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Weltweit warten über 3.000 Gigawatt an erneuerbaren Projekten auf einen Netzanschluss, weil Leitungen fehlen oder bestehende Netze nicht leistungsfähig genug sind.1 Das entspricht etwa dem Dreifachen dessen, was in der EU an gesamter Kraftwerksleistung vorhanden ist. Die regenerative Erzeugung ist also längst da. Was fehlt, sind die Leitungen, die den Strom dorthin bringen, wo er gebraucht wird.

Diese Herausforderung macht nicht an Landesgrenzen halt. In Deutschland beträgt der Anteil an erneuerbaren Energien an der inländischen Netzeinspeisung aktuell rund 60 Prozent.1 Den nächsten Schritt denken immer mehr Länder größer: über Staaten und sogar Kontinente hinweg. „Global Grids" heißt dieses Leitbild. Wir bei klimaVest beobachten die Entwicklung genau, denn sie betrifft das Rückgrat der Energiewende unmittelbar.

Was sind Global Grids?

Der Begriff beschreibt eine Idee, die mehrere Stufen umfasst. Am Anfang stehen die nationalen Übertragungsnetze, wie sie etwa das Unternehmen Amprion in Deutschland betreibt, an dem unser Fonds klimaVest eine indirekte Beteiligung hält. Darauf setzen grenzüberschreitende Verbindungen auf, sogenannte Interkonnektoren, die benachbarte Netze koppeln. Die weitreichendste Stufe sind kontinentübergreifende Verbünde, die Erzeugungsregionen und Verbrauchszentren über tausende Kilometer hinweg zusammenschließen.

Die internationale Vision dahinter trägt den Namen „Green Grids Initiative – One Sun, One World, One Grid“. Das Projekt wurde 2021 auf der Weltklimakonferenz in Glasgow von Indien und Großbritannien angestoßen.2 Der Leitgedanke: Die Sonne geht nie unter. Irgendwo auf der Erde scheint sie immer und irgendwo weht immer Wind. Wer diese Quellen über Zeitzonen hinweg verbindet, kann Strom dorthin leiten, wo gerade Dunkelheit oder Flaute herrscht. So weit die Theorie. Spannend wird es bei der Frage, was Global Grids konkret leisten und wo ihre Grenzen liegen.

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Volatilität ausgleichen, Distanzen überwinden

Wind und Sonne liefern nicht auf Knopfdruck passend zum Bedarf. Über einzelne Regionen betrachtet schwankt ihre Erzeugung mit Wetter, Tageszeit und Jahreszeit. Gefürchtet ist vor allem die sogenannte Dunkelflaute: jene Phasen, in denen weder die Sonne scheint noch der Wind weht, manchmal über Tage hinweg.

Genau hier setzen Global Grids als transnationale oder transkontinentale Stromnetze an. Ein geografisch breit gestreuter Mix aus verschiedenen Erzeugungsquellen gleicht unterschiedliche Temperaturbereiche, Wetterlagen und Zeitzonen gegeneinander aus.3 Was an einem Ort fehlt, ist an einem anderen möglicherweise im Überfluss vorhanden. Je größer der Verbund, desto stabiler die Versorgung.

Das Bild dahinter ist eingängig: Solarstrom aus der nordafrikanischen Wüste fließt über lange Seekabel dorthin, wo in Europa gerade Bedarf besteht. Sonnenreiche Erzeugung dort, wo sie günstig ist, Verbrauch dort, wo er anfällt. Ob solche Verbindungen über tausende Kilometer tatsächlich gelingen, hängt allerdings von mehr ab als von der Technik.

Versorgungssicherheit und geopolitische Unabhängigkeit

Ein zweites Argument für die Umsetzung von Global Grids wiegt seit einigen Jahren besonders schwer. Wer Strom mit Nachbarn teilt, macht sich unabhängiger von einzelnen Lieferanten und von fossilen Brennstoffmärkten.
Europas eng verknüpftes Stromsystem hat das mehrfach bewiesen. Als 2022 zahlreiche französische Kernkraftwerke gleichzeitig gewartet werden mussten, konnte Frankreich Strom aus Spanien und Großbritannien importieren. Und als die Ukraine im selben Jahr binnen Stunden ihre Synchronisierung mit dem kontinentaleuropäischen Stromnetz notfallmäßig vorzog, half der Verbund, durch den Krieg bedingte Stromausfälle abzufedern.3

Ein eindrückliches Beispiel aus dem vergangenen Jahr lieferte das Baltikum. Im Februar 2025 koppelten sich Estland, Lettland und Litauen vom postsowjetischen BRELL-Stromring ab, der unter anderem von Moskau aus gesteuert wurde, und synchronisierten sich ebenfalls mit dem kontinentaleuropäischen Netz.4 Hinter dem Schritt standen 15 Jahre Vorbereitung und ein eindeutiges Motiv: Energieversorgung sollte nicht länger als politisches Druckmittel taugen.
 

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1Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN): Deutschland und Mitstreiter legen Plan für beschleunigten weltweiten Ausbau von Stromnetzen vor, Pressemitteilung Nr. 113/25, 18.11.2025.

2Climate Parliament / Green Grids Initiative, Official Declaration (2021)

3World Resources Institute (WRI): Sharing Electricity Across Borders Could Bolster Energy Security, 25.02.2025.

4Danish Institute for International Studies (DIIS): Baltic States’ synchronization with the continental grid. Policy Brief, Kopenhagen 2025.

5World Meteorological Organization (WMO) / World Trade Organization (WTO): Supporting the Renewable Electricity Transition through Trade, November 2024

6Morocco World News: „German Government Backs 4,800km Sila Atlantik Cable Project with Morocco“, Februar 2026.

7CNN World: „Finland Boards Oil Tanker Suspected of Causing Internet, Power Cable Outages“, 26. Dezember 2024

8Global Energy Storage and Grids Pledge, (COP29-Präsidentschaft, Baku, November 2024), dokumentiert über die Global Renewables Alliance

9Internationale Energieagentur (IEA): Electricity 2026 (Grids)