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Ohne den Umbau der Energieerzeugung auf erneuerbare Energieträger ist dieses Ziel kaum zu erreichen. Entsprechend soll ihr Anteil am Stromverbrauch bis 2030 die Marke von 80 Prozent erreichen. Für Aufsehen sorgte unlängst die Meldung, dass erneuerbare Energien im Jahr 2024 einen neuen Rekordwert erreicht haben: Gut 55 Prozent des Bruttostromverbrauchs wurden durch Erneuerbare gedeckt – zwei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.2 Gemessen an der inländischen Erzeugung und Netzeinspeisung lag der Anteil sogar bei 59,4 Prozent. Der Ausbau der erneuerbaren Energieträger ist den Daten zufolge überwiegend im Soll oder darüber, um die Ziele des Erneuerbare-Energien-Gesetzes zu erreichen. 


Was die positiven Zahlen wirklich aussagen

Das Land scheint also auf einem guten Weg, die gesetzlich verankerten Ziele auch zu erreichen. Aber ist dem tatsächlich so? Expertinnen und Experten äußern sich derzeit zu dieser Frage grundsätzlich positiv, allerdings mit einem deutlichen Aber. Die Tendenz stimme nach einigen Jahren eher langsamen Ausbaus wieder. Abzulesen sei diese nicht nur an der gestiegenen Zahl neu errichteter Anlagen. Es wurden auch mehr Baugenehmigungen beantragt und erteilt, was einen Ausblick in die zukünftige Entwicklung erlaubt.2


Gute Aussichten bei der Solarenergie

Einig sind sich die Befragten darin, dass der Ausbau schneller vonstattengehen muss, sollen die Ziele erreicht werden. Mit Blick auf die beiden hierzulande wichtigsten regenerativen Energieträger Wind- und Solarenergie steht letztere verhältnismäßig gut da. Der Zubau der Solarleistung fiel 2024 mit 16,2 Gigawatt nochmal etwas höher aus als im Vorjahr – ein neuer Rekord. Zwei Drittel des Zubaus erfolgte auf Hausdächern oder an Gebäuden und Fassaden, der Rest auf größeren Flächen.

Auf den ersten Blick eine beeindruckende Zahl, die sich auch durch die steigende Beliebtheit der sogenannten Balkonkraftwerke erklärt. Als sogenannte Balkonanlagen registrierte die Bundesnetzagentur 2024 etwa 435.000 Anlagen im Marktstammdatenregister – fast doppelt so viele wie im Vorjahr. Ihr Anteil an den 16,2 Gigawatt beträgt rund 2,5 Prozent. Wachstumstreiber beim Gesamtzubau waren vor allem ebenerdig errichtete Solarparks (plus 40 Prozent) sowie Solarstromanlagen auf Firmendächern (plus 25 Prozent).3 Hier wie auch auf den Dachflächen von Mietshäusern sehen Expertinnen und Experten noch viel brachliegendes Ausbaupotenzial. So wurden 2024 mehr als eine Million neuer Photovoltaik-Anlagen mit einer Spitzenleistung von rund 16 Gigawatt installiert. 

Auch in der Fläche müssten ihnen zufolge mehr Photovoltaik-Anlagen entstehen, um die geschätzten zusätzlichen 30 Gigawatt pro Jahr zu erreichen, die zum Einhalten der Ziele aus dem Pariser Abkommen nötig wären. Ein Ausbautempo, das aber nicht für unmöglich gehalten wird, zumal die Branche in Person des Hauptgeschäftsführers des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW), Carsten Körnig, von einem anhaltenden Boom spricht. In Kombination mit staatlicher Förderung sorgen weiter anziehende Strompreise dafür, dass zahlreiche Immobilienbesitzer:innen eine Solaranlage auf der eigenen Dachfläche planen. Um diese Geschwindigkeit beizubehalten, sind laut BSW allerdings bessere Wärme- und Stromnetze sowie ein fortschreitender Bürokratieabbau Voraussetzung.3


Viel Luft nach oben bei der Windenergie

Anders stellt sich das Bild bei der Windenergie dar. Bis zum Jahr 2030 sieht die Bundesregierung neue Anlagen mit einer Gesamtleistung von 145 Gigawatt vor. Allein 115 Gigawatt davon sollen an Land erzeugt werden. Um diese Zahl zu erreichen, müssten Monat für Monat Windkraftanlagen mit einer Leistung von knapp 700 Megawatt neu aufgestellt werden. 

Die im Jahr 2024 an Land zugebaute Windleistung lag netto bei 2,5 Gigawatt – das entspricht einem monatlichen Durchschnitt von rund 210 Megawatt und bleibt damit deutlich hinter dem erforderlichen Tempo.4 Jedoch gibt es auch im Bereich Windenergie Grund für Optimismus. 2024 wurden Genehmigungen für knapp 15 Gigawatt Windenergie an Land erteilt – ein Rekord, der fast 90 Prozent über dem Wert von 2023 liegt. Dies lässt steigende Inbetriebnahmezahlen in den kommenden Jahren erwarten.5 Das zu langsame Ausbautempo ist aber nur ein Problem in diesem Bereich. Die räumlich ungleich verteilte Erzeugung ist ein anderes. Zu wenig Windstrom wird im Süden der Republik erzeugt, wo er ebenfalls gebraucht wird. 

Auch unser spanisches Solarprojekt Castillejo hat Ready-to-Build-Status erreicht und soll voraussichtlich 2026 ans Netz gehen. Bei den Projekten zeigt sich jedoch, dass der Netzanschluss das Nadelöhr bei Erneuerbare-Energien-Projekten ist. Deshalb ist der Netzausbau so wichtig.


Monatlicher Leistungszubau Windenergie an Land

in Megawatt [MW]
  • Zubau pro Monat

Zu wenig Windenergie im Süden

Die Ursache hierfür ist nicht ausschließlich im geringeren Wind-Aufkommen in Süddeutschland zu suchen. Gesetzliche Vorschriften etwa in Bayern und Thüringen führten dazu, dass ein gutes Fünftel der bundesdeutschen Landflächen quasi windradfreie Zone sind, so Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme in Berlin.6 Mangelnde Investitionsanreize tun das Ihre dazu. Dieses Nord-Süd-Gefälle bringt verschiedene kostspielige Nebenwirkungen mit sich. So muss die Elektrizität aufwändig durch hunderte Kilometer lange, meist noch im Bau befindliche Stromleitungen vom Erzeuger zum Verbraucher transportiert werden. Bis diese fertiggestellt sind, kommt immer wieder sogenanntes Engpassmanagement zum Einsatz. Dieses führt beispielsweise zu der Situation, dass Windkraftanlagen im Norden bei starkem Wind abgeschaltet werden müssen, weil die entstehende Energiemenge nicht abtransportiert, verbraucht oder gespeichert werden kann. Umgekehrt müssen im Süden konventionelle Kraftwerke hochgefahren werden, wenn dort zu wenig grüner Strom vorhanden ist.7

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1https://www.bundesregierung.de/breg-de/schwerpunkte/klimaschutz/klimaschutzgesetz-2021-1913672

2https://www.tagesschau.de/wirtschaft/energie/erneuerbare-energie-ausbau-stromerzeugung-100.html

3https://www.tagesschau.de/wirtschaft/energie/solarboom-deutschland-100.html

4https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Downloads/DE/Sachgebiete/Energie/Unternehmen_Institutionen/ErneuerbareEnergien/ZahlenDatenInformationen

5https://www.tagesschau.de/wirtschaft/energie/windkraft-ausbau-deutschland-bayern-100.html

6https://www.tagesschau.de/wirtschaft/energie/erneuerbare-energie-ausbau-stromerzeugung-100.html

7https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/energiewende-verzoegerung-kosten-100.html