Du bist Energiemanagerin bei klimaVest – ein Berufsbild, das es vor wenigen Jahren noch kaum gab. Was genau steckt dahinter?
Im Kern geht es um die strategische Vermarktung des Stroms, den das klimaVest-Portfolio erzeugt und zwar zu den bestmöglichen Konditionen für den Fonds und seine Anleger:innen. Klingt einfach, steckt aber viel dahinter.
Märkte schlafen nicht. Ein zentraler Teil meiner Arbeit ist die kontinuierliche Auswertung von Preisentwicklungen, politischen Signalen und Marktdaten. Nur wer die Lage in regelmäßigen Abständen einschätzt, kann rechtzeitig handeln, bevor Risiken oder Chancen das Portfolio erreichen.
Bei bestehenden Assets prüfe ich laufend Optimierungsmöglichkeiten beim Stromverkauf. Kommt ein neues Solar- oder Windkraftprojekt in das Portfolio, analysiere ich die beste Vermarktungsoption. Und vor allem: wann der richtige Zeitpunkt zur Preisabsicherung ist. Diese Entscheidung ist alles andere als trivial: Der optimale Zeitpunkt lässt sich nicht einfach ablesen, er ergibt sich aus einer Vielzahl von Marktfaktoren, die sich regelmäßig verschieben. Ihn richtig einzuschätzen, hat auch Einfluss auf die langfristige Ertragslage eines Assets.
Du sprichst vom richtigen Zeitpunkt. Könntest du das für klimaVest konkret veranschaulichen?
Hohe Strompreise sind eine Chance, aber nur, wenn man sie nutzt, bevor sie sich drehen. Genau das ist der Kern meiner Arbeit: attraktive Preisniveaus zu identifizieren und in diesem Moment langfristige Abnahmeverträge abzuschließen. Ein sogenannter Power Purchase Agreement, kurz PPA, der heute zu guten Konditionen fixiert wird, sichert dem Fonds stabile Erlöse, auch wenn der Markt später deutlich nachgibt.
Ein Beispiel: Wenn politische Entwicklungen oder Marktengpässe die Preise auf ein attraktives Niveau treiben, ist das der richtige Moment, langfristige PPAs für neue oder bestehende klimaVest-Assets abzuschließen. Warten wir zu lange und die Preise fallen, könnten dem Fonds unter Umständen attraktive Margen für die nächsten 10 oder 15 Jahre entgehen.
Auf welcher Grundlage erarbeitest du Vermarktungsempfehlungen für das Fondsmanagement?
Zwei Brillen, eine Entscheidung: Jedes Asset wird auf seine spezifischen Vermarktungsbedingungen hin analysiert und gleichzeitig im Kontext des Gesamtportfolios bewertet. Was für einen einzelnen Windpark in Schweden sinnvoll erscheint, kann aus Portfoliosicht anders gewichtet werden. Für jedes Asset leite ich daraus konkrete Handlungsempfehlungen ab.
Das Grundprinzip ist Stabilität zuerst: Der Löwenanteil des Portfolios läuft über fixierte Vergütungsstrukturen: staatliche Tarife oder langfristige PPAs. Das schafft Planungssicherheit und stabile Erträge für die Anleger:innen. Was an Flexibilität bleibt, geht in die Börsenvermarktung – kein Restposten, sondern ein bewusstes Instrument, um bei günstiger Marktlage von kurzfristigen Preisspitzen zu profitieren. Wer schon einmal einen Handelstag an der Strombörse verfolgt hat, weiß: Preise können innerhalb von Stunden signifikant schwanken. Das ist kein Ausnahmezustand, das ist der Normalzustand.
Die Balance ist entscheidend: Zu viel Festpreisbindung bedeutet, wir verpassen Chancen. Zu viel Abhängigkeit vom Spotmarkt bedeutet, wir setzen Anleger unnötigen Risiken aus.
Wie läuft die Verhandlung eines PPAs ab? Was sind die kaufmännischen Knackpunkte?
Als Energiemanagerin verhandle ich die kaufmännischen Aspekte der Stromabnahmeverträge für klimaVest und sorge dafür, dass die Bedingungen zu den Zielen des Fonds passen. Solche Verhandlungen können sich über Monate hinziehen.
Die entscheidenden Punkte: Preismechanismen für unterschiedliche Märkte, Lieferstruktur, Sicherheitsgarantien etc.. klimaVest schließt keine PPAs mit Partnern ab, bei denen Zweifel an der Zahlungsfähigkeit über 15 oder 20 Jahre bestehen. Ein PPA ist nur so gut wie die Bonität des Vertragspartners.
Welche Entwicklungen auf den Energiemärkten beschäftigen Sie aktuell am meisten?
Der fundamentale Wandel im Vermarktungsmodell: Das Fördersystem, das die Energiewende in ihrer Frühphase getragen hat, läuft aus. Was folgt, ist ein Marktumfeld, in dem Projekte sich über Wettbewerbspreise und direkte Abnahmeverträge behaupten müssen. Nur wer diesen Wandel aktiv gestaltet, hält seine Wind- und Solarparks dauerhaft wirtschaftlich wettbewerbsfähig und genau das ist für klimaVest ein zentrales strategisches Thema.
Konkret beobachte ich drei Entwicklungen sehr genau: Erstens die Corporate-PPA-Nachfrage: Immer mehr Unternehmen wollen Grünstrom direkt von Produzenten wie klimaVest beziehen. Zweitens regulatorische Änderungen bei Förderregelungen in unseren Märkten. Und drittens die anhaltende Volatilität auf den Spotmärkten, die durch geopolitische Verwerfungen noch Jahre nachwirken wird.
Das klimaVest-Portfolio umfasst 43 Assets in 6 Ländern. Wie unterscheiden sich die Vermarktungsstrategien?
Der europäische Strommarkt wird seit Jahren konsolidiert, mit dem Ziel eine sichere und stabile Stromversorgung im europäischen Raum zu gewährleisten. Trotzdem ist jeder Markt einzigartig. Ein Solarpark in Spanien, der über den Spotmarkt vermarktet wird, hat andere Herausforderungen als ein Windpark in Frankreich, der durch einen staatlichen Tarif vergütet wird. Das erfordert für jeden Markt eine eigene Strategie.
Dazu kommt die technologiespezifische Betrachtung: Windparks produzieren im Winter deutlich mehr als im Sommer, bei Solar ist es genau umgekehrt. Das beeinflusst, wie PPAs für einzelne klimaVest-Assets strukturiert werden und welches Lieferprofil sie haben. Diese Komplexität über das gesamte Portfolio hinweg im Blick zu behalten, ist herausfordernd. Aber genau diese Komplexität ist es, die mich jeden Morgen an den Schreibtisch treibt.
Abschließend: Was macht professionelles Energiemanagement konkret für klimaVest-Anleger:innen aus?
Die Energiemärkte sind im Wandel. Ohne professionelles Energiemanagement würde klimaVest entweder zu viel Risiko eingehen oder Chancen liegen lassen. Beides wäre ungünstig für die Anleger:innen.
Als Teil eines eingespielten Teams trage ich dazu bei, dass klimaVest auf Marktveränderungen schnell reagieren kann und gleichzeitig langfristige Ertragsstabilität gesichert ist. Diese Strategien ermöglichen es, die Zielrendite im angestrebten Bereich zu erzielen – unabhängig davon, ob der Strompreis gerade auf einem Hoch oder Tief steht.
Und ehrlich gesagt: Es ist ein außerordentlicher Job. An der Schnittstelle von Märkten, Politik, Technologie und Klimaschutz zu arbeiten. Das ist einzigartig.