Der deutsche Solarmarkt und Agri-PV im Aufwind
Rekordausbau von Photovoltaik in Deutschland
Deutschland erlebt weiterhin einen anhaltenden Photovoltaik-Boom. Im Jahr 2025 gingen Solaranlagen mit einer Leistung von 16,5 Gigawatt neu ans Netz – das von der Bundesregierung vorgesehene Ausbauziel von 15 Gigawatt wurde damit übertroffen. Ende 2025 waren in Deutschland insgesamt über 117 Gigawatt Solarleistung installiert, bis 2030 soll die Leistung auf 215 Gigawatt steigen. Bereits 2025 deckten erneuerbare Energien rund 56 Prozent des Bruttostromverbrauchs – das dritte Jahr in Folge, in dem mehr als die Hälfte des Stromverbrauchs aus regenerativen Quellen stammt. Das im Mai 2024 in Kraft getretene Solarpaket I der Bundesregierung treibt diesen Aufschwung voran und schafft bessere Rahmenbedingungen für Technologien wie Agri-PV. Für Agri-PV-Anlagen gibt es eigene Ausschreibungskontingente und höhere Vergütungen – das Ausschreibungsvolumen für besondere Solaranlagen wurde 2025 auf 800 Megawatt pro Jahr mehr als verdoppelt, und Anlagen bis zu einem Megawatt erhalten eine feste Einspeisevergütung von 9,36 Cent/kWh über 20 Jahre. Damit adressiert der Gesetzgeber einen wachsenden Konflikt: Landwirtschaftliche Flächen werden für Naturschutz, Infrastruktur und Energieerzeugung immer knapper. Agri-PV löst diesen Konflikt, indem Nahrungsmittelproduktion und Stromerzeugung dieselbe Fläche nutzen – eine echte Doppelernte.
Großes Potenzial mit konkreten Vorteilen
Rund 4,3 Millionen Hektar in Deutschland eignen sich besonders für Agri-PV, weil dort bestimmte Kulturen und Flächentypen gut mit PV-Modulen harmonieren. Das Forschungszentrum Jülich beziffert das realistische Potenzial – also Flächen, auf denen Agri-PV ökologisch sinnvoll ist und Erträge stabilisiert – auf ein bis zwei Prozent aller landwirtschaftlichen Flächen. Das entspricht einer Leistung von 170 bis 340 Gigawatt, die bis 2040 zum deutschen Solarausbau beitragen kann. Die Vorteile überzeugen: Die Module schützen Pflanzen vor Hitze und Trockenstress, verringern Verdunstung und können unter sich wandelnden Klimabedingungen die Erträge stabilisieren. Darüber hinaus erschließen sich Landwirtschaftsbetriebe zusätzliche Einkommensquellen durch Verpachtung oder den eigenen Betrieb der Anlagen. Allerdings stehen Agri-PV-Projekte auch vor Herausforderungen: Die Investitionskosten liegen höher als bei konventionellen Anlagen, einheitliche Standards fehlen, und die rechtlichen Rahmenbedingungen variieren regional. Die Weiterentwicklung der DIN SPEC 91434 zu einer vollständigen Norm soll hier Abhilfe schaffen und Planungssicherheit für Landwirte, Investoren und Genehmigungsbehörden bieten.