klimaVest: Head of
  Green Deal Infrastructure Yves Maurice Radwan

Interview mit Yves-Maurice Radwan

02.12.2022 5 Minuten Lesezeit

klimaVest: Redakteur Christian
  Henninghausen
Christian Hennighausen
Redakteur

Als Leiter des Bereichs Green Deal Infrastructure möchte Yves-Maurice Radwan einen direkten Beitrag zur Energiewende leisten. Eine Schlüsselrolle spielt dabei der „klimaVest“, ein Impact-Fonds, der in Solar- und Windkraft investiert und den es nun strategisch wie technologisch weiter auszubauen gilt. Angesichts geopolitischer Spannungen und steigender Energiekosten sieht Yves-Maurice Radwan sich gerade jetzt mit zusätzlichen Herausforderungen konfrontiert. Wie will er damit umgehen? Was ihn an seinem Job besonders reizt, auf welchem Weg er Deutschland sieht und wie er die Zukunft der erneuerbaren Energien einschätzt, lesen Sie im Interview.

Du bist jetzt seit ein paar Monaten Leiter des Bereichs Green Deal Infrastructure bei der CR. Was sind deine neuen Aufgaben und welche davon sind dir am liebsten?

Neben Transaktionen bin ich nun auch für das Assetmanagement verantwortlich. Und genau das ist es auch, was mir Spaß macht: unsere Investitionen ganzheitlich zu begleiten. Hinzu kommt, dass wir im uns „klimaVest“ unverändert noch in der Skalierungsphase befinden. Für mich heißt das: den Bereich weiter ausbauen und optimal ausrichten – zum Beispiel indem wir die Produkte geografisch breiter aufstellen oder neue Technologien wie Batteriespeicher und Wasserstoff stärker gewichten. Der Energiemarkt ist sehr dynamisch – da wird die Arbeit nie langweilig. 

Verrätst du uns in wenigen Sätzen deine vorherigen beruflichen Stationen?

Begonnen habe ich meinen beruflichen Werdegang im M&A-Team der Commerzbank in London, dann bin ich nach kurzer Zeit zu William Blair, einer amerikanischen Investmentbank, gewechselt und mit Eröffnung des Frankfurter Büros im Jahr 2013 nach Deutschland zurückgekehrt. Im Folgejahr bin ich dann über einen Assetmanager, die AREAM GmbH, erstmals mit erneuerbaren Energien in Berührung gekommen.  Die so gewonnene Erfahrung konnte ich anschließend im In-house-M&A-Team der innogy SE einbringen. Nach der Übernahme des Erneuerbare-Energien-Geschäfts der innogy SE durch RWE bin ich bei der RWE gelandet und von dort aus zur Commerz Real gestoßen.

Was begeistert dich am meisten beim Thema erneuerbare Energien?

Erneuerbare Energien sind das Thema unserer Zeit – schließlich gilt es, den Klimawandel zu begrenzen. Ich finde es spannend, über unsere Arbeit einen wesentlichen Beitrag zur Energiewende leisten zu können. Zudem umfassen die erneuerbaren Energien viele Technologien, die alle ihre Besonderheiten haben und mir jeden Tag willkommene neue Lerninhalte liefern. 

Wo siehst du hierbei Potenziale, aber auch Herausforderungen am Markt?

Das Marktwachstum bietet uns viele Chancen, konfrontiert uns aber auch mit besonderen Anforderungen wie ausgeprägter technischer Kompetenz und einer hohen Anpassungsfähigkeit. Die staatliche Förderung hat in den zurückliegenden 20 Jahren starke Kostenreduzierungen ermöglicht, die uns heute erlauben, Projekte finanziell in Eigenregie zu realisieren. Durch den Wegfall der Förderregime am Markt stehen wir vor neuen Herausforderungen. War die Abnahme bislang garantiert, müssen wir den Strom am Markt nun in Eigenregie vertreiben – also mit den Preis- und Fördervolatilitäten umgehen. Das erfordert ein Umdenken und ein tiefergehendes  Verständnis des Energiemarktes. 

Gerade passiert ja ziemlich viel auf der Welt. Begriffe wie „Klimakrise“ und „Ukraine-Krieg“ dominieren die mediale Berichterstattung. Was bedeutet das für den Markt der erneuerbaren Energien und im Speziellen natürlich für deine Arbeit?

Das bedeutet mehr Unsicherheit, weniger Planbarkeit und vor allem höhere Strompreise. Auf Unternehmensseite geht damit zunehmend der Wunsch einher, Strompreise langfristig abzusichern und über grünen Strom das eigene Profil zu dekarbonisieren. Das Umfeld birgt für uns zudem die Chance, mit ausgewählten Partnern näher zusammenzurücken und gemeinsam in diesem volatilen Umfeld Projekte zu realisieren. Natürlich hoffen wir trotz der positiven Effekte, dass insbesondere der Ukraine-Krieg zeitnah ein Ende findet und somit auch wieder Normalität in den Strommarkt einkehrt.

Sind wir in Deutschland generell auf einem guten Weg? Ja oder nein – und warum?

Insgesamt ja. Die Weichen wurden mit ambitionierten Zielen und dem Osterpaket der Bundesregierung gestellt. Trotzdem ist noch Luft nach oben. So müssen die gesetzten Ziele auf lokaler Ebene umgesetzt werden, was voraussetzt, dass Genehmigungsprozesse vereinfacht und mehr Flächen ausgewiesen werden. Um den nachhaltigen Ausbau in Deutschland wie auch in ganz Europa zu unterstützen, wäre der Aufbau beziehungsweise die Stärkung europäischer Lieferketten hilfreich.

Was sind die Stärken der CR im Bereich der Erneuerbaren?

Wir sind seit mehr als 15 Jahren am Markt aktiv und haben schon Photovoltaikanlagen in Deutschland realisiert, als viele Marktteilnehmer dies nur an Sonnenstandorten wie Spanien und Italien für sinnvoll hielten. Wir haben einen Erfahrungsvorsprung und das merkt man auch unserem Team an. Viele waren schon in den Anfängen dabei – sei es im Bereich Transaktionen, sei es im Assetmanagement. Davon profitieren wir sowohl im Ankauf als auch im Betrieb.

Die CR ist ja für ihre Kompetenz im Bereich Immobilien bekannt, wie passt das mit erneuerbaren Energien zusammen?

Im Prinzip greift beides immer stärker ineinander. Erneuerbare Energien und nachhaltige Infrastruktur werden für den Immobiliensektor immer wichtiger – von der Photovoltaikanlage auf dem Dach bis zur EV-Ladestation in der Garage. Wir beschäftigen uns mit solchen Projekten zwar in einer anderen Größenordnung, aber können auch hier unsere Expertise einbringen. Im Gegenzug profitieren wir von den langjährigen Geschäftsbeziehungen im Immobilienbereich, die uns bei der Identifikation von Projekten oder auch Flächen für die Projektentwicklung weiterhelfen.

Wie gehen wir damit um, dass sich die Technik gerade in diesem Bereich rasant weiterentwickelt? Wie schaffen wir es, am Ball zu bleiben?

Wir sehen uns als Teil des Markts und legen großen Wert auf regelmäßigen Austausch mit anderen Marktteilnehmern, inklusive unserer Wettbewerber. Am Ende kann man nicht alle Technologien sinnvoll abbilden und beherrschen. Die Kunst liegt darin, die vielversprechendsten Technologien und damit einen investierbaren „Business Case“ frühzeitig zu erkennen und sich dann gezielt zu positionieren und Expertise aufzubauen. Wir wollen nicht alles „ein bisschen“ machen, sondern die Technologien, in die wir investieren, mit allen ihren Facetten beherrschen.

Seit Oktober 2020 haben wir als CR ja auch den „klimaVest“ als unseren ersten Impact-Fonds im Portfolio, was macht diesen Fonds so besonders?

Der „klimaVest“ genießt am Markt bereits einen sehr guten Ruf und ist sichtbar. Somit bekommen wir eine Vielzahl von Projekten vorgestellt. In Kombination mit unseren eigenen Suchaktivitäten können wir so aus einer Fülle an Projekten die besten Investitionsopportunitäten auswählen und das Portfolio technologisch und geografisch breit diversifizieren. Zudem ist der „klimaVest“ als Artikel-9-Produkt ein Vorreiter am Markt für Nachhaltigkeit.

Der Fonds investiert direkt in Erneuerbare-Energien-Anlagen, also in erster Linie in große und professionelle Windenergie- und Photovoltaikanlagen. Wonach wählt ihr die Investments aus, worauf kommt es dabei an?

Bei der Bewertung eines Projekts spielen sehr viele Faktoren eine Rolle. Wir legen großen Wert auf erfahrene Projektpartner und Dienstleister sowie natürlich auch auf hochwertige technische Komponenten. Die Kombination ist der Schlüssel zum Erfolg. Wenn exzellente Komponenten nicht optimal verbaut werden, kann die langfristige Performance einer Anlage nicht sichergestellt werden. Zudem ist es für uns besonders wichtig, Projekte nicht für sich allein zu bewerten. Natürlich muss jedes Projekt in sich wirtschaftlich sein, aber die Kombination der Projekte im Portfolio und die damit verbundene Diversifikation stehen bei uns klar im Fokus.

Fließt der Strom aus den „klimaVest“-Anlagen direkt in unser Stromnetz? Kann ich ihn bestellen? Anders gefragt: Wie kommt der Strom zum Verbraucher, und die Stromkosten letztlich zum „klimaVest“ und zu den Anlegern?

Alle unsere Projekte speisen in die jeweiligen lokalen Stromnetze ein. Der Strom wird dann über die jeweiligen Verteilnetz- und Übertragungsnetzbetreiber dorthin geliefert, wo er gebraucht wird. Für die Kennzeichnung des grünen Stroms werden in Deutschland zum Beispiel Herkunftsnachweise genutzt. Um diesen direkt aus unseren Anlagen zu beziehen, müsste man theoretisch direkt über ein Kabel angeschlossen sein und einen „physischen“ Stromabnahmevertrag mit uns schließen. Das ist in der Praxis zwar möglich, aber bei gewerblichen Großanlagen eher selten der Fall. Ganz simpel gesprochen kann man den Strom unserer Anlagen als Privathaushalt also nicht einfach so kaufen. Wir verkaufen unseren Strom über die Börse oder an Stromhändler, die den Strom dann an Haushalte und Unternehmen weiterverkaufen.

Was ist deine Vision beziehungsweise dein Ziel, wo willst du mit der CR hin?

Zunächst möchten wir unser Kernportfolio, bestehend aus Solar- und Windkraftprojekten, weiter ausbauen und eine solide, geografisch diversifizierte Basis schaffen. Dazu möchten wir uns technologisch breiter aufstellen und somit das Risiko-Rendite-Profil des „klimaVest“ weiter schärfen.

Was wird im Bereich Erneuerbare noch alles passieren (neue Technik etc.)?

Da erneuerbare Energien vom Produktionsprofil sehr volatil sein können beziehungsweise häufig nicht dem Nachfrageprofil entsprechen oder Angebot und Nachfrage geografisch auseinanderfallen (z. B. deutsches Nord-Süd-Gefälle), werden die Stromnetze stark belastet. Dies erfordert einen erheblichen Ausbau der Netzinfrastruktur sowie Batteriespeicherprojekte, die als Puffer für die Netze dienen können. Beide Themen sind sehr spannend und werden in Zukunft auch für den „klimaVest“ eine Rolle spielen. Daneben bieten neue Anwendungen bzw. Weiterentwicklungen von Photovoltaik und Wind attraktive Potenziale. Dazu gehören Agri-Photovoltaik, die gleichzeitige Nutzung von Flächen für die Landwirtschaft und die PV-Stromproduktion, sowie schwimmende PV- und Windenergieanlagen.

Schnellfragerunde:

Selbst hoch aufs Windrad oder lieber unten bleiben?
Selbst hoch, aber nur mit dem Aufzug.

Real Life oder virtuelle Besichtigungen von Assets?
Ich bin kein Techniker, daher ist mein Mehrwert bei Besichtigungen überschaubar, aber grundsätzlich Real Life.

Wind oder Solar?
Solar.

Finnland oder Schweden?
Schweden.

Zug oder Flug?
Da wir viel im Ausland tätig sind, kommen wir um Flüge häufig nicht herum. Ansonsten bin ich auch gerne mit dem Zug unterwegs. Wenn er denn fährt …

Privat Ökostrom oder Billigtarif?
Ökostrom.
Windrad aus Vogelperspektive mit Nebel

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