Umweltfonds Das grüne Finanzprodukt im Porträt

19.12.2023 6 Minuten Lesezeit

klimaVest: Baum auf Wappen Grafik für Umweltfonds

Wirklich nachhaltig und renditestark? Worauf Anleger:innen bei Umweltfonds achten sollten.

Inhalt

Das Wichtigste in Kürze:

  • Bio, grün, ethisch sind keine geschützten Begriffe, daher sollten Sie genau prüfen, was hinter grünen Finanzprodukten wirklich steckt.
  • Die Umwelt im Blick und trotzdem eine vielversprechende Renditechance? Gründliche Recherche ist notwendig, zahlt sich aber aus.
  • Häufig achten Umweltfonds besonders auf den ökologischen Aspekt, doch vernachlässigen soziale wie auch wirtschaftliche Aspekte.
  • Als spezielle Risiken bei der Investition in Umweltfonds gelten Totalverluste (beim geschlossenen Fonds), jedoch auch Naturkatastrophen (Dürre, Überschwemmungen), ein nicht kontrollierbarer Umgang mit “grünem” Vokabular und fragliche Nachhaltigkeitsvorgaben.
  • Umweltfonds zeichnen sich dadurch aus, dass Sie ihren Schwerpunkt auf ökologische und weniger auf soziale Aspekte legen.
  • Eine Klasse für sich unter nachhaltigen Fonds sind Impact Fonds, die sowohl ökologische wie auch soziale Aspekte berücksichtigen. Sie bilden eine neue Anlagemöglichkeit für Privatanleger:innen, überprüfbare Nachhaltigkeit, Diversifikation und damit einhergehend eine deutliche Risikoverminderung. 

Grün, bio, nachhaltig, ethisch, ökologisch: Mittlerweile haben diese Begriffe den Sprung geschafft und bezeichnen nicht mehr nur Produkte im Super-, sondern auch am Finanzmarkt. So positiv sie auch klingen – für viele Anleger:innen bedeutet es bei nachhaltigem Investieren um eine neue Art der Herausforderung, den Überblick zu behalten und zu verstehen, was hinter solchen “grünen” Finanzprodukten eigentlich steckt.

Eins dieser Produkte sind die sogenannten Umweltfonds: Wie ihr Name verrät, wird mit dem Umweltschutz geworben – wortwörtlich. Denn manchmal schmücken Anbieter ihre Finanzprodukte nur mit dieser Bezeichnung, ohne tatsächlich nachhaltige Ziele zu verfolgen. Da der Begriff nicht geschützt ist und nicht die Erfüllung konkreter Kriterien voraussetzt, wird er zu oft für grüngewaschene Marketingzwecke gebraucht.

Doch mit der richtigen Recherche können Anleger*innen tatsächlich nachhaltige Produkte finden und bekommen obendrein eine vielversprechende Rendite-Chance, vor allem mit Blick auf das kollektiv steigende Bewusstsein für Faktoren wie Umwelt- oder Klimaschutz.

Aber: Welche konkreten Vor- und Nachteile gibt es bei Umweltfonds? Welche Risiken gilt es für Sie zu beachten? Und wie nachhaltig sind diese Fonds wirklich? Hier gehen wir der grünen Geldanlage auf den Grund und geben Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Fakten, um Sie bei Ihrer Anlageentscheidung zu unterstützen.

Was sind Umweltfonds?

Umweltfonds sind nachhaltige Themenfonds mit dem Ziel, Umweltschutz und Rendite in einem Produkt zu vereinen. Ihrem Schwerpunkt entsprechend richtet sich die Auswahl geeigneter Investitionsprojekte und -unternehmen nach ökologisch nachhaltigen Kriterien.    

Häufig investieren Umweltfonds in nachwachsende Rohstoffe wie Holz oder Wasser, grüne Immobilien, Energieeffizienz oder Unternehmen, die sich auf besondere Art und Weise für Ökologie und Umwelt einsetzen.

Ein wichtiges Merkmal liegt in der Unterscheidung von Offenen und Geschlossenen Umweltfonds:

  • Offene Umweltfonds zeichnet aus, dass jederzeit Anteile gekauft und auch zurückgegeben werden können, sie sind also zeitlich unbefristet. Hier fließt das Fondsvermögen meist in Unternehmensaktien, Anleihen oder in eine Mischung aus beidem. Ein wichtiges Prinzip ist die Risikostreuung, die durch ein möglichst diversifiziertes Portfolio erreicht wird.
  • Geschlossene Umweltfonds erlauben nur einen zeitlich befristeten Zeitraum für die Investition, da es sich meist um konkrete Projekte, beispielsweise ein spezifisches Solarwerk, handelt. Nachdem ein bestimmter, festgesetzter Betrag investiert wurde, wird das Investment geschlossen. Meist arbeiten solche Fonds mit höheren Mindestlaufzeiten, sodass Anleger*innen über einen längeren Zeitraum als bei Offenen Umweltfonds nicht auf ihr Geld zugreifen können. Durch den Fokus auf bestimmte Projekte erhöhen sich für die Investoren zwar die Renditechancen, durch die fehlende Streuung gestalten sich jedoch auch die Verlustrisiken entsprechend höher.

Wie nachhaltig sind Umweltfonds?

Geschlossene und Offene Umweltfonds investieren gleichermaßen in ökologische Nachhaltigkeit. Damit werden in der Auswahl der Investitionsprojekte wirtschaftliche wie auch soziale Nachhaltigkeitsaspekte weitestgehend ausgeklammert.

Mit dem Fokus auf die Umwelt stehen vor allem die Reduktion von CO2-Emissionen und die Herstellung erneuerbarer Energien auf dem Programm von Umweltfonds. Mit Blick auf die ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance) für nachhaltige Finanzprodukte konzentrieren sich Umweltfonds entsprechend auf das Kriterium E.

klimaVest: Die Grafik zeigt die Kriterien für Environmental des ESG Modells.

Mit dem Fokus auf ökologischer Nachhaltigkeit ist nicht gesagt, dass soziale und wirtschaftliche Aspekte kategorisch keine Rolle spielen. Dennoch ist es wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, was die verschiedenen Schwerpunkte bedeuten.  

Ein Beispiel, um die Unterscheidung zu verdeutlichen: Bei der Recherche stoßen Sie auf einen Umweltfonds, der in Aktien mit Nachhaltigkeitsfokus investiert. Sie können somit sicher sein, dass die darin vertretenen Unternehmen die Umwelt im Blick haben und beispielsweise Wert auf nachhaltige Stromerzeugung legen.

Trotzdem wird bei der Auswahl weniger stark berücksichtigt, ob die im Fonds enthaltenen Unternehmen die Arbeitnehmerrechte ihrer Angestellten schützen oder gar in Korruptionsgeschäfte verwickelt sind

Wie ergibt sich bei Umweltfonds die Rendite?

Bei der Beantwortung dieser Frage muss wiederum zwischen Offenen und Geschlossenen Umweltfonds unterschieden werden: 

  • Die Rendite Offener Umweltfonds wird meist durch steigende Aktienkurse oder, im Falle von Unternehmens- oder Staatsanleihen, durch festverzinste Wertpapiere erreicht.
  • Die Rendite Geschlossener Umweltfonds wird vorrangig durch Verkauf, beispielsweise der erzeugten Energie, erwirtschaftet, die dem Stromnetz zugeführt wird. Darüber hinaus können Investitionsobjekte geschlossener Umweltfonds auch vermietet, verkauft oder verpachtet werden, beispielsweise im Fall grüner Immobilien. Auch mit Emissionsgutschriften im Falle von CO₂-Reduktionen erzielen geschlossene Umweltfonds Gewinn.
klimaVest: Erläuterung ESG. ESG steht
  für Environmental, Social und Governance

Was sind Vor- und Nachteile von Umweltfonds?

Um eine differenzierte Einschätzung der Vor- und Nachteile von Umweltfonds treffen zu können, kommt es darauf an, ob der Fonds offen oder geschlossen ist und welche Investitionsobjekte im Fonds enthalten sind.

Wenn sich beispielsweise ein Solarwerk in einem Entwicklungs- oder Schwellenland befindet, sind andere politische oder gesellschaftliche Faktoren zu beachten als zum Beispiel in einem europäischen Staat.

Mit dieser Tabelle können Sie sich einen Überblick verschaffen:

   Vorteile Nachteile
Offener Umweltfonds
  • Geringes Verlustrisiko durch hohe Diversifikation des Portfolios 

  • Gut zugänglich 

  • Meist niedrige Mindestbeteiligungen, sodass das Fondsprodukt mit geringen Summen “getestet” werden kann 

  • Einfacher Kauf- und Rückgabeprozess  

  • Positiver Beitrag auf den Klimaschutz, der gleichzeitig profitabel ist 
  • Wirtschaftliche oder soziale Nachhaltigkeit wird nicht immer berücksichtigt 

  • Keine allgemeinverbindlichen Auflagen, die die Nachhaltigkeit der im Fonds enthaltenen Produkte prüfen 

  • Keine verpflichtende Messung des ökologischen Beitrags 
Geschlossener Umweltfonds
  • Hohe Renditen möglich 

  • Mögliche Beteiligung an konkreten Umweltprojekten und somit direkter Einfluss 

  • Der Anlagewert kann sich über eine gewisse Zeit verändern, sodass ein Verkauf der Anteile zu einem höheren Preis möglich ist 
  • Keine garantierten Erträge, im Worst Case auch Totalverlust möglich 

  • Lange Mindestlaufzeiten und nur erschwerte Rückgabebedingungen (meist nur mit Nachfolgeinvestor möglich), demnach lange Bindung des Kapitals 

  • Meist exklusive Projekte mit Mindesteinlagen von 10.000 bis 200.000 Euro 

  • Wirtschaftliche oder soziale Nachhaltigkeit wird nicht immer berücksichtigt 

  • Keine verpflichtende Messung des ökologischen Beitrags 

Kritik an Umweltfonds

Auch wenn die Absichten von ökologischen Investments zweifellos gut sind und sie einen positiven Einfluss auf unsere Gesellschaft, unser Klima und unsere Zukunft ausüben können, müssen einige Aspekte unbedingt berücksichtigt werden. Denn vor allem für unerfahrene Anleger*innen können solche Investments gewisse Risiken bedeuten: 

Bei Geschlossenen Umweltfonds, die nicht diversifizieren, sondern nur in ein oder zwei Projekte investieren, besteht das entscheidende erhöhte Risiko eines Totalverlusts. Vor allem muss bei diesem Produkt darauf geachtet werden, dass die gesellschaftlichen und politischen Einflüsse an unterschiedlichen Projektstandorten variieren können und damit auch die Risiken für die Anleger*innen beeinflussen. 

Darüber hinaus bestehen nicht kontrollierbare natürliche Risiken, denen nachhaltige Finanzprodukte in besonderem Maße ausgesetzt sind. Solaranlagen, Wasserwerke oder Windkrafträder sind für ihre Energieerzeugung auf elementare Ressourcen angewiesen, die im Falle von Überflutungen, Stürmen oder Dürren erhebliche Schäden davontragen können.  

In der Vergangenheit sind Projekte dieser Art daran gescheitert, dass beispielsweise alle Solaranlagen in einer einzigen spanischen Küstenregion angesiedelt waren und sich das Risiko somit in einem Standort konzentriert hat.  

Auch die stetige Zunahme von vermeintlich grünen Finanzprodukten, die erst einmal positiv zu sein scheint, birgt Risiken für potentielle Anleger*innen: So manche Anbieter machen sich Greenwashing zunutze, um bei dem aktuellen Trend in Richtung Nachhaltigkeit nicht den Anschluss zu verlieren.  

Dabei handelt es sich schlichtweg um eine Marketingstrategie, die ein Produkt als so grün wie möglich verkauft, ohne überhaupt eine positive Wirkung auf Umwelt, Gesellschaft oder Wirtschaft wirklich nachweisen zu können. So kann es für Interessierte schnell schwierig werden, sich den Weg durch den vermeintlich grünen Urwald nachhaltiger Finanzprodukte zu bahnen. 

Gerade die fehlenden Nachhaltigkeitsvorgaben von Umweltfonds dürfen in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben. Denn Bezeichnungen wie grüne ETFs, nachhaltige Fonds oder ESG-Aktien sind nicht reguliert oder geschützt und setzen somit keine konkreten Kriterien voraus, die für deren Nutzung erfüllt sein müssen.  

Das Ausschlussprinzip kann hier zur Verdeutlichung herangezogen werden: Das Ausschlussprinzip nutzen Fonds, um bestimmte Branchen wie die Tabak- oder Waffenindustrie kategorisch aus ihrem Portfolio auszuschließen. Dieser Schritt reicht bereits aus, um den eigenen Fonds als nachhaltig zu deklarieren. 

Gleichzeitig kann es aber sein, dass ein darin enthaltenes Unternehmen einen enormen Ressourcenverbrauch aufweist und somit im eigentlichen Sinne nicht nachhaltig wirtschaftet. Somit sind Anleger*innen, die beispielsweise in einen offenen Umweltfonds investieren möchten, in der Gefahr, mit ihren Anteilen neben ökologisch wertvollen Projekten gleichzeitig nicht nachhaltige Unternehmen zu fördern.

Was unterscheidet Umweltfonds von anderen nachhaltigen Fonds?

In erster Linie liegt der Unterschied auf dem Schwerpunkt, der vom jeweiligen Fonds gesetzt wird.  

Bei Umweltfonds steht vor allem der ökologische Faktor im Vordergrund. Entlang der ESG-Kriterien, die ökologische, soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigen, können noch entsprechende weitere Formen nachhaltiger Fonds ausgemacht werden: 

Social Investments legen im Gegensatz zu Umweltfonds ein besonderes Augenmerk auf soziale und gesellschaftliche Nachhaltigkeit, während ökologische und wirtschaftliche Aspekte hintangestellt werden. 

ESG-Investments, also zum Beispiel ESG-Fonds, beziehen alle drei Kriterien zu ungefähr gleichen Teilen in die Gestaltung ihres Portfolios mit ein. 

Eine weitere Kategorie nachhaltiger Fonds sind die Impact Fonds. Hier liegt der Fokus auf der Transparenz und Messbarkeit, die bei fast allen anderen nachhaltigen Anlageprodukten nicht reguliert beziehungsweise kontrolliert werden. Impact Investments hingegen definieren ein oder mehrere qualitative Ziele, wie zum Beispiel die Reduktion von CO₂-Emissionen, und machen die Mittel und Wege zur Erreichung dieser Ziele kenntlich und messbar.

Es ist somit nicht falsch, Impact Fonds als eine Ausprägung von Umweltfonds zu bezeichnen – nur dass diese im Anspruch an sich selbst noch einen Schritt weitergehen und so eine eigene Klasse schaffen. 

Ein Impact Fonds, der für Privatanleger*innen offen zugänglich ist, ist der ELTIF (European Long-Term Investment Fund) klimaVest. Er investiert in nachhaltige Sachwerte wie Windkraftanlagen, was Anleger bislang nur bei Geschlossenen Fonds bekommen haben. Dabei orientiert sich klimaVest an festgesetzten Zielen: So sollen mit seinem aktuellen Portfolio über 250.000 Tonnen CO₂ vermieden und über 1.000 Gigawattstunden Ökostrom erzeugt werden.

Impact Fonds ermöglichen es damit Anleger*innen, anhand konkreter Ziele die tatsächliche nachhaltige Wirkung des Fonds regelmäßig zu überprüfen. Diese Wirkung potenziert sich dabei dadurch, dass der Fonds in eine Vielzahl an Sachwerten investiert. Gleichermaßen reduziert genau diese Diversifikation das Risiko erheblich.

Windrad aus Vogelperspektive mit Nebel

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