Photovoltaikanlage auf einem Gewässer in einem Waldstück

Innovation bei Erneuerbaren Floating PV: Wenn Solarmodule baden gehen

24.08.2025 5 Minuten Lesezeit

Innovation bedeutet Fortschritt. Und auch wenn wir heute noch nicht wissen, welche Möglichkeiten die Zukunft bereithält, zeigt sich bereits jetzt: Die Entwicklungen im Bereich der erneuerbaren Energien schreiten extrem schnell voran. Ein besonders spannendes Beispiel dafür ist Floating PV, eine Technologie, bei der Solarmodule auf Wasserflächen installiert werden. Weltweit wuchs die installierte Leistung von 10 MW im Jahr 2014 auf 7,7 GW im Jahr 2023 – eine Steigerung um das 770-Fache.¹ Wir erklären, was hinter der Technologie steckt und welche Vorteile und Herausforderungen sie mit sich bringt. 

Was ist Floating PV?

Schwimmende Photovoltaikanlagen – kurz Floating PV (FPV) – sind Solarmodule, die nicht auf Dächern oder Freiflächen, sondern auf dem Wasser installiert werden. Die Technologie nutzt künstliche Gewässer wie Bagger-, Tagebau- oder Stauseen und erzeugt dort Strom, ohne zusätzliche Flächen zu beanspruchen.³ 

Das System besteht aus PV-Modulen, die auf schwimmenden Unterkonstruktionen aus hochdichtem Polyethylen (HDPE) montiert sind. Anker- und Verankerungssysteme sorgen für Stabilität, während wasserdichte Verkabelungen den erzeugten Strom sicher ans Ufer leiten.⁴ 

Das Potenzial ist enorm: Deutschland verfügt über mehr als 6.000 künstliche Seen mit einer Gesamtfläche von über 90.000 Hektar.³ Laut Fraunhofer ISE liegt das technische Potenzial bei rund 44 GW² – fast soviel wie unser Windpark Freckenfeld jährlich produziert. Schon eine konservative Nutzung von 15 % der Flächen könnte 1,8 bis 2,5 GW wirtschaftlich erschließbar machen. 

Was sind die Vorteile?

  • Flächen doppelt nutzen: Energiegewinnung ohne zusätzlichen Landverbrauch
  • Weniger Verdunstung: Wasserverluste können um bis zu 30 % sinken 
  • Stärkung der Klimaresilienz: Gewässer reagieren robuster auf Klimaveränderungen 
  • Neue Lebensräume: Unterkonstruktionen bieten Ansiedlungsflächen für Muscheln und andere Organismen 
  • Weniger Nutzungskonflikte: kein Wettbewerb mit Landwirtschaft oder Naturschutzflächen 

     

Schwimmende Solaranlagen bieten zahlreiche Vorteile, die weit über die Stromerzeugung hinausgehen. Einer der größten Pluspunkte ist die doppelte Flächennutzung: Stillgelegte Baggerseen, Speicherbecken oder Wasserflächen in Industrie- und Kläranlagen können für die Energiegewinnung genutzt werden, ohne ihren ursprünglichen Zweck einzuschränken.⁵ 

Ein weiterer Effekt: Floating-PV-Anlagen reduzieren die Verdunstung des Wassers um bis zu 30 %⁶. In sonnenreichen Regionen oder bei Wasserknappheit ist das ein klarer Vorteil, denn der Schatten der Module wirkt wie ein schützender Deckel. Gleichzeitig sorgt das Wasser selbst für Kühlung – die Module heizen sich weniger auf und können dadurch effizienter arbeiten. Studien belegen, dass der Wirkungsgrad unter bestimmten Bedingungen höher liegt als bei vergleichbaren Anlagen an Land.⁵ 

Darüber hinaus können Floating-PV-Anlagen die Klimaresilienz von Gewässern erhöhen, wie eine Studie des Fraunhofer-Instituts zeigt.⁷ Außerdem sind auch neue Lebensräume für Tierarten denkbar. An den Unterkonstruktionen einer untersuchten Anlage siedelten sich beispielsweise Muschelkolonien an, die das Wasser filtern und Phosphor binden. Allerdings betonen die Forschenden, dass die Wechselwirkungen komplex sind und die Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf andere Standorte übertragen werden können. 

Nicht zuletzt entschärft Floating PV den Flächenkonflikt zwischen Energiewirtschaft, Landwirtschaft und Naturschutz. Die Technologie schafft neue Kapazitäten für die Stromerzeugung, ohne wertvolle landwirtschaftliche Flächen oder sensible Ökosysteme zu beanspruchen.⁵  

Welche Nachteile gibt es?

  • Weniger Photosynthese: Verschattung hemmt das Wachstum von Plankton und Wasserpflanzen 
  • Veränderte Gewässerdynamik: Temperatur- und Sauerstoffverteilung können sich verschieben 
  • Hohe Kosten: Installation und Wartung sind deutlich teurer als bei Anlagen an Land 
  • Aufwendige Genehmigungen: rechtliche und regulatorische Verfahren sind komplex 
  • Technische Belastungen: Wind, Wellengang und UV-Strahlung beanspruchen Materialien stark 
So vielversprechend Floating PV ist – die Technologie bringt auch Herausforderungen mit sich, die wissenschaftlich gut dokumentiert sind. Bei einer hohen Abdeckung, wie sie in US-Langzeitexperimenten mit rund 70 % der Wasseroberfläche untersucht wurde, wird das Wasser unter den Anlagen kühler, dunkler und sauerstoffärmer. Weniger Licht hemmt die Photosynthese von Plankton und Wasserpflanzen, wodurch die Primärproduktion sinkt. Gleichzeitig verändert sich die Temperaturverteilung im Gewässer, was natürliche Kreisläufe stören kann.⁸ Zudem behindert die Beschattung den Gasaustausch zwischen Wasser und Atmosphäre. Aus diesen Gründen gilt in Deutschland die Vorgabe, dass maximal 15 % eines Gewässers mit schwimmenden PV-Anlagen bedeckt werden dürfen.⁹ 

Auch wirtschaftlich sind schwimmende Anlagen anspruchsvoller. Die Installation ist kostspielig, da Schwimmkörper, Verankerungen und wasserdichte Verkabelungen höhere Investitionen erfordern. Erschwerend hinzu kommen komplexe Genehmigungsverfahren, der begrenzte Zugang zu geeigneten Gewässern und der Bedarf an spezialisierten Fachkräften für Bau und Wartung. All dies sind Faktoren, die Floating-PV-Projekte derzeit aufwendiger machen als vergleichbare Anlagen an Land.¹⁰ 

Eine weitere Herausforderung sind die technischen Belastungen: Die Anlagen sind Wind, Wellengang und wechselnden Wasserständen ausgesetzt. Das stellt hohe Anforderungen an die Konstruktion. UV-Strahlung, Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen beschleunigen die Materialermüdung, besonders bei Kabeln und Anschlüssen.⁸  

Ein Blick in die Zukunft: Welches Potenzial hat die Technologie?

Floating PV zeigt, wie Innovation neue Wege für die Energiewende eröffnet. Die Marktgröße wurde 2024 auf 7,7 Milliarden US-Dollar geschätzt und soll bis 2034 weiter wachsen.¹⁰ Treiber dieser Entwicklung sind Innovationen bei Materialien und Design – von langlebigeren schwimmenden Strukturen bis hin zu Fortschritten in der Verankerungstechnik. Diese Verbesserungen erleichtern den Einsatz auf unterschiedlichen Gewässerarten. 

Besonders spannend ist die Kombination mit bestehenden Infrastrukturen: Floating-PV-Anlagen können an Wasserkraftwerke gekoppelt werden und so vorhandene Netzanschlüsse und Wartungsteams nutzen. Das reduziert Kosten und beschleunigt die Umsetzung. Auch modulare Plattformen, die sich leicht erweitern lassen, machen die Technologie flexibel für Projekte jeder Größe.¹⁰

Es zeigt sich: Floating PV entwickelt sich von einer Nischenlösung zu einem ernstzunehmenden Baustein der Energiewende. Wir verfolgen technologische Trends im Energiesektor aufmerksam und prüfen fortlaufend neue Investmentmöglichkeiten. Gleichzeitig gilt: Für eine breite Marktdurchdringung sind weitere Forschungsergebnisse entscheidend. Sie helfen, die Technologie weiterzuentwickeln und an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen. 

Bevor Floating PV seine langfristige Rentabilität und Praxistauglichkeit umfassend unter Beweis gestellt hat, beobachten wir die Entwicklung genau, um im richtigen Moment eine fundierte und möglichst sichere Investitionsentscheidung zu treffen. Mit fortschreitender Innovation und passenden Regulierungen könnte die Technologie jedoch einen spürbaren Beitrag zur globalen Dekarbonisierung leisten – vorausgesetzt, ökologische Grenzen werden beachtet und wissenschaftliche Erkenntnisse konsequent berücksichtigt.