Photovoltaik im Energiemix: Wie bewerten Sie Status Quo und Ausblick? Welche Entwicklung erwarten Sie?
Photovoltaik leistet einen entscheidenden Beitrag zur Energieversorgung in Deutschland. 2024 betrug ihr Anteil an der Stromerzeugung etwa 14,7 Prozent (Europa bei etwas 9 bis 10 Prozent). Um unsere Klimaziele zu erreichen und unabhängig von fossilen Energieträgern zu werden ist jedoch ein noch stärkerer Ausbau erforderlich. Die Voraussetzungen wurden mit der Verabschiedung des Klimaschutzgesetzes geschaffen. Der Anteil der Photovoltaik hat sich damit bereits dynamisch entwickelt und übertrifft frühere Prognosen – 2025 überholte Solarenergie erstmals die Braunkohle bei der Nettostromerzeugung. Hierfür müssen ausreichend Flächen erschlossen, Solarmodule leistungsfähiger, die Akzeptanz in der Bevölkerung hochgehalten und das Repowering und Recycling von Solarparks vorangetrieben werden.
Welche technologischen Entwicklungen halten Sie aktuell für die wichtigsten?
Die kontinuierliche Kostensenkung in der Modulfertigung. Experten erwarten eine Reduzierung der Fertigungskosten um ein weiteres Drittel bis Ende des Jahrzehnts. Ein weiterer wichtiger Faktor wird die Verbesserung der Zelleffizienz sein. Durch schrittweise Verbesserungen bei den Werkstoffen, Herstellprozessen und Zellarchitekturen werden die Siliziummodule, die derzeitig den Markt für kommerzielle PV-Systeme dominieren, stetig verbessert. Eine weitere Marktdurchdringung von n-type und bi-fazialen Modulen wird künftig weiter zu Effizienzsteigerungen führen. Weitere Forschung im Bereich der Dünnschichttechnik und unterschiedlicher Materialkombinationen (Tandem-Zellen) führt mittelfristig durch bessere Nutzung des Frequenzspektrums, des Sonnenlichts, längere Lebensdauer sowie Kostenreduktionen in der Herstellung zu großen Effizienzgewinnen. Ein Beispiel sind die Perowskit-Solarzellen, die mittel- bis langfristig eine Effizienzsteigerung auf über 30 Prozent erwarten lassen.
Wie schätzen Sie die langfristige Profitabilität von Photovoltaik für Erzeuger und Investoren ein?
Dies hängt von verschiedenen Faktoren ab. Es ist offensichtlich, dass sinkende Einspeisevergütungen und zunehmende Marktsättigung, insbesondere durch den hohen Gleichzeitigkeitsfaktor der PV (alle Anlagen erzeugen Strom zur selben Zeit), sich bei isolierter Betrachtung dieser Faktoren negativ auf deren Profitabilität auswirken. Es gibt jedoch zahlreiche Entwicklungen, die dem entgegenwirken. So ist die Branche geprägt durch eine hohe Innovationsrate und technologischen Fortschritt. Sowohl die kontinuierliche Verbesserung der Systemkomponenten, die Optimierung der technischen Planung zur bestmöglichen Nutzung der Flächen und des Netzanschlusses als auch die Integration von Speicherlösungen führen dazu, dass die Entstehungskosten für Strom sinken und dessen Marktwert mittelfristig eher gestützt/erhöht wird. Mit zunehmender Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien wurde die Strombörse in Leipzig zu einer Residualstrombörse, die einen Preis für die bedarfsgerechte Ergänzung der erneuerbaren Stromerzeugung generiert und nicht mehr den wahren Preis des Stroms, insbesondere des grünen Stroms, abbildet.
Eine große Bedeutung wächst in den nächsten Jahren dem Umbau des Strommarktdesigns (gegenwärtig Merit Order Prinzip) zu. Es wird erwartet, dass das neue Strommarktdesign, das zurzeit nur in groben Skizzen existiert, ebenfalls einen stützenden Effekt für den Preis von grünem Strom haben wird. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir langfristig eher eine stabile Profitabilität von Photovoltaik für Erzeuger und Investoren erwarten.
Welche Rolle spielen PPA und wie wird sich dieser Markt entwickeln?
Power Purchase Agreements (PPA) haben sich in Europa neben Ausschreibungen und Eigenverbrauch zu einer wichtigen Säule des Wachstums im Bereich PV entwickelt. In Deutschland erreichte der PPA-Markt 2023 mit rund 3,8–3,9 GW abgeschlossener Kapazität einen Rekordwert – ein Wachstum von über 300 Prozent gegenüber 2022. 2024 ging das Volumen auf 2,1 GW zurück, vor allem aufgrund eines Einbruchs im Offshore-Windsegment; der PV-PPA-Markt bleibt jedoch aktiv. Neben Deutschland verzeichneten Dänemark, Schweden und Polen ebenfalls einen starken Anstieg.
Der wichtigste Markt in Europa ist Spanien. Ein weiterer Treiber sind die Bedingungen zur Erzeugung von grünem Wasserstoff in der EU. Die darin geforderte hohe zeitliche und geografische Korrelation zwischen Strom- und Wasserstoffproduktion setzt voraus, dass Betreiber von Elektrolyseuren in Deutschland ein PPA zur Erzeugung von erneuerbarem Wasserstoff abschließen müssen. In den nächsten Jahren erwarten wir, dass sich PPA zur Wasserstoffproduktion weiter am Markt etablieren – wenngleich der Markt 2024/2025 regulatorischen Unsicherheiten ausgesetzt ist.
Mit der zunehmenden Anzahl an Windkraftanlagen, deren (EEG-) Förderung ausläuft, erwarten wir weiter eine steigende Anzahl an „Post-EEG-PPA“ mit denen sich Windkraftanlagenbetreiber ihre Einnahmen nach dem Auslaufen der Förderung sichern. Kurzfristig zeigt der Markt allerdings Schwäche: Im ersten Halbjahr 2025 brachen PPA-Abschlüsse auf nur rund 200 MW ein, bedingt durch negative Börsenstrompreise, unsichere Fördermechanismen und Druck auf die Wirtschaftlichkeit neuer PV-Großanlagen.
Hingegen sehen wir die Entwicklung von kurzfristigen PPA, mit denen sich Betreiber von tarifgeförderten Anlagen ihre Einnahmen erhöhen, eher rückläufig. Durch die gesunkenen Marktpreise lagen die Zuschlagswerte in den Ausschreibungsprozessen in letzter Zeit meist über den PPA-Preisen. Insgesamt erwarten wir ein weiter starkes Wachstum im Markt, da PPA viele Vorteile bieten, darunter Preisstabilität, langfristige Planbarkeit der Einnahmen, Erfüllung von Nachhaltigkeitszielen oder Entlastung öffentlicher Kassen bzw. der Steuerzahler durch nicht notwendige Tarifförderungen. Durch ihre Fremdfinanzierbarkeit sind sie ein wichtiges Instrument, um den Markt der erneuerbaren Energien schneller zu skalieren und die Ausbauziele zu erreichen.