Was sind die Vor- und Nachteile von Alternativen Investmentfonds?
Wer eine Anlage in einen AIF in Betracht zieht, der sollte sich vorher ausführlich über die Hintergründe und Bedingungen des jeweiligen Fonds informieren. Denn gerade aufgrund ihrer Komplexität gibt es hier einiges zu beachten.
Widmen wir uns zuerst den Vorteilen von Alternativen Fonds:
Transparenz
Während Aktienfonds in ihrer Auswahl an Assets oft undurchsichtiger sind und sich auch aus Namen wie “Technology Asia” nicht viel herauslesen lässt, bieten AIFs eine deutlich bessere Übersicht: Mit konkreten Sachwerten und ausgewählten Anlageprojekten behalten Sie einen klaren Überblick darüber, wo Ihr Geld hinfließt und wie sich Chancen und Risiken eines bestimmten Projekts zusammensetzen.
Beteiligung an Großprojekten
Mit einem Investment in AIFs stehen Ihnen Beteiligungen an Investments mit einem Volumen im Millionenbereich offen. So können sich auch für Privatanleger:innen Chancen für Investments in besonders spannende Immobilien oder – dank ELTIFs – in Infrastrukturprojekte ergeben.
Steigender Wert
Nicht nur Privatanleger:innen lernen AIFs immer mehr zu schätzen. Auch institutionelle Anleger wie Lebens- oder Rentenversicherungen suchen Wege, um die versprochenen Garantieleistungen in einem volatilen Zinsumfeld einhalten zu können.
Mittlerweile ist allen Akteuren am Finanzmarkt klar: Um für Rentabilität zu sorgen und die Inflationsrate zu schlagen, reichen Anlagen in Staatsanleihen oder Sparanlagen allein nicht mehr aus.
Hohe Renditen
Mit AIFs ist es Anleger:innen möglich, überdurchschnittliche Renditen zu erzielen – ob zum Vermögensaufbau oder wenn Sie Ihr Vermögen erhalten möchten. Vorteil dabei ist, dass das Portfolio dafür nicht zu stark vom Börsen- und Aktienmarkt und den damit verbundenen Risiken abhängig gemacht werden muss.
Unkomplizierte Sachwertanlagen
Durch den Schwerpunkt auf Sachwerten bieten Alternative Fonds ihren Anleger:innen viel Stabilität, beispielsweise durch langfristige Abnahmeverträge oder in Form von Immobilien-Mietverträgen, die Anleger:innen und ihr Kapital vor Inflation schützen.
Hier können Investoren vom Erfolg von Sachwerten profitieren, ohne den Aufwand und das Klumpenrisiko einer Eigenimmobilie auf sich zu nehmen. Der finanzielle Aufwand hält sich dabei sogar in Grenzen, denn Investments in gute AIFs beginnen meist schon bei einem Betrag von circa 10.000 Euro.
Aktives Management
AIF-Anleger:innen profitieren darüber hinaus von der aktiven Verwaltung des Fonds, die von Experten und Fonds-Managern übernommen wird. Das verschafft Anleger:innen genügend Sicherheit, um sich entweder zurückzulehnen oder sich mit zeitintensiveren Investmentmöglichkeiten zu beschäftigen.
Regelmäßige Ausschüttungen
AIFs sehen häufig regelmäßige Ausschüttungen vor, die an ihre Anleger:innen ausgegeben werden. Diese Ausschüttungen sind jedoch vom geplanten Verlauf des Investments abhängig und können nicht garantiert werden.
Professionelle Investments
Mit AIFs für semiprofessionelle oder für private Anleger:innen erhält man Zugang zu einer Anlageklasse, die bislang nur für institutionelle beziehungsweise professionelle Anleger:innen vorgesehen war.
Damit eröffnen sich Investmentmöglichkeiten, die mit traditionellen Anlagen bislang nicht zugänglich waren. Mit der ELTIF-2.0-Reform 2024 wurden viele dieser Hürden weiter abgesenkt. ELTIFs wie infraVest (Infrastruktur) sind heute auch für Privatanleger:innen grundsätzlich ohne Mindestanlagesumme zugänglich.
Diversifikation
Mit AIFs können Sie die Diversifikation im Portfolio deutlich erhöhen. Infrastruktur zum Beispiel ist noch häufig unterrepräsentiert und kann Ihr Portfolio gewinnbringend erweitern.
Kommen wir nun zu den Nachteilen von Alternativen Investmentfonds:
Erforderliche Expertise
Wenn Sie Experte im Warenhandel über Schiffswege sind, dürfte Ihnen die Auswahl eines passenden AIF in Form eines Schifffahrtfonds nicht schwerfallen. Wer jedoch in keinem konkreten Sachwertebereich ausgewiesenes Fachwissen hat, der sollte mit Bedacht einen kompetenten und überzeugenden Fondsanbieter auswählen.
Denn auch wenn die Verwaltung des Kapitals einem Experten zufällt, wird Ihr Kapital in einen hochkompetitiven Markt eingespeist. Deshalb ist es ratsam, sich entweder mit eigenem Fachwissen oder anhand der Kompetenz eines Anbieters so gut wie möglich abzusichern.
Rückgaberestriktionen
Einfache Rückgaben oder unkomplizierte Verkäufe der Anteile am Zweitmarkt sind mit AIFs meist nicht ohne weiteres möglich. Daher müssen Anleger:innen sich darauf einstellen, bei einer vorzeitigen Rückgabe – aufgrund eines Notfalls oder auch einer besonders günstigen Marktlage – gewisse Verluste in Kauf nehmen zu müssen.
Kosten
Wer sich mit den üblichen Kosten traditioneller Geldanlagen gut auskennt, wird im Bereich der AIFs auf einige ihm unbekannte Neuerungen stoßen. Denn auf diesem noch recht neuen und heterogenen Gebiet der Geldanlage herrschen andere Umstände, die sich auch in den Kosten bemerkbar machen: Aufgrund der Komplexität des Produkts und des damit einhergehenden Verwaltungsaufwands erheben Fondsanbieter oft höhere Verwaltungsgebühren und auch die Ausgabeaufschläge können sich unterscheiden.
Zusätzlich müssen Faktoren wie die Wartung der Anlageobjekte oder ein besonderer Nachhaltigkeitsschwerpunkt in der Kalkulierung der Kosten berücksichtigt werden. Daher ist es auch für erfahrene Anleger ratsam, sich mit den abweichenden Gebühren Alternativer Fonds im Vorfeld auseinanderzusetzen.
KVG als Risikofaktor
Die zuständige Kapitalverwaltungsgesellschaft eines AIF ist nicht nur für die Konzipierung des Finanzprodukts, sondern auch für das Fondsmanagement und die Betreuung, Instandhaltung, Bewirtschaftung und Vermarktung des Projekts verantwortlich. Ihr fällt also eine umfassende Verantwortung zu, wenn es um das erfolgreiche Management des Produkts geht.
Für den Erfolg des Produkts muss also auch sichergestellt sein, dass die KVG eine einschlägige Reputation und ein entsprechend positives Kompetenzprofil vorweisen kann. Lücken in der Kompetenz der KVG können sich entsprechend negativ auf das Investment beziehungsweise das Anlagekapital der Anleger:innen auswirken.
Keine Renditegarantie
Da AIFs keine festverzinslichen Geldanlagen sind, kann eine versprochene oder kalkulierte Rendite in keinem Fall garantiert werden. Im schlimmsten Fall kann es einen Totalverlust Ihrer Anlage bedeuten, beispielsweise wenn die verantwortliche KVG Insolvenz anmeldet.
Erwirtschaftet zum Beispiel eine Immobilie in einer Laufzeit von 15 Jahren nicht die prognostizierten Beträge, wird sie auch nicht den kalkulierten Verkaufspreis einbringen. Der Vorteil von Aktienanlagen, fallende Kurse im Notfall einfach aussitzen zu können, ist hier definitiv nicht gegeben.
Grundsätzlich lassen sich die Vor- und Nachteile und damit auch die Chancen und Risiken für AIFs nur schwer pauschal zusammenfassen. Bei einem derartig breiten Feld gestalten sich die Rahmenbedingungen je nach Produkt und Sachwert ganz unterschiedlich – beispielsweise lässt sich ein Hedgefonds nur schwer mit einem Filmfonds vergleichen.
In der Regel jedoch handelt es sich bei Alternativen Fonds um unternehmerische Beteiligungen, deren Risikoklasse auf einer Skala von 1 bis 7 mit mindestens 5 (überdurchschnittlich riskant) eingestuft wird.
Aber nicht zu vergessen ist: Die im Jahr 2013 eingeführten Regularien des KAGB sowie die Kontrolle durch das BaFin konnten bereits für deutlich höhere Transparenz im Bereich der AIFs sorgen. Damit wurden auch Risiken für Anleger:innen reduziert – vorausgesetzt, sie eignen sich im Vorfeld das nötige Wissen über die geplante Anlage an. Denn das neue Gesetz konnte zwar keine Risiken eliminieren, Anleger:innen werden jedoch mittlerweile sehr viel ausdrücklicher darauf hingewiesen.