jahr 2014 auf über 7,7 Gigawatt im Jahr 2023.3 Damit ist sie deutlich über die 2021 vom Fraunhofer-Institut ermittelten 2,6 GWp hinausgewachsen.

Das Ausbaupotenzial für Deutschland ist beachtlich, wenn auch geringer als ursprünglich eingeschätzt: Eine aktuelle Analyse von RWE und dem Fraunhofer ISE ergab, dass das wirtschaftlich-praktisch erschließbare Potenzial bei 1,8 Gigawatt Peak (Südausrichtung) beziehungsweise 2,5 Gigawatt Peak (Ost-West-Ausrichtung) liegt Deutschland hat großes Potenzial für Schwimmende Photovoltaik - Fraunhofer ISE. Das rein technische Potenzial ist mit mindestens 14 Gigawatt Peak bei einer 15-prozentigen Gewässerabdeckung deutlich größer und würde bei 35 Prozent Abdeckung sogar auf bis zu 45 Gigawatt Peak ansteigen.5

In Deutschland gibt es mehr als 6.000 künstliche Seen mit einer Fläche von mindestens einem Hektar, die zusammen über 90.000 Hektar umfassen. Derzeit werden auf deutschen Gewässern Photovoltaikanlagen mit einer Spitzenleistung von gut 44 Megawatt betrieben, weitere 79 Megawatt befinden sich in der Genehmigungs- oder Konstruktionsphase.6

Schwimmende Solarmodule auf einem See, umgeben von Bäumen im Sonnenlicht.
Das Konzept von "Floating PV": Schwimmende Solarpaneele

Ausblicke auf eine "grüne" Zukunft

Spätestens durch die bald gesetzlich verankerten Anreize der Bundesregierung sollte sich die Nutzung innovativer Konzepte wie Agri-PV und Floating PV stärker verbreiten. Der mehrfache Nutzen ermöglicht es Landwirten, Energieversorgern mit stillgelegten Braunkohlegruben und institutionellen Investoren, die wirtschaftliche Effizienz der Betriebe oder Investments zusätzlich zu erhöhen und gleichzeitig zu einem "grüneren" Strommix beizutragen. Dass innovative Ideen zu Wirklichkeit werden und sich exponentiell verbreiten, ist mehr als begrüßenswert und eine willkommene Entwicklung für die Energieherstellung von morgen. 

Ein Mann im grauen Anzug steht vor einer strukturierten, verwitterten Wand und lächelt in die Kamera.
Agri-PV verbindet als Schlüsseltechnologie Landwirtschaft und erneuerbare Energieversorgung. In Deutschland entstehen attraktive Investitionschancen, die wir jetzt für unsere Anleger erschließen
Timo Werner
klimaVest Fondsmanager
klimaVest Portfolio

Doppelernte am Flughafen Berlin 

Am 18. September 2025 fiel in Berlin-Schönefeld der Startschuss für eines der größten Agri-PV-Projekte Deutschlands. Auf 76 Hektar verbindet klimaVest erstmals Landwirtschaft, Grünstromerzeugung, Forschung und Biodiversität auf einer Fläche. Das Projekt zeigt, was Agri-PV leisten kann: doppelte Flächennutzung, planbare Erträge – und ein wichtiger Beitrag zur Energiewende. 

Ein Traktor fährt durch ein Feld neben Solarpaneelen und bunten Blumen unter blauem Himmel.

1Umweltbundesamt (UBA): „Erneuerbare Stromerzeugung mit verhaltenem Wachstum", Pressemitteilung, Dezember 2025, https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/erneuerbare-stromerzeugung-verhaltenem-wachstum

2SurgePV: „Agricultural Solar & Agrivoltaics Guide", 2026, https://www.surgepv.com/hub/commercial-solar/agricultural-solar

3Fraunhofer ISE: „Flächenpotenzial für Agri-Photovoltaik in Deutschland übertrifft Ausbauziele für Klimaschutz", Pressemitteilung, Juli 2025, https://www.ise.fraunhofer.de/de/presse-und-medien/presseinformationen/2025/fraunhofer-ise-ausgruendung-flaechenpotenzial-fuer-agri-photovoltaik-in-deutschland-uebertrifft-ausbauziele-fuer-klimaschutz.html

4Solarserver: „Agri-Photovoltaik / Agri-PV – Definition und Förderung Solarpaket I", aktualisiert Oktober 2025, https://www.solarserver.de/wissen/basiswissen/agriphotovoltaik/

5https://www.energiezukunft.eu/erneuerbare-energien/solarenergie/leitfaden-fuer-schwimmende-photovoltaik

6https://www.ise.fraunhofer.de/de/presse-und-medien/presseinformationen/2024/deutschland-hat-grosses-potenzial-fuer-schwimmende-photovoltaik.html