Vor kurzem haben wir die Reform des European Long Term Investment Fund (ELTIF) aus regulatorischer Sicht eingeordnet. Jetzt wird es konkret: Zum 1. September 2026 stellt klimaVest auf das neue Regime ELTIF 2.0 um. Was das für Anleger:innen bedeutet und warum wir den Schritt schon heute gehen, erklärt Fondsmanager Timo Werner. Seine Kernbotschaft: Mit dem Wechsel zu ELTIF 2.0 stellt sich klimaVest strategisch für die nächste Wachstumsphase auf.
1. Herr Werner, die gesetzliche Übergangsfrist läuft bis Anfang 2029. Warum stellt klimaVest schon jetzt auf ELTIF 2.0 um?
Weil wir die neuen Spielräume möglichst zeitnah nutzen wollen,– und nicht erst in drei Jahren. Die EU hat mit der Reform die regulatorischen Hürden für Sachwertinvestments spürbar gesenkt. Daraus ergeben sich zahlreiche Möglichkeiten, die wir einsetzen, um das Portfolio agiler zu steuern. Dazu gehören etwa neue Vertriebspotenziale im In- und Ausland durch eine einheitliche Regulatorik. Weiterhin wird klimaVest unter der neuen Regelung zum echten Evergreen Fonds mit einer unbestimmten Laufzeit – ideal für einen langfristigen Vermögensaufbau.
2. Welche neuen Möglichkeiten eröffnet ELTIF 2.0 konkret für das Fondsmanagement?
Das neue Regelwerk erweitert unseren Werkzeugkasten deutlich. Ein Beispiel: Bisher mussten einzelne Sachwerte einen Mindestwert von 10 Millionen Euro haben, um für einen ELTIF infrage zu kommen. Diese Schwelle entfällt mit der Reform. Damit stehen uns nun auch kleinere, hochattraktive Projekte offen. Hinzu kommt mehr Spielraum bei der Liquidität: Künftig müssen nur noch mindestens 55 statt bisher 70 Prozent in zulässige Vermögenswerte investiert sein. Das erlaubt uns ein aktiveres Cash-Management, wenn sich am Markt eine Chance auftut.
Auch der Rahmen für Fremdkapital auf Fondsebene wächst, von 30 auf 50 Prozent des Fondsvermögens. Eines ist mir dabei wichtig: Diese Obergrenzen sind für uns keine starren Zielquoten, sondern zusätzliche Instrumente. Wir setzen sie verantwortungsvoll und mit Bedacht ein, je nach Marktumfeld und Chancen-Risiko-Verhältnis.
3. Welche Vorteile ergeben sich durch die Umstellung für Anleger:innen von klimaVest?
Wir erleben hier eine echte Demokratisierung der Anlageklasse. Bisher lag die gesetzliche Mindestanlagesumme bei 10.000 Euro. Diese Hürde fällt jetzt weg. Damit lässt sich klimaVest künftig auch über Sparpläne besparen und wird für einen größeren Anlegerkreis interessant. Für Neuanlagen führen wir ab dem 1. September 2026 die Anteilklasse mit der WKN KLV200 ein. Sie investiert in exakt denselben Fonds und dasselbe Portfolio wie die bestehende Anteilklasse mit der WKN KLV100.
Der Unterschied liegt allein in den Rückgabemodalitäten. Für die neue Klasse gilt eine einheitliche Kündigungsfrist von zwölf Monaten. Das ist eine Folge des neuen ELTIF-Regelwerks, das die langfristige Ausrichtung solcher Fonds stärker in den Vordergrund stellt. Davon profitieren letztlich auch die Anleger:innen: Wir können zukünftig einen größeren Teil des Kapitals langfristig in die Ertragsquellen des Fonds investieren und zugleich die Liquidität effizienter steuern und planen. Insgesamt passt das neue Regime damit sehr gut zu unserem Ansatz, in reale Infrastrukturanlagen wie Windparks oder Stromnetze mit langfristigem Anlagehorizont zu investieren.
4. Wie ordnen Sie die Umstellung strategisch ein? Wohin geht die Reise?
Wir bleiben unserer Investmentstrategie treu und erweitern zugleich den Radius. In der Netzinfrastruktur sind wir seit Mai 2025 mit einer indirekten Beteiligung an Amprion investiert, einem der größten Übertragungsnetzbetreiber Deutschlands. Das ist ein reguliertes Geschäftsmodell, das unser Portfolio stabilisiert. In der Stromerzeugung kommen unsere Bauprojekte gut voran: Der Agri-PV-Park in Berlin-Schönefeld, dessen vollständige Inbetriebnahme im September 2026 vorgesehen ist, vereint mit rund 48 MWp Landwirtschaft und Solarstrom auf einer Fläche und zählt zu den größten Anlagen seiner Art in Deutschland.1 Dazu entwickeln sich unsere Photovoltaik-Bauprojekte in Schweden und Spanien planmäßig.
Darüber hinaus prüfen wir weitere Investitionsmöglichkeiten rund um die Energiewende. Hierzu zählen auch Batteriespeicher, insbesondere als potenzielle Ergänzung bestehender Wind- und Solarparks im Portfolio. Sie können dazu beitragen, Erträge zu stabilisieren und die Vermarktung des erzeugten Stroms flexibler zu gestalten. Für solche Entwicklungen bietet uns ELTIF 2.0 künftig zusätzliche Handlungsspielräume.
5. Der Markt für ELTIFs wächst, neue Anbieter kommen hinzu. Wie positioniert sich klimaVest in diesem Umfeld?
Wettbewerb belebt das Geschäft, und führt dazu, dass ELTIFs bekannter werden – wovon auch klimaVest profitiert. Laut der Ratingagentur Scope ist klimaVest mit einem Volumen von rund 1,8 Milliarden Euro der größte ELTIF für Privatanleger:innen in Europa2 und kann auf einen mehrjährigen Track Record verweisen. Seit unserer Auflage 2020 hat der Fonds in jedem einzelnen Geschäftsjahr eine positive Wertentwicklung erzielt, und das mit einem realen Portfolio aus 43 Anlagen in sechs EU-Ländern.3 Zuletzt lag unsere Jahresrendite bei 3,0 Prozent.3 Angesichts der ausgewogenen Portfoliostruktur und der geplanten Investitionen strebt klimaVest für das laufende Geschäftsjahr 2025/2026 eine Zielrendite im Bereich von 3 bis 4 Prozent p. a.4 an.
Diese Stabilität hat einen handfesten Grund. Wir stützen uns auf verschiedene Erlösquellen: langfristige Stromabnahmeverträge mit der Industrie (PPAs), den direkten Stromverkauf am Spotmarkt sowie regulierte Netzvergütungen und staatliche Förderungen. Diese Mischung macht uns widerstandsfähig gegenüber konjunkturellen Schwankungen und verdeutlicht zugleich einen wichtigen Unterschied zu einem Börseninvestment wie einem ETF auf erneuerbare Energien. Bei uns richtet sich der Wert nicht nach der täglichen Börsenstimmung, sondern nach den realen, langfristigen Erträgen unserer Anlagen. Genau daran halten wir fest, und mit ELTIF 2.0 haben wir jetzt den passenden Rahmen, um diese Position in den kommenden Jahren weiter auszubauen.