Solarenergie ist eine tragende Säule der Energiewende. Im Jahr 2024 stammten rund 14 Prozent der deutschen Stromerzeugung aus Photovoltaik (PV).1 Doch trotz dieser Zahlen halten sich hartnäckige Vorbehalte: angeblich ineffiziente Module bei Bewölkung, zu teure Stromproduktion, umweltschädliche Herstellung. Wir haben die gängigsten Mythen einer faktenbasierten Prüfung unterzogen.
Faktencheck 6 Mythen zu Photovoltaik
Solarenergie
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Mythos 1: Photovoltaik funktioniert nur bei schönem Wetter
Wenn dichte Wolken den Himmel verdüstern, produziert die Solaranlage keinen Strom? Und überhaupt ist Photovoltaik (PV) nur sinnvoll in Regionen mit vielen Sonnenstunden? Diese verbreitete Annahme ist falsch! Moderne Solarmodule sind in der Lage, ein breites Lichtspektrum zu nutzen.2 Selbst diffuses Licht bei Bewölkung produziert Solarstrom, wenn auch mit geringerer Leistung als bei direkter Sonneneinstrahlung.3 So liegt die Leistung der Sonneneinstrahlung bei klarem Himmel im Sommer bei bis zu 1000 W/m² (Watt pro Quadratmeter), bei leichter bis mittlerer Bewölkung bei 300 bis 600 W/m² und selbst bei dichter Bewölkung noch bei etwa 200 W/m².3 Je nach Modulwirkungsgrad – heute meist zwischen 18 bis 22 Prozent – wird ein Teil dieser Energie in Strom umgewandelt.
Viele moderne Solaranlagen sind zudem mit Batteriespeichern ausgestattet, die überschüssige Energie von sonnigen Tagen speichern und bei trübem Wetter wieder abgeben können. Diese Speichersysteme machen Solarenergie auch bei wechselhaftem Wetter zuverlässig.4 Neben der Sonneneinstrahlung beeinflusst auch die Temperatur den Wirkungsgrad von Solarmodulen, der mit steigender Wärme sinkt. Besonders heiße Gebiete eignen sich daher weniger für Solarparks.
Mythos 2: Solarstrom ist zu teuer
Solarstrom galt lange Zeit als überdurchschnittlich teuer – und tatsächlich war das über viele Jahre hinweg der Fall. Doch eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts zeigt, dass PV-Strom heute im Vergleich zu anderen Technologien deutlich preiswerter geworden ist. Speziell die großen PV-Kraftwerke sind heute in der Lage, Strom zu produzieren, der im Vergleich kostengünstiger ist als der von konventionellen Kraftwerken.5 Laut Fraunhofer-Institut werden sich diese Kostenvorteile bis 2045 fortsetzen und durch steigende Betriebskosten konventioneller Kraftwerke, vor allem durch europaweit steigende CO₂-Preise, noch weiter verstärkt werden.5 Die Studie kommt zu der Einschätzung, dass sich die langfristigen Stromerzeugungskosten für PV-Freiflächenanlagen in Deutschland zwischen 5 und 10 Cent pro Kilowattstunde (kWh) einpendeln werden. Windkraftwerke bleiben demnach unter 10 Cent/kWh. Beides Werte, die bereits 2024 erreicht wurden.5 Zum Vergleich: Braunkohle und Atomkraft lagen in Deutschland im Jahr 2024 bei 25 bzw. fast 50 Cent/kWh.5
Mythos 3: Die Produktion von Solarpanels ist umweltschädlicher als ihr Nutzen
Photovoltaikanlagen haben eine sehr kurze energetische Amortisationszeit. Die sogenannte Energy Payback Time für Dachanlagen mit Silizium-Solarmodulen liegt in Europa bei 1,0 bis 1,3 Jahren.6 Das bedeutet, dass die Solaranlage bereits nach dieser kurzen Zeit mehr Energie erzeugt hat, als für ihre Produktion benötigt wurde. Im Norden Europas beträgt die Amortisationszeit etwa 1,1 Jahre, im Süden sogar nur 0,9 Jahre.6 Über die gesamte Betriebsdauer von typischerweise 25 bis 30 Jahren hinweg erzeugt eine moderne Photovoltaikanlage damit ein Vielfaches der für ihre Herstellung aufgewendeten Energie.
Die Materialien – darunter Silizium, Aluminium, Glas und verschiedene Kunststoffe – sind größtenteils recycelbar. In den letzten Jahren hat sich die Recyclingtechnologie zudem deutlich verbessert, sodass mittlerweile etwa 80 Prozent eines Solarmoduls sehr effizient wiederverwertet werden können.7 Zudem unterliegen PV-Module in der EU seit einiger Zeit der Rücknahmepflicht.7
Mythos 4: Solarmodule sind empfindlich und ihre Leistung lässt schnell nach
Falsch! Solarmodule sind für den Außeneinsatz konzipiert und daher besonders robust. Selbst raue Witterungsbedingungen können den Panels wenig anhaben. Moderne Anlagen haben eine ungefähre Lebensdauer von 25 bis 30 Jahren.8 Ihre Leistung bleibt in dieser Zeit weitestgehend konstant. Durch regelmäßige Wartung lässt sich der geringe Leistungsverlust weiter minimieren. Was zutrifft: Extreme Wetterereignisse wie starke Stürme oder Blitzeinschläge können in der Tat zu Schäden an den Solarmodulen führen.8
Mythos 5: Solarparks führen zur Zerstörung von Lebensräumen
Wenn es um den Bau von PV-Freiflächenanlagen geht, wird regelmäßig die Befürchtung geäußert, dass ökologische Lebensräume zerstört werden könnten. Doch Studien zeigen ein anderes Bild: Solarparks können sogar neue, artenreiche Lebensräume schaffen. Eine umfangreiche Untersuchung des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft hat ergeben, dass naturverträglich gestaltete PV-Anlagen die Artenvielfalt vor Ort fördern können.9 In der bundesweiten Feldstudie wurden 2024 insgesamt 385 unterschiedliche Pflanzenarten, 30 Heuschreckenarten, 36 Schmetterlingsarten, drei Reptilienarten, 32 Brutvogelarten und 63 Vogelarten als Nahrungsgäste sowie 13 Fledermausarten nachgewiesen.9 Besonders wichtig dabei sind eine schützende Einzäunung, der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel und die extensive Pflege des Grünlands zwischen den Modulreihen.
Eine besonders umweltfreundliche Alternative stellen Agri-PV-Anlagen dar. Diese werden auf landwirtschaftlichen Flächen installiert und erzeugen Energie, ohne empfindliche Pflanzen wie Getreide oder Hülsenfrüchte zu schädigen. Die Pflanzen können sogar profitieren, da sie durch die Paneele vor Hagel oder zu starker Sonneneinstrahlung geschützt werden.10
Doppelernte am Flughafen Berlin
Am 18. September 2025 fiel in Berlin-Schönefeld der Startschuss für eines der größten Agri-PV-Projekte Deutschlands. Auf 76 Hektar verbindet klimaVest erstmals Landwirtschaft, Grünstromerzeugung, Forschung und Biodiversität auf einer Fläche. Das Projekt zeigt, was Agri-PV leisten kann: doppelte Flächennutzung, planbare Erträge – und ein wichtiger Beitrag zur Energiewende.
Mythos 6: PV-Anlagen geben gesundheitsschädliche Strahlung ab
Bei fachgerecht montierten Komponenten gibt es keine Anzeichen für gesundheitsschädliche Strahlung. Der Begriff Elektrosmog wird umgangssprachlich für verschiedene technische Felder verwendet, darunter statische elektrische und magnetische Felder sowie elektromagnetische Felder. Für PV-Anlagen sind bislang keine gesundheitlichen Risiken durch statische elektrische, magnetische oder elektromagnetische Felder bekannt.11
Fazit
Solarenergie ist leistungsfähiger, wirtschaftlicher und umweltfreundlicher als viele der kursierenden Mythen vermuten lassen. Die Fakten sprechen eine klare Sprache:
- Moderne Photovoltaik-Module produzieren auch bei bewölktem Himmel Strom
- Energetische Amortisation bereits nach rund einem Jahr
- Stromgestehungskosten zwischen 5 und 10 Cent/kWh – deutlich günstiger als konventionelle Kraftwerke
- Gut geplante Solarparks fördern die Artenvielfalt statt sie zu gefährden
Strenge Auflagen, moderne Technik und Ausgleichsmaßnahmen sorgen dafür, dass Photovoltaik-Anlagen verantwortungsvoll betrieben werden. Aufklärung bleibt wichtig, um unbegründete Vorbehalte abzubauen und das volle Potenzial dieser zukunftsstarken Technologie für die Energiewende zu nutzen.
1Fraunhofer ISE: „Öffentliche Stromerzeugung 2024: Deutscher Strommix so sauber wie nie", Januar 2025, https://www.ise.fraunhofer.de/de/presse-und-medien/presseinformationen/2025/oeffentliche-stromerzeugung-2024-deutscher-strommix-so-sauber-wie-nie.html
2Fraunhofer ISE: „Photovoltaics Report", Oktober 2025, https://www.ise.fraunhofer.de/content/dam/ise/de/documents/publications/studies/Photovoltaics-Report.pdf
3International Energy Agency (IEA): „Snapshot of Global PV Markets 2024", https://iea-pvps.org/snapshot-reports/snapshot-2024/
4Fraunhofer ISE: „Studie Stromgestehungskosten Erneuerbare Energien", August 2024, https://www.ise.fraunhofer.de/content/dam/ise/de/documents/publications/studies/DE2024_ISE_Studie_Stromgestehungskosten_Erneuerbare_Energien.pdf
5Fraunhofer ISE: „Photovoltaik mit Batteriespeicher günstiger als konventionelle Kraftwerke", Presseinformation August 2024, https://www.ise.fraunhofer.de/de/presse-und-medien/presseinformationen/2024/photovoltaik-mit-batteriespeicher-guenstiger-als-konventionelle-kraftwerke.html
6Fraunhofer ISE: „Photovoltaics Report", Oktober 2025, Energy Payback Time Section, https://www.ise.fraunhofer.de/content/dam/ise/de/documents/publications/studies/Photovoltaics-Report.pdf
7Umweltbundesamt: „Photovoltaik: Umweltfreundlich Strom erzeugen", https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/erneuerbare-energien/photovoltaik
8Fraunhofer ISE: „Recent Facts about Photovoltaics in Germany", https://www.ise.fraunhofer.de/en/publications/studies/recent-facts-about-pv-in-germany.html
9Bundesverband Neue Energiewirtschaft e.V. (bne): „Artenvielfalt im Solarpark – Eine bundesweite Feldstudie", März 2025, https://www.bne-online.de/bne-pressemitteilung-studienveroffentlichung-artenvielfalt-im-solarpark/
10Fraunhofer ISE: „Agri-Photovoltaik: Chance für Landwirtschaft und Energiewende", https://www.ise.fraunhofer.de/de/leitthemen/integrierte-photovoltaik/agri-photovoltaik.html
11Bundesamt für Strahlenschutz: „Photovoltaik-Anlagen und elektromagnetische Felder", https://www.bfs.de/DE/themen/emf/nff/schutz/vorsorge/pv-anlagen/pv-anlagen.html